WDR-Bericht am Montagabend:

Schwere Vorwürfe gegen Ferkelaufzuchtanlage

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Symbolfoto

[UPDATE 14.55 Uhr] WELVER - Schwere Vorwürfe gegen eine Ferkelaufzuchtanlage in Welver: Die weltweit tätige Tierschutzorganisation PETA wirft dem Betreiber vor, seine Tiere massiv zu quälen. Bei zwei nächtlichen Besuchen ihrer „Einsatzgruppen“ im Oktober und Dezember 2013 hielt PETA die angeblichen Missstände mit Videokameras fest.

Der WDR sendete die ihm von PETA zugespielten Bilder am Montagabend in seinem Magazin „Markt“. Das Material befindet sich auch auf dem Weg zur Staatsanwaltschaft Arnsberg, bestätigte PETA-Agrarwissenschaftler Dr. Edmund Haferbeck gegenüber unserer Redaktion. Es enthalte Bilder von kranken, sterbenden und toten Tieren, „die zum Teil von anderen Tieren angefressen wurden“, heißt es in einer PETA-Erklärung.

Unbehandelte Nabelbrüche

Viele der jungen Schweine hätten unbehandelte Nabelbrüche, Kastrationsvorfälle und Abszesse aufgewiesen. Einige Tiere hätten an Husten, Augenverletzungen, Mastdarmvorfällen und Hautpilz gelitten. Stellenweise seien die Spaltenböden der Ferkelbuchten so verstopft gewesen, dass die Exkremente nicht abgeflossen seien – es habe von Fliegenmaden gewimmelt.

WDR-Beitrag

Der WDR zeigte am Montagabend in der Sendung „Markt“ erste Bilder der Recherche.

Hier können Sie den Beitrag der WDR-Sendung sehen.

Antibiotika und andere Medikamente hätten offen in der unverschlossenen Anlage gestanden, etwa fünf bis sechs unterschiedliche Produkte. Für Haferbeck ein untrügliches Indiz, dass etwas „gehörig schiefläuft“. „Die massive Tierquälerei in Welver dürfte vorsätzlich begangen worden sein. Damit wurde das Leid der Ferkel bewusst in Kauf genommen“, so der 57-Jährige. „Offensichtlich steht hier der Profit vor dem Wohl des einzelnen Tieres. Daher scheinen sich die Verantwortlichen bewusst über staatliche Erlasse zum Tierschutz, Kontrollen und angebliche Qualitätsstandards hinwegzusetzen.“

Die Überprüfungen sind nach Ansicht von PETA ohnehin unzureichend durchgeführt worden. Das sieht Kreis-Veterinär Dr. Wilfried Hopp ganz anders. „Wir kontrollieren jedes Jahr 30 Prozent der Schweinemastbetriebe, auf diese Quote sind wir stolz.“ Auch ihm liegen die Dokumentationen von PETA vor. Er sieht das Vorgehen der Tierschützer durchaus kritisch und fragt sich: „Wenn diese vermeintlichen Missstände schon im Oktober und Dezember dokumentiert wurden, warum hat uns PETA nicht umgehend informiert?“

Beim jüngsten unangemeldeten Besuch seiner Kollegen am 6. Februar sei jedenfalls nichts festgestellt worden, „das außerhalb der Norm liegt“. Bei Betrieben dieser Größenordnung komme es bedauerlicherweise immer mal wieder vor, dass ein Tier tot in der Ecke liege. Eine ungewöhnlich hohe Zahl könne es nicht gewesen sein.

Das systematisierte Meldeverfahren durch die Tierbeseitigungsstellen habe nicht angeschlagen. Auch der Medikamenteneinsatz falle nicht aus dem Rahmen. „Der Betrieb hatte Ende letzten Jahres mit Infektionen zu kämpfen, dies wurde uns auch mitgeteilt“, so Hopp. Die hygienischen Zustände seien bei der Kontrolle insgesamt in Ordnung gewesen. Er räumt ein, dass es zwischenzeitlich anders gewesen sein kann, aber eben nicht muss.

Einen Grund, gegen den Betrieb vorzugehen, gebe es aktuell aus seiner Sicht nicht. Tätig könnte der betroffene Bertiebseigentümer hingegen selbst werden. Denn die unorthodoxe Kontrolle durch PETA erfüllt selbst nach Einschätzung Haferbecks den Straftatbestand des Hausfriedensbruchs. Tatsächlich habe der aber keine Konsequenzen, weil das höherrangige Recht des Tierschutzes zu berücksichtigen sei.

Die PETA-Ermittler würden den Behörden namentlich genannt und ständen in Verfahren sogar als Zeugen zur Verfügung. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz können mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden, Hausfriedensbruch mit einem Jahr.

Hintergrund: Was ist PETA?

People for the Ethical Treatment of Animals, abgekürzt PETA (zu deutsch „Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren“), ist mit nach eigenen Angaben mehr als drei Millionen Unterstützern weltweit die größte Tierrechtsorganisation. Sie wurde 1980 gegründet und hat heute ihren Sitz in Norfolk, Virginia. Die Organisation finanziert sich fast ausschließlich über Spenden und hatte im April 2006 insgesamt 187 Angestellte. Büros existieren weltweit, der Deutschlandsitz ist im süddeutschen Gerlingen. Die Organisation kämpft gegen Massentierhaltung, Pelztierhaltung, Tierversuche und Tiere in der Unterhaltungsindustrie sowie gegen Angeln, Tötung von Tieren, die als Schädling betrachtet werden, Hunde- und Hahnenkämpfe. Die kontroversen Kampagnen, die dazu eingesetzt werden, rufen teilweise heftige Kritik hervor. Auch wurde PETA für ihre Unterstützung von Aktivisten kritisiert, die in Zusammenhang mit umstrittenen Gruppen, wie der radikalen Animal Liberation Front, stehen. (Quelle: Wikipedia)

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