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Im Technischen Rathaus Vorbereitungen für Diskussion im Rat

„Der Wind hat sich gedreht“: Täglich Anfragen nach Flächen

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WARSTEIN ▪ Neben der konkreten Anfrage für eine Ausweisung einer Windvorrangfläche auf der Hohen Lieth bei Suttrop liegen im Rathaus derzeit zwei weitere Anfragen für Flächen in Allagen vor. Und täglich kommen im Technischen Rathaus Anrufe an, in denen sich vornehmlich Ingenieurbüros aus ganz Deutschland erkundigen, ob und wo es in Warstein mögliche Grundstücke für Windkraft gibt. Von Peter Teichmann

Reiner Wehage vor einem Plan mit geeigneten Windflächen: Die Küste und der Haarstrang gehören dazu. ▪

© Teichmann

Reiner Wehage vor einem Plan mit geeigneten Windflächen: Die Küste und der Haarstrang gehören dazu. ▪

Stadtplaner Reiner Wehage kann auf solche Fragen derzeit keine Antwort geben, aber er und seine Kollegen an der Schulstraße wappnen sich, um dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Wirtschaftsförderung ein alle Facetten umfassendes Paket vorzulegen, auf dessen Grundlage abgewogen werden muss, ob die Stadt Warstein neben den Gebieten Kalkofen und dem Mehlhügel im „Dreiländereck“ Warstein, Rüthen und Anröchte auf der Haar überhaupt eine weitere Vorrangfläche ausweisen möchte.

„Die Diskussion wird nicht ohne Konflikte ablaufen“, weiß der 58-Jährige aus der Vergangenheit. Er erinnert an die Zeit zwischen 1995 und 1998, als Warstein als eine der ersten Kommunen überhaupt im Regierungsbezirk Arnsberg das Thema anging. Eine Bürgerversammlung im Haus Teiplaß war sehr gut besucht, im Laufe des Verfahrens sammelten sich hunderte Anregungen und Bedenken. Aber die Entscheidung für die Haar führte schließlich dazu, dass Warstein als beispielhaft in einer Publikation des Regierungspräsidenten beschrieben wurde.

Das ist Schnee von gestern, es beginnt ein neues Spiel, angestoßen durch den Windkrafterlass der Landesregierung NRW und den Schwenk in der Energiepolitik in der Bundesregierung nach der Katastrophe von Fukushima. Die Bauverwaltungen erwarten Änderungen im Bundesbaugesetz, die den Betrieb von Windkraftanlagen sehr lukrativ machen. Waren vor einigen Jahren noch Pachten von 10 000 bis 15 000 Euro jährlich pro Windrad-Standort zu erzielen, so gehen diese Erträge inzwischen in Richtung sechsstelliger Summe. „Es ist eine regelrechte Goldgräberstimmung aufgekommen“, sagt Reiner Wehage, der den Blick aber auf die Realität lenkt: „Wenn eine Kommune zu dem Ergebnis kommt, dass auf ihrem Gebiet keine Windräder mehr aufgestellt werden sollen, dann passiert das auch nicht“.

Denn es geht inzwischen um ganz andere als die bekannten Dimensionen. Die Flügel der zwölf Anlagen auf der Haar schrappen alle knapp an der 100-Meter-Höhengrenze. Mehr war bei der Genehmigung nicht drin, weil sie in der Flugschneise für den Flugplatz Paderborn-Lippstadt liegen. Doch solch „kleine“ Windräder werden gar nicht mehr genehmigt, die doppelte Größe wird angestrebt. Das gilt auch für den Fall, das die bestehenden Windräder eines Tages ersetzt werden müssen: Die Leistung der ein Dutzend Mühlen wird dann von vielleicht zwei oder drei Riesen-Rädern erbracht.

Was sich in der oberflächlichen Wahrnehmung wie der unbedingt gewollte Vorstoß für die Windenergie liest, ist behaftet mit einer Menge an Detailfragen: „Ich darf an den Wachtelkönig erinnern“, meint Reiner Wehage. Das plötzliche Vorkommen der seltenen Vogelart hat im Genehmigungsverfahren für Vorrangflächen auf der Haar per Verwaltungsgericht Sperrzonen hervorgebracht. Aber außer den Naturschutz-Belangen geht es um Abstände zur Bebauung, Absprachen mit Nachbarkommunen (wie bereits geschehen), das Landschaftsbild, und natürlich die „Windhöffigkeit“, wie die Windbauern das Luft-Vorkommen in Antriebsstärke nennen.

Auch die Möglichkeit, sogenannte Kyrill-Flächen in den heimischen Wäldern zu nutzen, ist nur ein Angebot. Natürlich ist es für die Stadt Warstein interessant, weil dort auch Gewinne erwirtschaftet werden können. Die Stadtplaner werden das untersuchen, aber Rainer Wehage macht deutlich: „Es ist eine große Herausforderung, ein Riesen-Rad dort erst einmal hinzubringen“.

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