Jugendtreff in Kirchwelver brennt nieder -  vermutlich Brandstiftung

Innerhalb von Minuten war die Gartenlaube den Flammen zum Opfer gefallen

WELVER - Komplett niedergebrannt ist in der Nacht zu Donnerstag eine zum Jugendtreff ausgebaute Gartenlaube in Kirchwelver. Vieles spricht für Brandstiftung, denn in den letzten Tagen hatte sich ein Streit zwischen zwei Jugendgruppen zugespitzt.

Nur Asche und verkohlte Metallteile waren gestern übrig, wo tags zuvor noch eine hübsch zurechtgemachte Laube im Garten von Pastor André Aßheuer stand. Innerhalb von wenigen Minuten war diese um kurz nach Mitternacht ein Fraß des Feuers geworden – als die um 0.12 Uhr alarmierte Feuerwehr kurz nach Brandausbruch am Einsatzort eintraf, brannte das Holzhäuschen bereits in voller Ausdehnung. So konnte zwar das Übergreifen der Flammen auf eine nebenstehende Baumreihe ebenso verhindert werden wie ein Schaden am benachbarten Pfarrhaus, die Gartenlaube selbst konnte jedoch nicht mehr gerettet werden.

Entsprechend schwierig sind für die Polizei die Ermittlungen: „Weil nur noch Trümmer übrig sind, lässt sich die Brandursache auf diese Weise nicht mehr rekonstruieren. Wir haben vor Ort keine Hinweise gefunden, sind nun auf weitere Zeugenaussagen angewiesen“, erklärt Pressesprecher Winfried Schnieders, der aber bestätigt: „Wir gehen von Brandstiftung aus.“

Schutt und Asche: In den verkohlten Trümmern der Gartenlaube konnte die Polizei keine Indizien mehr finden.

Denn rund um den Jugendtreff gibt es eine umfangreiche Vorgeschichte: Seit Februar hatte sich die Laube im Pfarrersgarten zu einem nicht unumstrittenen Versammlungsort für Jugendliche entwickelt. Im Jahr zuvor gefirmte oder konfirmierte Zehntklässler hatten regelmäßig freiwillig Hilfsarbeiten rund um St. Bernhard getätigt und vom Pastor dafür – unter Zustimmung des Kirchenvorstands – das Gartenhäuschen als Aufenthaltsort zur Verfügung gestellt bekommen.

„Ob Rasenmähen, Fegen oder Anstreichen, die Mädchen und Jungen haben den ganzen Sommer eifrig mitgeholfen und sich in der Gemeinde eingebracht“, erzählt Aßheuer, der sich gefreut hat, „so junge Hausmeister am Start zu haben“. Nach und nach bauten sich die Jugendlichen unter Anleitung Erwachsener die Laube aus, pflasterten eine Sitzecke, zimmerten einen Schank, richteten den Innenraum ein.

Eine sinnvolle Einrichtung, die allerdings auch eine Kehrseite hatte: In den Sommerferien dehnten sich die Treffen in der „Butze“ – so der Name des Jugendtreffs – öfter zu größeren Partys aus. Laute Musik und noch lautere Motorroller-Geräusche zogen den Unmut der Nachbarn auf sich, die unter anderem durch Leserbriefe im Anzeiger ihrem Ärger Luft machten und eine Ortsversammlung einberiefen. „Allerdings“, betont Aßheuer, „gab es auch viel Zuspruch, dass Jugendliche in Welver neben dem kommunalen Treffpunkt einen Ort haben, an dem sie nicht weggeschickt wurden.“ Der von den Anwohnern kritisierte Alkoholkonsum der Jugendlichen sei außerdem strikt in Einklang mit dem Jugendschutzgesetz gewesen: „Die haben nur das gemacht, was sie durften.“

Während es hier also schon Konfliktpotenzial gab, kam in den letzten Wochen weitere Brisanz hinzu: Ein Streit mit einer anderen Gruppe älterer Jugendlicher spitzte sich zu. Die Kontrahenten beschädigten zunächst einen Grill und sonstigen Eigentum im Pfarrersgarten, wurden hierbei jedoch erwischt und gestanden die Tat ein. Am letzten Samstag wurde dann die Heckscheibe eines in unmittelbarer Nähe stehenden Autos mit einem Stein eingeworfen.

Eine Brandstiftung in der gestrigen Nacht erscheint da als nächster Schritt in dieser Auseinandersetzung plausibel, zumal ein technischer Defekt der im Holzhaus befindlichen Elektro-Geräte offenbar ausscheidet: „Am Mittwoch ist tagsüber die Sicherung rausgeflogen, das hatte ich bis abends noch gar nicht wieder eingeschaltet. Die Geräte hatten nachts also gar keinen Strom“, so Aßheuer, der öffentlich jedoch keine Vermutungen anstellen will: „Ich sehe nur die Puzzleteile. Zusammenfügen muss sie ein anderer.“ - tob/tobi

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