WARSTEIN/PADERBORN ▪ Dieser Termin war auch für Catharina Cramer etwas ganz Außergewöhnliches. Im benachbarten Paderborn drückte die geschäftsführende Gesellschafterin der Warsteiner Gruppe am Donnerstagnachmittag den roten Knopf. Damit nahm die Brauerei-Chefin aus Warstein offiziell das neue, 3,5 Millionen Euro teure Windrad am Brauereistandort Paderborn in Betrieb.

40 Prozent des Stroms soll das neue Windrad decken. Die Gondel überragt die zur Warsteiner Gruppe gehörende Brauerei um 125 Meter. J
Von Reinhold Großelohmann
Bereits seit Weihnachten produziert die 2-Megawatt-Anlage Strom. Die Brauerei geht davon aus, dass zukünftig 40 Prozent des Strombedarfs aus Wind gedeckt werden kann.
Das neue Windrad mit einem Rotordurchmesser von 90 Metern hat eine Nabenhöhe von 125 Metern und überragt bei senkrechtem Flügelstand mit 170 Metern an Größe sogar den Kölner Dom. Die drei benachbarten Windräder der Firma Stute sind genauso wie der Paderborner Dom in Sichtweite gegenüber der neuen Windkraftanlage ein Zwerg. So nahm die Brauerei die neue Anlage gestern unter großem Medieninteresse in Betrieb.
Mit der Windkraftanlage des Modells Vestas V 90 ersetzt die Paderborner Brauerei fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energien und sichert sich langfristig gegen steigende Stromkosten ab. „Durch diesen Schritt sehen wir uns in der Lage, unsere Biere auch weiterhin preisgünstig anbieten zu können“, erläutert Marketingmanager Peter Böhling das ökologisch nachhaltige Handeln des zur Warsteiner Gruppe gehördenden Paderborner Traditionsunternehmens, das bereits 2007 für Verbesserungen seines Druckluftsystems mit dem 2. Platz beim Energie-Effizienzwettbewerb der Bundesregierung ausgezeichnet wurde.
„Für uns ist heute
ein großer Tag“
„Für uns ist heute ein großer Tag“, freute sich gestern Hans Jürgen Ludwig, technischer Geschäftsführer der Paderborner Brauerei. Bereits vor zwei Jahren hatte die Paderborner Brauerei, die mit 93 Mitarbeitern etwa 900 000 Hektoliter Bier pro Jahr braut und seit 1990 zur Warsteiner Gruppe gehört, ihre umweltbewusste und energiesparende Ausrichtung durch eine Kooperation mit einem landwirtschaftlichen Betrieb unterstrichen. Hier wird Biomasse zur Energiegewinnung eingesetzt. Mit Biogas wird ein Blockheizkraftwerk betrieben. Die Abwärme wird in Form von Heißwasser zu günstigen Konditionen an die Paderborner Brauerei verkauft, die damit 20 Prozent ihres jährlichen Wärmebedarfs von etwa 20 Millionen kWh abdeckt und in der Lage ist, einen Teil des ansonsten aus Erdgas erzeugten Wasserdampfes zu ersetzen und dadurch ihren CO2-Ausstoß zu verringern.
Der technische Geschäftsführer Hans Jürgen Ludwig hat bereits das nächste Projekt zur Effizienzsteigerung der Paderborner Brauerei im Auge: Geplant ist ein Hackschnitzelkraftwerk auf dem Brauereigelände, um den Einsatz von Erdgas zur Dampfproduktion durch die Verbrennung naturbelassener Resthölzer aus umliegenden Forsten zu ersetzen.
Für den Marketingfachmann Peter Böhling steht aber erstmal die neue Windkraftanlage im Vordergrund: „Wir entwickeln jetzt ein ‚Windkraftsiegel’, das künftig auf den Flaschenetiketten und 6er Packs unsere Kunden auf die nachhaltige Ausrichtung der Brauerei aufmerksam machen soll“, ganz nach dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber“. Nachhaltigkeit spiegelt sich aber auch im gemeinsamen Wunsch von Ludwig und Böhling wider: Dass der Wind künftig noch häufiger über das Paderborner Land wehen möge - zur Verbesserung der CO2 -Bilanz und zur Kostenstabilisierung der Paderborner Brauerei.
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