WICKEDE ▪ Kann eine Straße weiter den Namen eines Mannes tragen, der im Dritten Reich eine überaus fragwürdige Rolle spielte? Mit dieser Frage wird man sich bald im Rathaus auseinander setzen müssen.

© Bunte
Die Wagenfeldstraße ist nach einem großen Heimatdichter benannt – der jedoch ein Befürworter des Naziregimes gewesen sein soll. ▪
Auf dem Stadtplan fällt die Straße kaum auf, sie ist eher ein kleiner Seitenarm, eine Sackgasse. In die ist auch ihr Namensgeber posthum geraten: Der Heimatdichter (1869 – 1939) wurde vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Mitläufer der Nationalsozialisten enttarnt. Und reihum beginnen die Städte und Kommunen zu überlegen, wie sie mit den Straßen, die nach ihm benannt sind, verfahren sollen (der Anzeiger berichtete gestern auf der überregionalen Kulturseite). Mit „Google Maps“ lassen sich allein in Westfalen 13 solche Straßen finden – eine davon in Wickede.
Der LWL listet eine ganze Reihe von Persönlichkeiten auf, deren Rollen im Dritten Reich zwar nicht zwangsläufig die von überzeugten Nazis waren, sondern oft nur die der Mitläufer: Agnes Miegel ist darunter, Karl Wilhelm Jötten, Carl Diem – ebenso die Olsberger Schriftstellerin Maria Kahle, eine entschiedene Parteigängerin, die das Hitler-Regime bis zum Ende bedingungslos unterstützte, und die sauerländische Lyrikerin Christine Koch, der nachgesagt wird, Gedichte mit einer offenen Parteinahme für Hitler und die NSDAP verfasst zu haben. Auch nach diesen beiden Frauen sind zwei Wege in Wickede benannt.
Als der Anzeiger vorgestern Abend das Rathaus mit der Wagenfeld-Problematik konfrontierte, wurde Bürgermeister Hermann Arndt schnell aktiv. „Wir haben den LWL gebeten, uns Informationen über diese drei Personen zukommen zu lassen, um dann eine politische Entscheidung zu fällen“, so Arndt gestern.
Letztlich hänge der Beschluss dann auch mit der Schwere der Verfehlung ab, denn eine Umbenennung der Straßen bedeute nicht nur einen hohen bürokratischen Aufwand: „Auch die Anwohner müssen überall, wo sie mit ihren Adressen gemeldet sind, ihre Anschriften ändern lassen, bis hin zu ihren Visitenkarten.“
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