43:0 - Ein denkwürdiges Spiel und seine Geschichte

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Die Spieler von "Polizei SV Oberhausen" spielen auf das Tor von "SV Vonderort II".

Oberhausen - Das war mal ein Fußballspiel: 43 Tore, irgendwann nur noch 16 Spieler auf dem Feld, dazu eine Kündigung und am Ende eine Kiste Bier. Solche Geschichten schreibt nur die Kreisliga.

Es war der sechste Spieltag der Kreisliga C Oberhausen-Bottrop. 23 Zuschauer waren zum Sportzentrum Tackenberg im Norden von Oberhausen gekommen - und sie sahen eines der kuriosesten Spiele der Ligageschichte. Mit 43:0 schickte der PSV Oberhausen die zweite Mannschaft des SV Vonderort aus Bottrop am Ende nach Hause. Dabei hat der Torwart sogar noch Schlimmeres verhindert. In den 90 Minuten bis zum Abpfiff gab es mehrere Verletzungen, eine Kündigung, viel Fairness und einen beeindruckenden Kampfgeist. Mehrere Medien berichteten über das denkwürdige Spiel am Sonntag.

Eigentlich hatte alles noch harmlos angefangen. In der 15. Minute stand es 4:0 für den PSV Oberhausen - das kann passieren. Doch dann verließ einer der Vonderort-Spieler den Kunstrasenplatz, verschwand kurz in die Kabine, kam zurück und drückte seiner Trainerin Yvonne Liesenfeld eine Kündigung in die Hand. Vielleicht hatte der Spieler da schon im Gefühl, dass noch 39 Tore folgen sollten.

Hohe Ziele hat sich die zweite Mannschaft des SV Vonderort ohnehin nicht gesteckt. Das Saisonziel des Tabellenletzten lautet "Neuaufbau" - die Mannschaft spielt erst seit dieser Saison im Meisterschaftsbetrieb. "Wunder durfte man keine von uns erwarten", sagt die Trainerin. "Aber mit so einer Klatsche habe ich nicht gerechnet. Ich war sprachlos."

Eine Besonderheit selbst in der Kreisliga C

43:0 - sowas gibt es auch in der Kreisliga C nicht alle Tage. Nur elf Mann hatte Liesenfeld für das Spiel in Oberhausen zur Verfügung, darunter einige Altherrenspieler, die als Ersatz eingesprungen waren. "Der älteste Spieler war 55, der jüngste 20", erzählt SV-Geschäftsführer Christian Schröer. Aber so konnte Voderort wenigstens in normaler Mannschaftsstärke auflaufen.

Doch dann ging es los: Beim 4:0 kündigte der erste Spieler, dann verletzten sich noch zwei. Der Gastgeber blieb fair und nahm ebenfalls drei Spieler vom Feld. Mit acht gegen acht ging der Kreisliga-Kick weiter. Aber auch das konnte nichts an der Klatsche ändern. Allein Oberhausens Torjäger Valentin Alonso-Gil traf elf Mal ins Schwarze.

Im Kasten von PSV-Torwart Marco Kwiotek klingelte es zeitweise im Minutentakt. Dennoch lobt Trainerin Liesenfeld den Schlussmann: "Er ist immer wieder aufgestanden und hat sogar noch Schlimmeres verhindert."

In der Halbzeit stand es bereits 20:0. Was Liesenfeld ihren Spielern dann gesagt hat? "Ich habe ihnen geraten, das Spiel abzubrechen. Aber sie wollten das durchziehen." Dafür zollt der Gegner ihnen großen Respekt. "Es ist nicht selbstverständlich, dass man ein Schicksal so über sich ergehen lässt und bis zum Schluss so fair bleibt", sagt Detlef Heweling, Abteilungsleiter Fußball beim PSV Oberhausen. Nach der Partie gab es anerkennend eine Kiste Bier vom PSV.

Frustration und Enttäuschung seien mittlerweile gewichen. "Wir blicken mit Selbstironie auf das Spiel zurück", sagt Schröer. Trainerin Liesenfeld schaut derweil nach vorne. "Das Spiel war der absolute Ausnahmezustand. Wir wollen jetzt erst richtig Gas geben." Am kommenden Samstag spielt ihr Team zu Hause gegen die dritte Mannschaft der Batenbrocker Ruhrpott Kicker. Vielleicht reicht es ja dann für den ersten Saisonpunkt. - dpa

Quelle: wa.de

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