Erste Spuren von Bauern am Hellweg

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An der Soester Straße in Werl haben die Archäologen dort, wo ein Autohaus gebaut werden soll, Zeugnisse der Bandkeramik entdeckt.

Die Funde an der Soester Straße in Werl selbst gelten nicht als übermäßig spektakulär – weil es mehr und besser Erhaltenes schon auf der Nachbarfläche gab. Aber die Zeit, von der die Funde zeugen, sei durchaus revolutionär“ gewesen, so die Archäologen.

„Revolutionäres“ habe sich vor 7 200 Jahren auf der Fläche an der Soester Straße in Werl abgespielt, wo demnächst ein Autohaus entstehen soll. So charakterisieren die Archäologen des Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Epoche, die nun bei Grabungen ans Tageslicht kamen. Keramikreste, Werkzeuge aus Feuerstein, ein Mahlstein für Getreide: Diese archäologischen Funde „bezeugen, wie die ersten Bauerngemeinschaften der sogenannten Linearbandkeramik am Hellweg in der frühen Jungsteinzeit lebten“, so der LWL. 

Getreide und Gruben 

Die Erkenntnisse der Archäologen würden perfekt zum Thema der archäologischen Landesausstellung passen, die unter dem Titel „Revolution Jungsteinzeit!“ derzeit in Bonn und ab Sommer im LWL-Freilichtmuseum in Detmold „eine der wichtigsten Phasen der Menschheitsgeschichte“ dokumentiert. Die Menschen errichteten in dieser Epoche der Linearbandkeramik erstmals feste Häuser, wurden sesshaft, bauten Getreide an und sorgten zusätzlich mit Viehwirtschaft für ihre Lebensgrundlagen.

Mit schwerem Gerät wurden die Schichten Stück für Stück abgetragen.

 Auch in Werl siedelten sich die Menschen in dieser Zeit an, wie die jetzt beendeten Ausgrabungen auf der 90 000 Quadratmeter großen Fläche zeigen. Hier will Unternehmer Gerd Bollmeyer seinen VW-Betrieb erweitern und ein Skoda-Autohaus bauen. Unter der Leitung des Archäologen Dr. Georg Eggenstein legte das Team der Grabungsfirma Gruben für Holzpfosten, Vorrats- und Abfallgruben und mehrere Gräben im Boden frei. 

Diese Gräben seien deshalb ungewöhnlich, weil sie zwar nur bis zu einen Meter breit und wenige Meter lang waren, aber mit bis zu 1,70 Metern „in erstaunlichem Ausmaß“ in die Tiefe reichten. „Die Gräben verliefen in Nordwest-Südost-Ausrichtung und werden wohl in Verbindung mit den Gebäuden gestanden haben, die hier vor über 7 000 Jahren gebaut wurden“, erläutert Eggenstein.

 „Insgesamt konnten hier 200 Befunde im Boden dokumentiert werden, deren Spuren sich direkt unterhalb des Ackerbodens als dunkle Verfärbungen im Boden abzeichneten“, sagt Archäologe Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der Olper Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen. „Das sind tolle Ergebnisse, die unser Bild von der Besiedlung der Region im Neolithikum wertvoll ergänzen.“

Weitere Funde

Weitere archäologische Funde stammen aus anderen Epochen, so die LWL-Archäologen. Demnach wurde das Gelände rund 1 000 Jahre vor Christus als Friedhof genutzt. In dieser Epoche, als Bronzezeit bezeichnet, verbrannten die Menschen ihre Toten. 

Entsprechend dokumentierten die Archäologen mit dem so genannten Leichenbrand verbrannte Knochen in den Gräbern. Allerdings war der Erhaltungszustand nicht besonders gut und es konnten nur einzelne Gräber untersucht werden. „Ungewöhnlich“ sei hingegen ein Fund, der erst 300 bis 400 Jahre alt ist. Am Boden einer großen Grube seien deutliche Hitzespuren erhalten geblieben. Offenbar wurde diese Grube zur Zeit der Landsknechte als Feuerstelle benutzt. 

Ebenfalls in der Nähe entdeckt worden ist bereits im Vorfeld der Ausgrabungen ein Zapfhahn aus Bronze. Ein Forscher mit Metalldetektor hatte das Objekt im Boden aufgespürt. „Offenbar haben es sich die Menschen, die sich hier am Feuer niedergelassen haben, mit der aus dem Zapfhahn gewonnenen Flüssigkeit in ihren Bechern recht gut gehen lassen“, mutmaßen die Experten. Die Reinigung und archäologische Untersuchung der Funde sollen in den nächsten Monaten die Erkenntnisse über diese Menschheitsepochen bereichern.

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