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Rechte Szene will nach Tod Tim K.s aufmarschieren

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Artikel: Rechte Szene will nach Tod Tim K.s aufmarschieren

SOEST - Mit einer Demonstration und einem Marsch durch Soest am kommenden Samstag will die rechte Szene den Tod des Soester Schülers Tim K. für sich instrumentalisieren. Die Polizei bereitet sich schon jetzt auf einen Großeinsatz vor.

Soest Demonstration

© Foto: Mroß

So sah es im Oktober aus, als Mitglieder der rechten Szene in Hamm demonstriert haben.

In einem Brief haben die Veranstalter, die sich selber „freie Nationalisten aus dem östlichen Ruhrgebiet“ nennen, ihre Kundgebung bei der Polizei angemeldet. „Die Anmelder sind der Polizei aus dem rechten Spektrum bekannt“, sagte Polizeisprecher Winfried Schnieders zu der Urheberschaft. Die beiden Organisatoren, deren Namen Schnieders nicht nennen will, sind Studenten aus dem Raum Unna und Hamm, die in Bielefeld und Hannover eingeschrieben sind.

Die offensichtlich zur Neonazi-Szene gehörenden Demonstranten wollen sich zunächst am Samstagmittag vor dem Bahnhof in Soest sammeln, danach durch die Innenstadt Richtung Markt ziehen und eine Abschlusskundgebung (wiederum am Bahnhof) abhalten. Ob die Polizei alle Programmpunkte genehmigt, könnte sich Dienstag entscheiden: Ordnungshüter und Veranstalter treffen sich zu einem sogenannten Kooperationsgespräch.

Marsch und Demo sollen unter der Überschrift „Tim K. – Opfer Eurer Ignoranz“ stehen. Das Motto knüpft nahtlos an die vielen hundert E-Mails an, die auch den Soester Anzeiger in der vergangenen Woche aus der rechten Szene erreichten – wir berichteten. In diesen Mails und auch in unzähligen Netz-Kommentaren wird zum Teil unverhohlen für Selbstjustiz, Sippenhaft und Ausweisung aller Ausländer geworben, nachdem bekannt geworden war, dass der 17-jährige Tatverdächtige aus Soest türkischer Herkunft sei.

Soest selber wird in etlichen Beiträgen und auch in der Ankündigung für die Demo am Samstag als Stadt beschrieben, in der „in manchen Vierteln nur noch Fremde wohnhaft sind und die letzten Deutschen längst weggezogen, aus Angst vor der multikriminellen Realität“.

Allen Mutmaßungen und Vorverurteilungen zum Trotz setzen die Ermittler bei Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Recherchen fort, um das Tatgeschehen und die Hintergründe der tödlichen Messerstiche aufzuklären. Tim K. war auf der Vorabi-Fete des Aldegrever-Gymnasium im Soester „Anno“ in der Nacht zum vorvergangenen Samstag (29. Januar) getötet worden. Die Polizei nahm zunächst vier junge Leute fest, ließ aber Stunden später drei wieder laufen. Gegen einen 17-jährigen Soester Schüler verdichteten sich die Vorwürfe; er steht in dringendem Tatverdacht und sitzt seit mehr als einer Woche in Untersuchungshaft. Der junge Mann ist nach Erkenntnissen der Polizei wiederholt an Schlägereien und Bedrohungen beteiligt gewesen. Angeklagt und verurteilt worden ist er bislang nur in einem Prozess wegen Beleidigung.

Die Vernehmungen der Zeugen, so sagte gestern Staatsanwältin Sandra Müller-Steinhauer gegenüber dem Anzeiger, sind noch nicht abgeschlossen. Deswegen könne sie nicht schildern, wie sich die Tat im Einzelnen zugetragen hat. - hs

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