Nein, es handelt sich nicht um einen Haushalt, bei dem die Mitbewohner aus lauter Hunger noch den Teller anbeißen. Wobei dies - zugegeben - vielfach so wirkt. Denn diverse der Porzellan-Platten weisen an einer Stelle des Randes exakt jenes halbrunde Loch auf, wie es von kräftigen Zähnen herausgebissen sein könnte.

Der Hausherr trägt an diesem besonderen Merkmal der Teller nicht unerheblich Anteil. Nicht, dass er bei den Mahlzeiten zu viel Biss zeigen würde. Vielmehr ist das Phänomen der „angebissenen“ Teller seiner Säumigkeit bei einer von der Grande Dame des Hauses seit geraumer Zeit angemahnten Instandsetzung zuzuschreiben. Der Hausherr nämlich sollte den Wasserhahn reparieren. Dessen antiquierter, metallener Griff in Form eines massiven dreizackigen Sterns mit blauem Punkt darauf rutschte immer wieder von der Mischbatterie ab und stürzte ins Spülbecken. Dort schlug er dann regelmäßig in die Stapel der zum Spülen ins Becken gestellten Teller ein. Zwar hatte die Grande Dame längst aufgegeben, den Hausherrn ein ums andere Mal an ihre Reparatur-Bitte zu erinnern. Dafür aber servierte sie ihm das Essen bisweilen auf einem „angebissenen“ Teller, womit seinem Gewissen immer wieder die ausstehende Bringschuld vergegenwärtigt wurde. Das wirkte schließlich: Jetzt hat sie eine neue Armatur mit Einhebelmischer... ▪ hütt
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