Bonner Bundeskunsthalle zeigt „Kasimir Malewitsch“

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    • 11.03.14
    • Kultur NRW
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Bonner Bundeskunsthalle zeigt „Kasimir Malewitsch“

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Von Ralf Stiftel -  BONN Aus geometrischen Formen besteht das „Selbstporträt in zwei Dimensionen“, das Kasimir Malewitsch 1915 malte. Fünf Vierecke und eine Kreisform lassen auch sich beim besten Willen nicht zu einem Gesicht assoziieren. Aber oben schwebt das schwarze Quadrat, das den russischen Maler weltberühmt machte. Wenn man so will, eine Signatur.

Das Schwarze Quadrat gehört dazu bei Kasimir Malewitschs „Selbstporträt in zwei Dimensionen“, das die Bonner Ausstellung eröffnet.

© Museum/Katalog

Das Schwarze Quadrat gehört dazu bei Kasimir Malewitschs „Selbstporträt in zwei Dimensionen“, das die Bonner Ausstellung eröffnet.

Das Gemälde empfängt die Besucher der Ausstellung „Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde“ in der Bundeskunsthalle in Bonn. Und wenn man auch seine Bilder in den letzten Jahren immer wieder einmal sah, ist es doch die erste umfassende Werkschau seit mehr als 20 Jahren. Mit dem schwarzen Quadrat hat Malewitsch 1915 einen Wendepunkt der Kunstgeschichte markiert. In dem Bild trieb er die Abstraktion bis zum Äußersten. Weniger Form als ein Quadrat? Weniger Farbe als Schwarz? Das ging nicht. Man kann das als Provokation ansehen. Malewitsch platzierte in einer Ausstellung in Petrograd 1915 das Bild in die obere Ecke des Raumes, an jene Stelle, die in russischen Haushalten der Ikone vorbehalten war. Das schockierte fromme Besucher. Aber Malewitsch war es ernst. Er sah im Quadrat die „Ikone unserer Zeit“.

Das originale schwarze Quadrat ist in Bonn nicht zu sehen – aber es ist ja im Selbstporträt präsent. Und das kaum weniger berühmte rote Quadrat (1915) kam aus St. Petersburg an den Rhein. Es ist nicht quadratisch. Was nicht am Unvermögen des Künstlers liegt, sondern daran, dass er ein Abbild des Quadrats im Raum bietet, Die rote Fläche schwebt, flattert sozusagen auf dem Malgrund. Die Abweichung vom geometrischen Ideal ist dieser Bewegung geschuldet.

Man muss schon Geduld und Einfühlungsvermögen mitbringen, um das Visionäre an Malewitsch (1878–1935) zu erkennen. Dabei hat der Mann die Kunst umgekrempelt. Der Raum mit den suprematistischen Bildern, jenen nur aus geometrischen Formen komponierten Tafeln, markiert einen Höhepunkt der Bonner Schau. Hier löste sich die russische Kunst von den westlichen Einflüssen, wurde streng und klar wie die russischen Ikonen. Ein Bild des Hl. Nikolaus aus dem 16. Jahrhundert hängt zwischen den Bildern mit Streifen, Balken, Kreisen. Betrachtet man das Gewand des Heiligen, sieht man, dass der unbekannte Meister alle Regeln des Realismus missachtet und ein Muster aus schwarzen und weißen Quadraten geschaffen hatte. Für Malewitsch ging es ebenfalls nicht darum, etwas abzubilden. Seine Gemälde schufen ihre eigene, spirituelle Wirklichkeit. Einige suprematistische Gemälde wirken ganz ruhig, wie Stillleben. Andere entwickeln eine erstaunliche Dynamik wie das „Suprematistische Gemälde (mit schwarzem Trapez und rotem Quadrat)“ (1915), in dem die große Form geradezu ins Bild zu purzeln scheint.

Malewitsch blieb bei den Quadraten nicht stehen. Er nahm in wenigen Jahren schon fast alle Tendenzen vorweg. In der „Auflösung einer Fläche“ (1917) hellt er am rechten Rand das rote Viereck so auf, dass sich die Farbe im weißen Grund aufzulösen scheint. Dann malte er mit weißer Farbe auf weißem Grund. Der Mann war wirklich an der Spitze.

