Duisburg - Nach der Katastrophe bei der Loveparade gibt es weiter Kritik an den Planern der Großveranstaltung. Politiker sehen die Schuld beim Oberbürgermeister. Nur einer hat Verständnis für ihn.

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Zahlreiche Menschen stehen am Donnerstag in Duisburg auf dem Loveparade-Gelände hinter Kerzen und Blumen.
Die Loveparade “hätte nie und nimmer genehmigt werden dürfen“, sagte der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl der “Financial Times Deutschland“ laut Vorabmeldung. Besonders kritisierte er die Verantwortlichen, die den Auflagenbescheid ausstellten. “Jeder Obsthändler, der in der Münchner Fußgängerzone einen Stand eröffnen will, muss mehr nachweisen“, sagte er. Die beiden Seiten lieferten keine Informationen.
Die Gefahren seien nicht benannt und geklärt gewesen. Dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland die Verantwortung zurückwies, weil er keine Genehmigung unterschrieben habe, ließ Uhl nicht gelten. “Auflagenbescheide unterschreibt der OB nie selbst, aber sie werden in seinem Auftrag unterschrieben, und er hat als Chef der Stadtverwaltung die Verantwortung.“ Der Hauptfehler liege bei ihm. Er müsse “das Begehren eines Kaufmanns bewerten, mit einer Veranstaltung mit möglichst wenig Auflagen viel Geld zu verdienen“.
Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz forderte unterdessen eine gesetzliche Versicherungspflicht für Veranstalter. Das gehöre zu den Lehren aus der Loveparade, sagte er der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. “Man muss sicherstellen, dass eine Versicherung vorliegt, bei großen Ereignissen wird man auch über die Höhe zu reden haben.“ Die Versicherung über 7,5 Millionen Euro, die der Veranstalter der Duisburger Loveparade abgeschlossen habe, werde angesichts der vielen Toten und Verletzten nicht ausreichen.
Nach Überzeugung des amtierenden Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, müssen die Verantwortlichen der Katastrophe klar benannt werden. “Das ist auch ein wichtiges Element für Menschen, die trauern“, sagte Schneider am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Gleichzeitig rief er zu Sorgfalt und Fairness auf. Schneider leitet am Samstag mit dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck den ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die 21 Opfer.
Er sagte nach Angaben des Senders, die Menschen hätten einen berechtigten Anspruch darauf, die Hintergründe zu erfahren. Er habe aber auch ein gewisses Verständnis für den seit Tagen abgetauchten Oberbürgermeister Adolf Sauerland, dessen Rücktritt immer häufiger gefordert wird. Sauerland habe Morddrohungen erhalten und müsse sehen, “wie er sich schützt und seine Familie“. Gleichwohl sei es wichtig, die genauen Planungs-Abläufe in der Stadtverwaltung von Duisburg öffentlich zu machen, betonte Schneider.
dpa/DAPD
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