Alexander Baimann lässt erstmals Schwefes Glocken erklingen

Der 21-jährige Alexander Baimann aus Schwefe ist einer von drei neuen „Beier-Männern“, die die Glocken der Evangelischen St. Severin-Kirche am kommenden Sonntag zum ersten Mal in Eigenregie erklingen lassen werden. - Foto: Grun

Schwefe - Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern klingt auch die Weihnachtszeit in Schwefe mit dem letzten Beiern der Glocken aus. Das wird am Sonntag, 10. Januar, ab 17 Uhr der Fall sein. Vorab sprach Maximilian Grun mit Alexander Baimann, der als einer von drei Männern die Glocken der St. Severin-Kirche zum ersten Mal betätigen wird.

Herr Baimann, was genau ist eigentlich Beiern?

Alexander Baimann:  Beim Beiern werden jeweils von einer Person drei Klöppel an die Glockenwände gezogen. Insgesamt werden fünf Glocken betätigt. Mit dem rechten Fuß in der Kettenschlaufe wird die erste Glocke zum Klingen gebracht, mit dem Seil in der linken Hand die dritte, mit dem in der rechten Hand die vierte Glocke. Der Rhythmus wird dabei frei gewählt. Das Schöne dabei ist, dass jeder Zuhörer für sich eine eigene Melodie wahrnimmt. Die weiteren Glocken können auch normal geläutert werden. Derjenige, der beiert, muss sich mit seinen drei Klöppeln in den Klangrhythmus der schwingenden Glocken einfühlen.

Und was machen die anderen beiden?

Baimann: Einer passt auf, dass der Rhythmus eingehalten wird, der andere achtet auf die Sicherheit. Wir wechseln uns dabei ab. Im Kirchturm sind wir aber nicht nur zu dritt, auch Konfirmanden halten sich dort oben auf und können unter unserer Anleitung mitmachen. Genauso haben wir das schließlich auch gelernt. So wird es von Generation zu Generation weitergegeben.

Wie ist dieser Brauch entstanden?

Baimann: Die Tradition des Beierns geht auf eine alte Überlieferung zurück, die mit der Verbindung zwischen der Schwefer St. Severin-Kirche und dem Dominikanerinnenkloster Paradiese zu tun hat. Der Erzählung nach verlief sich eine Nonne des Klosters zur Weihnachtszeit bei Nacht im Wald, sie hörte aus der Ferne jedoch eine Art Engelsgesang. Dieser Gesang stellte sich als Glockenläuten der Schwefer Kirche heraus. So konnte sich die Nonne in der Dunkelheit retten.

Wann war das ungefähr? 

Baimann: Genau kann ich das nicht sagen, aber es müsste noch vor der Reformation passiert sein.

Und seitdem wird in Schwefe zur Weihnachtszeit gebeiert?

Baimann: Richtig, aber mit Unterbrechungen. Seit 1988 lebt der Brauch in Schwefe wieder auf, nachdem er Jahrzehnte lang nicht mehr gepflegt worden war. Seitdem wird diese Tradition zwischen dem ersten Advent und dem Epiphaniastag aufrechterhalten.

Wer übernimmt diese Aufgabe in diesem Jahr?

Baimann: Ich werde das Beiern zum ersten Mal zusammen mit Malte Weber und Philipp Lohmann ausüben. Wir sind alle 21 Jahre alt und übernehmen die Tätigkeit von einer älteren Generation. Bis vor einem Jahr machte es noch der Mann der Pfarrerin zusammen mit seinem Team.

Wieso beiern Sie und wissen Sie schon, wie lange Sie das machen wollen?

Baimann: Mir macht es einfach Spaß und noch kann ich nicht sagen, wann ich aufhören werde – ich fange ja gerade erst an. Es ist für mich sehr erfüllend, mich in meiner Gemeinde zu engagieren. So geht es, glaube ich, auch meinen beiden Mitstreitern. Wichtig ist, dass man die schmalen Holztreppen bis nach oben in den Turm kommt. Aber das schaffen wir jungen Männern ja noch lange.

Warum sind es Männer, die die Glocken betätigen?

Baimann: Es ist nicht zwingend, dass es nur Männer machen. Aber man benötigt schon Kraft, um die Glocken zum Schwingen zu bringen. Das ist aber der einzige Grund. Schlimmes passiert ist beim Beiern nicht, es hat sich noch niemand verletzt.

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