Die Schau bietet aber noch viel mehr als diese avanciertesten Beispiele früher Gegenstandslosigkeit. Sie ist eine Kooperation mit dem Stedelijk Museum in Amsterdam, das eine der größten Malewitsch-Sammlungen besitzt. Dort lockte die Schau 280 000 Besucher an. Nach Bonn zeigt die Tate Modern in London die Schau. Sie bringt neben wichtigen Leihgaben aus russischen Museen, dem Museum of Modern Art New York, dem Moderna Museet Stockholm auch Werke aus den Sammlungen Chardschijew und Costakis, die bislang nicht ausgestellt waren. So hat der Besucher in Bonn eine Überschau von den Anfängen ab 1903, als er, inspiriert von Werken französischer Meister wie Monet und Cézanne, impressionistisch malte, bis zu den Porträts der letzten Jahre vor seinem Krebstod 1935.

Rund 300 Exponate sind zu sehen, neben Malewitschs Gemälden, Zeichnungen, Skizzen auch Werke seiner Zeitgenossen und Schüler wie El Lissitzky, Michail Larianow, Wladimir Tatlin. Dabei sieht man nicht nur jene Skizzen zum Bühnenbild der Oper „Sieg über die Sonne“, in denen sich schon das schwarze Quadrat andeutet. Man hört auch eine Neueinspielung jener Oper, die zu einer Initialzündung der russischen Avantgarde wurde.

Man kann verfolgen, wie Malewitsch sich von der westeuropäischen Entwicklung anregen ließ, Fauvismus, Kubismus, Futurismus verarbeitete. Aber er behielt ebenso immer auch russische Volkskunst im Blick, neben den Ikonen vor allem die Lubok, Flugblatt-Holzschnitte. Ein Gemälde wie „Ein Engländer in Moskau“ (1914) überlagert collagehaft Details und Schrift. Die Zentralfigur blickt frontal aus dem Bild, wie ein Heiliger. Christliche Symbole wie eine Kirche, eine Kerze, ein Fisch umgeben ihn. Hinzu treten private Codes wie der Löffel, den Malewitsch damals wie ein Vereinsabzeichen der „Februaristen“ am Revers trug.

Malewitsch hatte kein einfaches Leben, obwohl er zeitweise als Leitfigur der russischen Kunst figurierte. In den frühen 1920er Jahren hatte er die Malerei aufgegeben und versuchte, als Lehrer und Vordenker an Akademien der Revolution zu einer passenden Ästhetik zu verhelfen. Architekturmodelle, Plakatentwürfe, Porzellan und Lehrtafeln dokumentieren diese theoretische Arbeit. Aber je mehr Stalin den Kurs vorgab, desto weniger war derartiger Modernismus gefragt.

Als Malewitsch Ende der 1920er Jahre erneut zu malen begann, wandte er sich wieder der Figuration zu. Die Vorgaben des Sozialistischen Realismus beeinflussten sein Spätwerk. Aber er vollzog die Wende auch aus eigenem Willen. Der „Kopf eines Bauern“ (1928/29) steht vor einer Linie Feldarbeiterinnen, und am Himmel steigen Flugzeuge auf. Seine Figuren bilden eine Synthese aus seinen bisherigen Entwicklungen, man findet wieder den synthetischen Kubismus der 1910er Jahre. 1933 malt er ganz traditionell seine Frau, seine Mutter, sich selbst mit verschattetem Gesicht. Im selben Jahr entsteht das Porträt Nikolai Punin, im Profil, wie von einem italienischen Renaissancemeister. Er trägt aber nicht realistische Gewänder, sondern geometrische Streifen. Ein Nachhall des Suprematismus. Signiert hat Malewitsch das Bild auch: Mit einem kleinen schwarzen Quadrat. Soviel trotzige Subversion musste sein.

Die Schau

Ein Querschnitt durch das Schaffen des Avantgardisten zeigt, wie ein Künstler sich bei allen Wendungen, gegen alle Zwänge treu blieb: Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde in der Bundeskunsthalle Bonn. Bis 22.6., di, mi 10 – 21, do – so 10 – 19 Uhr,

Tel. 0228/ 91 71 200,

www.bundeskunsthalle.de,

Katalog, Kerber Verlag, Bielefeld, 32 Euro

Quelle: wa.de

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