Arbeitsplatz-Standort Belecke „im Moment arg gebeutelt“

Belecke -  Infineon, Siepmann, AEG, Bipolar, Hologic-Hitec: Der Industriestandort im Belecker Möhnetal ist seit Jahrzehnten Aushängeschild für wirtschaftliche Stärke in der gesamten Stadt Warstein. In Spitzenzeiten zählen die Betriebe bis zu 3000 Mitarbeiter, hinzu kommen hunderte Stellen in Zulieferbetrieben. Doch je nach Wirtschaftslage stottert der Motor zwischen Emil-Siepmann-Straße und Max-Plack-Straße regelmäßig. So ist es auch aktuell.

Bei AEG Power Solutions und bei Siepmann laufen Verhandlungen um Stellenabbau. Insgesamt stehen rund 150 Arbeitsplätze zur Disposition. „Belecke ist gerade arg gebeutelt“, bringt es Wolfgang Werth, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, auf den Punkt.

Kurz vor dem Jahreswechsel erfuhren die Mitarbeiter in beiden Betrieben, dass im neuen Jahr über größeren Stellenabbau verhandelt werden muss. Bei Siepmann und Persta mit seinen gut 500 festen Stellen – auf der Unternehmens-Homepage sind sogar 612 Mitarbeiter, davon 44 Auszubildende und Studenten angegeben – schlägt sich die schwierige Lage im Maschinen- und Nutzfahrzeugbau nieder. Der Kraftwerksbau ist ein weiteres Problem, da große Zurückhaltung bei Investitionen besteht. Der Export, vor allem in Richtung Osteuropa, schwächelt. Erst vor gut einem Jahr waren vor diesem Hintergrund zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat Maßnahmen vereinbart worden. 15 bis 18 Arbeitsplätze wurden abgebaut, die Wochenarbeitszeit von 35 Stunden auf 32 Stunden reduziert – für die Dauer eines Jahres. Dieses Jahr ist nun abgelaufen, das Unternehmen hat angekündigt, dass weitere Maßnahmen nötig sind. In dieser Woche fanden die ersten Verhandlungen statt. „Der Aufschlag ist gemacht“, bestätigte Wolfgang Werth von der IG Metall. Konkrete Zahlen, wieviel Stellen exakt gestrichen werden sollen, seien von der Geschäftsführung noch nicht vorgelegt worden. Auch unserer Zeitung gegenüber hielt sich das Unternehmen bedeckt.

Auch die aktuelle Schwäche bei der AEG Power Solutions hat eine Vorgeschichte. Vor gut einem Jahr kündigte das Unternehmen die Notwendigkeit einer „Restrukturierung“ an. 170 Stellen sollten abgebaut werden, weil die Umsätze im Bereich „Solar“ und „Polysilicium“ eingebrochen waren. Im vergangenen September wurde konkret 46 Mitarbeitern die Kündigung ausgesprochen. Mit Betriebsrat und IG Metall waren ein Interessensausgleich und ein Sozialplan verabredet worden. Damit schmolz die Zahl der Beschäftigten am Standort Belecke von einst gut 700 auf knapp 400. In der Pressemitteilung zum Ergebnis des 3. Quartals 2015, die am 12. November verbreitet wurde, verwies der Konzern darauf, dass man sich in der „finalen Phase der Restrukturierung“ befinde. Allerdings seien weitere Kostensenkungen in Höhe von zehn Millionen Euro jährlich nötig. Konkret seien weitere 150 Arbeitsplätze abzubauen, was zu einem Drittel umgesetzt sei, hieß es. „Der Personalabbau erfolgt schwerpunktmäßig im Bereich Operations/Produktion sowohl in Belecke als auch in Tours/Frankreich“, sagte Sprecherin Ute von Cranach auf Anfrage.

Aktuell gebe es in Belecke noch 320 Stellen, sagte Fritz Kramer als IG-Metall-Gewerkschaftssekretär. Er vertritt gemeinsam mit dem Betriebsrat die Interessen der Beschäftigten. Es gehe auch um die Gründung einer Transfergesellschaft für ältere Mitarbeiter, so Kramer. Insgesamt sei der Betriebsrat um Vorsitzender Michael Schöpe sehr aktiv bei der Wahrung der Mitarbeiter-Interessen.

Positiv sieht Kramer die in dieser Woche bekannt gemachten Personalveränderungen im Management. Dr. Christian Roth ist zum „Chief Operating Officer“ (COO) ernannt worden. Dr. Roth habe in den Gesprächen einen sehr kompetenten Eindruck gemacht, sagte der Gewerkschaftssekretär.

Dr. Roth bringt Angaben des Unternehmens zufolge Erfahrung aus „20-jähriger Tätigkeit in verschiedenen Industrien in Europa und Südamerika“ ein. Zuletzt war er Vorstandsmitglied bei der Aerospace AG mit sieben internationalen Standorten. Neu im AEG-Management-Team mit CEO Jeffrey Casper an der Spitze ist außerdem Keiran Coulton. Roger de Vries ist zum Geschäftsführer Finanzen befördert worden.

Mit 1800 Mitarbeitern ist Infineon im Belecker Möhnetal das Mitarbeiter-stärkste Unternehmen. Davon arbeiten 300 Personen bei der Tochter Bipolar. Derzeit gebe es keine Veränderungspläne, so Unternehmenssprecher Jörg Malzon-Jessen. Allerdings handele es sich um eine „Momentaufnahme“. Die Märkte auf der Welt seien stark in Bewegung, „wir versuchen Infineon da gut durch zu manövrieren“. Insgesamt habe der Konzern 35 000 Mitarbeiter.

Auf die Zahl von 55 Mitarbeiter geschrumpft ist das Unternehmen „Hologic Hitec Imaging“. Vor zwei Jahren hatte sich das Nachfolgeunternehmen der einstigen AEG-Elektrofotografie wegen des fortschreitenden Preisverfalls aus dem OPC-Trommelgeschäft zurück gezogen. 95 Mitarbeiter waren damals betroffen. Die Restrukturierung sei abgeschlossen. Sie habe weh getan, sei aber erfolgreich umgesetzt. „Wir schauen positiv nach vorn“, sagte Geschäftsführer Franz-Josef Schmücker auf Anfrage unserer Zeitung.

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