507.10.11|Warstein|Warstein|
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SICHTIGVOR ▪ Als im vergangenen Jahr in Sichtigvor ein Fachwerkhaus einstürzte, gingen viele Bürger davon aus, dass es sich nur um den alten Gasthof Schöne handeln könne. Sie irrten. Ein Gebäude in Alt-Sichtigvor fiel in sich zusammen. Von R. Großelohmann

Einst stolz und schön, heute verkommen: der Gasthof Schöne.
Dennoch war sich die Bevölkerung einig, dass es nicht mehr lange dauern könne, bis auch der denkmalgeschützte Gasthof am Kreisel in Schutt und Asche liegen würde. Diese Auffassung vertritt auch das Bauordnungsamt der Stadt. Dem Eigentümer Willi Gröblinghoff wurde jetzt eine Frist gesetzt, die Standsicherheit wiederherzustellen. Ein ordnungsrechtliches Verfahren gegen ihn ist eingeleitet.
Erst zu Jahresbeginn schauten Experten des Landesdenkmalamtes Münster in Sichtigvor vorbei, um zu beurteilen, ob das Gebäude weiterhin Denkmalwert hat. Sie befanden, dass sich an der ursprünglichen Bewertung nichts geändert hat. Willi Gröblinghoff, eigenwilliger Eigentümer, ist von der Stadt nun eine Frist gesetzt worden. Er muss die Standsicherheit ganz kurzfristig wiederherstellen. Er hatte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder euphorische Pläne für das Anwesen entwickelt, die jedoch allesamt scheiterten.
Das heute verfallene Gebäude war 1855 von Eberhard Krick erbaut worden. Vorher hatte an dieser Stelle bereits ein Wirtshaus mit Schmiede gestanden. Der Neubau wurde dem Straßenverlauf der neugebauten Provinzialstraße in Richtung Allagen angepasst. Nach dem Tod von Eberhard Krick 1863 führte seine Tochter Gertrud Krick den Betrieb bis in das letzte Jahrzehnt des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Danach erwarb Heinrich Schöne den Mülheimer Hof. Nach seinem Tod führte seine Tochter Gertrud den „Gasthof H. Schöne“ weiter. Sie pflegte das Elternhaus mit hohem finanziellen Aufwand. Am 27. November 1984 wurde das Haus von der Stadt unter Denkmalschutz gestellt. 1986 verstarb Gertrud Schöne. Die Erben des Erbberechtigten Adolph Schöne verkauften das gepflegte Anwesen.
Kritisch sieht Ortsvorsteherin Heike Kruse den Vorgang. „Die Sichtigvorer würden lieber von jetzt auf gleich sehen, dass das Gebäude abgerissen wird“, sagte sie. Das einstmals gepflegte Anwesen sei seit langem ein Schandfleck. „Es beschämt mich als Ortsvorsteherin, dass wir hier zu keiner Lösung kommen.“
Unverständlich ist für sie, dass das Denkmalamt bei dem Ortstermin nicht Rücksprache mit ihr genommen hat. Im jetzigen Zustand müsse ein Abriss angestrebt werden, wie vor einige Jahren beim Haus Niewöhner in Belecke. Deshalb sei der Gasthof aus der Denkmalliste zu streichen. „Wenn man sein Eigentum so verkommen lässt, darf es nicht mehr geschützt werden. In der Bevölkerung herrscht Zorn“, so Heike Kruse.
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