[Update] Dritte Legionellen-Tote?

Legionellen in Warsteiner Brauerei nachgewiesen

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Luftbild - Warsteiner Brauerei.

[Update 9.30 Uhr] WARSTEIN - Bei der nach vier Wochen abklingenden Legionellen-Erkrankungswelle in Warstein mit bislang zwei Toten und 165 Erkrankten rückte am Mittwoch die Warsteiner Brauerei in den Fokus. 

Von Reinhold Großelohmann und Robert Vornholt

Im Abwasservorbehandlungsbecken stellte der Kreis Soest eine stark überhöhte Legionellenkonzentration von 500 000 Kolonien-bildende Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter fest. In der Kläranlage Warstein hatte dieser Wert sogar bei 2,5 Millionen KBE gelegen. Seither herrscht Alarmstimmung.

„Es ist völlig offen, ob die Brauerei Opfer oder Verursacher ist“, sagte Umwelt-Staatssekretär Peter Knitsch (Grüne) am Abend im NRW-Gesundheitsausschuss. 

Die Nachricht vom Legionellenfund verbreitete sich am Mittwoch wie ein Lauffeuer. Im Umweltministerium kam es am Morgen zu einem Behördengespräch, bei dem auch die Vertreter der Brauerei mit Geschäftsführer Peter Himmelsbach an der Spitze gehört wurden. Am Spätnachmittag trug Staatssekretär Peter Knitsch dem Ausschuss für Gesundheit des Landtages die Details und die nötigen Maßnahmen vor. Demnach hat Prof. Exner die hohe Konzentration in einer Probe von Donnerstag, 6. September, gefunden. Zwei Tage zuvor hatte die Brauerei von einem unabhängigen Institut selbst Proben nehmen lassen und im Ablauf ihrer Brauerei-Kläranlage den Wert von 70 000 gemessen. Im Zulauf unmittelbar vor der Kläranlage Warstein war dagegen mit 8000 KBE/100 ml eine deutlich geringere Belastung gemessen worden.

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In der Dienstbesprechung im Umweltministerium trat auch zutage, dass es bei den vorhandenen sechs Rückkühlwerken der Brauerei bereits Ende August drei geringe, aber dennoch positive Befunde gegeben hat. Zwei Rückkühlwerke lagen im Bereich von 100 KBE, ein drittes bei 4500. Die Feintypisierung habe ergeben, dass Serotyp und Fingerabdruck hier identisch mit jenem in der Esser-Anlage sowie der Erkrankten sei, sagte gestern Abend Kreisdirektor Dirk Lönnecke. "Das Rückkühlwerk war jedoch nur gering belastet", so Lönnecke. Wie eine solche Übereinstimmung zu bewerten sei, das könne er zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.

Die Brauerei mit ihren Mitarbeitern aber auch viele Bürger der Stadt zeigten sich erschrocken über diese überraschende Wendung. Kreisdirektor Dirk Lönnecke verwies darauf, dass die „Kausalkette“ noch nicht bewiesen sei. Sie endete bislang an der Kläranlage Warstein. Eine Feintypisierung der Proben hat ergeben, dass Legionellen aus der Kläranlage über den Fluss Wäster zum zwei Kilometer entfernten Zulauf der Firma Esser gelangt sind, wo die Legionellen durch das Rückkühlwerk in die Atemluft gerieten. Die jetzt laufende Feintypisierung wird eine Antwort auf die Frage geben, ob diese „Kausalkette“ nun zur Brauerei verlängert werden muss und die lebensgefährlichen Legionellen am Ende aus den Brauerei-Abwasserbecken stammen. 

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In einer Presseerklärung machte die Brauerei am Mittwoch ihr großes Interesse an einer Aufklärung und am Gesundheitsschutz der Bevölkerung deutlich. Gleichzeitig verwies das Unternehmen auf die hohe Sicherheit der Produkte. Der Brauprozess sei ein völlig abgeschlossener Bereich, der extremer Überwachung unterliege. „Unser Produkt ist sicher“, so eine Sprecherin. Die Abwasserbecken liegen auf dem großen Gelände weit entfernt von der Produktionsstätte. 

In einer Verfügung haben die Behörden unter Mitwirkung der Brauerei mehrere Sofortmaßnahmen ähnlich der an der Kläranlage Warstein bereits installierten angeordnet. So müssen die genutzten Abwasservorbehandlungsbecken überdeckt werden. Auch wird eine UV-Behandlung des Abwassers zur Absenkung der Legionellenwerte geprüft. Für Mitarbeiter gibt es Schutzmaßnahmen, der Besucherbetrieb wird zunächst eingestellt. Eine intensive Beprobung erfolgt. Zudem wird geprüft, ob alle Schächte im städtischen Kanal, der das Wasser transportiert, mit einer Membran abgedichtet wird. 

Im Düsseldorfer Landtag sagte Staatssekretär Knitsch ausdrücklich, dass keine Gesundheitsgefahr vom Bierkonsum ausgehe. Gefährlich sei nur das Einatmen von Legionellen. Deshalb müsse eine Registrierungs- und Wartungspflicht für Rückkühlanlagen eingeführt werden. Knitsch berichtete auch, dass es möglicherweise eine dritte Legionellen-Tote gebe. Dies werde derzeit gerichtsmedizinisch geklärt.

Legionellen-Erkrankungen Warstein

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Legionellen-Fund bei der Firma Esser

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Chronik der Erkrankungswelle:

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