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12 Cellisten der Berliner Philharmoniker

Musikalische Verkostung

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Frankfurt - Wehe, wenn sie losgelassen, aus dem Philharmoniker-Verbund. Dann wird aus den 12 Cellisten des Berliner Professoren-Orchesters ein All-Star-Ensemble, das völlig neue Saiten aufzieht. Von Klaus Ackermann

Seit 1972 unterwegs in Sachen origineller musikalischer Verkostung, gab es bei Pro Arte in der Alten Oper Frankfurt wieder die lustvolle Kür aus Original-Werken und auf den Cello-Resonanzkörper geschriebenen Arrangements von hohem spieltechnischen Anspruch.

Von wegen Monokultur auf der Kniegeige – von Zupfbass-Lage bis zum hohem Geigenton hat die Reichweite orchestrales Format. Dazu ein bis in Sphärenklänge modifizierbarer Ton, solistischer Ehrgeiz sowie der individuelle Gestus: Kein Wunder, dass sich Komponisten wie Jean Francaix nicht lange bitten ließen, dessen „Aubade“ bei den Berlinern so geistreich wie ironisch daherkommt. Das „Morgenständchen“ muss der Franzose vorm Aufstehen geschrieben haben, so herzhaft ist das orchestrale Gähnen, mit gemütvollem Allegretto amabile aufwartend und allmählich Fahrt aufnehmend. Das finale Presto swingt teuflisch – und Zwischengas gibt’s auch noch.

Vorausgeht die Embolada aus den Bachianas Brasilieras Nr. 1 von Heitor Villa-Lobos, Inbegriff südamerikanischen Lebensgefühls und rhythmisch wie klanglich delikat abgeschmeckt. Eine Originalkomposition hat auch der unvergessene Boris Blacher geliefert, in „Blues, Espagnola und Rumba philharmonica“ die klanglichen Tugenden der 12 Cellisten weidlich nutzend. Sein Blues verhaucht nach ergiebigen Spiccato-Spiel (wenn der Bogen von der Saite zurückschnellt) in einem zarten Glissando, die Espagnola kommt einem mit ihren heftig synkopierten Rhythmen spanisch vor, und eine Rumba ist philharmonica, wenn Berliner Philharmoniker den Korpus ihrer Celli als Bongo-Trommel benutzen.

Unterhaltsames auch nach der Pause – und da sind die zwei Damen und zehn Herren keineswegs prüde, bestens bedient von Wilhelm Kaiser-Lindemann (1940-2010), dessen kunstvolle Arrangements schon eine Klasse für sich sind. Im Evergreen-Reigen fällt ein „Sous les ponts de Paris“ auf, bei dem der Leierkasten reparaturbedürftig ist – sauschwer, so etwas auf den Celli zu spielen. Oder der smarte Bossa Nova des Jorge Ben Jor, Morricones „The Man With The Harmonica“ – das Violoncello als schneidende Bluesharp, wahrlich ein Requiem für den Gehenkten. Nicht zu vergessen: Glenn Millers „Moonlight Serenade“, bei der man eine Bigband zu hören glaubt, und Duke Ellingtons ebenso berühmtes „Caravan“, bis an Geräusch-Grenzen angeschrägt.

Viel Jazz also bei der philharmonischen Caféhaus-Musik, die zünftig swingt und bei der sich das mit Bravos nicht geizende Publikum noch zwei Piazzolla-Tangos erklatschte. Auch das haben die philharmonischen Cellisten drauf.

Quelle: op-online.deRubriklistenbild: © Oliver Weber/pixelio.de

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