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Jean-Guihen Queyras beim Bachkonzert in der Frankfurter Alten Oper

Musik der Entfesselung

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Frankfurt - Eine Musik der Entfesselung, ein wilder Tanz, von der Kirche bekämpft und von der Obrigkeit verboten: Das war die „Folia“ in der frühen Neuzeit. Von Axel Zibulski

In der Musik des Barock wurde sie zu einer beliebten musikalischen Themen-Vorlage, zum Beispiel für den exzentrischen französischen Komponisten Marin Marais, um eine Generation älter als Johann Sebastian Bach. Cellist Jean-Guihen Queyras ließ zu Beginn seines Konzerts im Mozart-Saal der Alten Oper Musik eben dieser beiden Komponisten pausenlos aufeinander folgen.

Der Effekt dürfte beabsichtigt gewesen sein: Johann Sebastian Bachs für Viola da Gamba komponierte Sonate D-Dur BWV 1028 ließ Jean-Guihen Queyras in aller konzentrierten Ruhe, Transparenz und Gemessenheit des Ausdrucks wie einen Ruhepol auf die Extravaganzen von Marin Marais folgen. In dessen Suite d-Moll wird das „Folia“-Thema nämlich höchst vital gesteigert: Die kräftig tönenden Farben, die rhythmischen Kapriolen, das forcierte Tempo - all das schien Jean-Guihen Queyras besonders gut zu liegen. Bis zum Geräusch, zum Flüstern, zum Aufschrei trieb er, wo es passte, sein Instrument. Zugleich verspielt und verdeutlichend wirkt diese Musizierhaltung des 1968 geborenen Franzosen, ehemaliger Cellist des auf zeitgenössische Musik spezialisierten Ensemble Intercontemporain. Nicht weniger würzig, unterhaltsam, überraschungsreich als die Musik von Marais vermittelte er auch Igor Strawinskys „Suite italienne“ mit ihren fünf Sätzen.

Hauptwerk des Abends der Bachkonzerte war die Sonate F-Dur op. 99 für Violoncello und Klavier von Johannes Brahms. Gerade ihr Kopfsatz wirkt mit seinen weiten Intervallen gern wuchtig – freilich nicht bei Queyras und seinem so unbeschwert wie flexibel korrespondierenden Klavierpartner Alexandre Tharaud. Denn Queyras’ enorme Wendigkeit, seine Geschmeidigkeit und zugleich äußerste Präzision garantierten eine höchst beglückende, niemals erdige Interpretation. Eine Schubert-Bearbeitung und Fritz Kreislers „Liebesfreud“ waren die ebenso aparten Zugaben.

Quelle: op-online.deRubriklistenbild: © dpa

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