Unruhe bei A.T.U um Betriebsrat und „Gerüchte“

Lang gestreckt liegt das Logistikzentrum von A.T.U am Hansering in Werl.

WERL ▪ Unruhe und Knatsch im Werler Norden bei A.T.U: Die IG Metall liefert sich einen Schlagabtausch mit der Geschäftsleitung des Unternehmens in Weiden.

Der Versuch der Gewerkschaft, einen Betriebsrat zu gründen, soll massiv gestört worden sein. Das Autoteile-Unternehmen hingegen kündigt nicht nur die Prüfung juristischer Schritte gegen das Zustandekommen einer ersten Wahl zum Wahlvorstand an, sondern tritt auch „Gerüchten möglicher Absichten der A.T.U, das Logistikzentrum in Werl zu verkaufen“ – die die IG Metall als Grund für die Betriebsratsgründung nennt – vehement entgegen. A.T.U bleibe in Werl, versichert PR-Leiter Markus Meißner auf Anzeiger-Anfrage. „Das Logistikzentrum ist fundamentaler Bestandteil unseres Geschäftsmodells.“

Woher die Gerüchte rühren, könne er sich nicht erklären, sagt Meißner. Man habe aber einen langfristigen Vertrag in dem angemieteten Gebäude am Hansering, könne das also gar nicht verkaufen. Vor allem aber wolle man keinen Rückzug. „Es gibt keine Grundlage für die Behauptung“, sagt der A.T.U-Sprecher. „Und es wäre auch absurd: Wir können nicht alle 600 Filialen von Weiden aus beliefern.“ Auch ein Gesamtverkauf des Unternehmens stehe nicht an. Seit acht Jahren ist KKR aus den USA Hauptgesellschafter. Meißner betont: „A.T.U bleibt vor Ort. Es ist überhaupt nicht daran gedacht, sich aus Werl zurückzuziehen.“

Laut IG Metall wurden Beschäftigte durch solche Verkaufs-Gerüchte veranlasst, einen Betriebsrat zu fordern. „Viele der dort beschäftigten Mitglieder der IG Metall haben Befürchtungen, ihren Arbeitsplatz bzw. die bislang gerade noch erträglichen Arbeitsbedingungen zu verlieren“, so die Gewerkschaft. Die IG Metall habe die Gründung eines Betriebsrats für das A.T.U-Logistikzentrum empfohlen, „um bei einem möglichen Inhaberwechsel einen dann notwendigen Sozialplan verhandeln zu können“, heißt es in einer Pressemitteilung. Bislang gebe es nur einen Betriebsrat für die Lkw-Fahrer,

Am Donnerstag gab es eine Wahlversammlung am Hansering, an der rund 100 Mitarbeiter der A.T.U Auto-Teile-Unger Logistik GmbH und Estado Umweltservice GmbH mit Arbeitsort Werl teilnahmen, sagt Britta Peter von der IG Metall. Dabei sei es zu „massiven Störungen durch ständige Zwischenrufe diverser Vorgesetzter“ gekommen. Die Versammlung habe anders ungewöhnlich lange gedauert, 90 Minuten. „Das war wüst.“ Man habe sich aber nicht beirren lassen, so die IG Metall. „Die Wahl zum Wahlvorstand wurde trotz lauter, immer wiederkehrenden hereingerufenen Fragen geheim durchgeführt.“ Am Ende stand als erster Schritt zur Betriebsratsgründung ein Wahlvorstand, besetzt mit drei Kollegen, zudem zwei Ersatzkandidaten.

A.T.U versichert: „Das Unternehmen steht einem Betriebsrat für die Beschäftigten in Werl offen gegenüber.“ In rund der Hälfte der deutschen A.T.U-Filialen sowie im Logistikzentrum Werl gebe es bereits Betriebsräte, mit denen man „vertrauensvoll zusammenarbeitet“.

Wenn die Beschäftigten im Logistikzentrum Werl einen Betriebsrat gründen möchten, sei das „selbstverständlich ihr gutes Recht“. Eine Wahlversammlung zur Bestimmung eines Wahlvorstands müsse jedoch nach Recht und Gesetz ablaufen. Und das sei nicht geschehen, so Meißner. „Aufgrund zahlreicher gravierender Verstöße seitens der Gewerkschaft haben wir begründete Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl des Wahlvorstands. So wurde die Annahme weiterer Wahlvorschläge von der Versammlungsleitung strikt verweigert, trotz mehrmaliger Aufforderung aus dem Kreis der Beschäftigten. Zahlreiche Fragen der Mitarbeiter wurden ignoriert, sodass es zu Zwischenrufen kam.“

Das Unternehmen behalte sich deshalb rechtliche Schritte vor, Anwälte sind bereits am Zug.

Man habe die Versammlung lange „systematisch und strategisch vorbereitet“, sagt Britta Peter von der IG Metall. Es habe einen Aushang gegeben, der zehn Tage am Schwarzen Brett hing. Ihr sei die Versammlungsleitung übertragen worden, sagt Peter; sie sei vom Wahlvorstand bevollmächtigt, die Geschäftführung über die Ergebnisse zu informieren. So brauche man einen Raum für Sitzungen, zudem eine Beschäftigtenliste. Man habe nun „eine hervorragende Voraussetzung für eine ordnungsgemäße Durchführung der Betriebsratswahl.“

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