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Wind: Die einen protestieren, die anderen investieren

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Windkraft ist im Westen Soests umstritten.
Windkraft ist im Westen Soests umstritten.

SOEST - Die Stadt will sich in den kommenden Wochen genügend Zeit nehmen, um die Flut der Anregungen, Bedenken und Fragen aufzuarbeiten, die am Donnerstagabend bei der Bürgerrunde zu den Windparks im Westen aufgetaucht sind. Im August soll dann die nächste, wohl möglich schon entscheidende Runde anstehen.

Wer jetzt im ersten Durchgang den Planern im Rathaus noch etwas für das weitere Verfahren mit auf den Weg geben will, hat dazu bis kommenden Donnerstag Zeit. Bau-Abteilungsleiter Olaf Steinbicker empfiehlt, am besten direkt ins Rathaus 2 (Windmühlenweg) zu kommen. „Dort liegen alle Pläne aus, dort stehen wir auch gern zu Gesprächen bereit.“

Auch wenn die zweieinhalbstündige Bürgerversammlung ohne persönliche Anfeindungen und Spitzen über die Bühne ging, haben die Mitwirkenden unterschiedliche Einschätzungen mitgenommen. Mitglieder der Bürgerinitiative „Mit Abstand am besten“ beklagten, die Diskussion an den sieben verschiedenen Thementischen habe dazu geführt, dass Interessierte nur immer einen kleinen Teil der Informationen aufnehmen konnten.

Projektentwickler Olaf Müller, der seit 20 Jahren überall in Deutschland solche Bürgerrunden in Sachen Windparks

Den ersten Bericht von der Diskussionsrunde finden Sie hier:

Windkraft: Dorfbewohner tragen ihre Sorgen vor

kennt, sprach von einer „ausgesprochen sachlichen und konstruktiven Runde – ich habe schon ganz andere Sachen erlebt“. Und ein Besucher ließ seine Begleiterin beim Verlassen der Stadthalle enttäuscht wissen: „Das war ja mal ein schöner Abend, da hätten wir auch besser grillen können.“

Auf jeden Fall ist am Donnerstag deutlich geworden, wie weit die Positionen der Befürworter der drei Windzonen im Soester Westen von denen der Betroffenen vor allem in Epsingsen und Röllingsen entfernt liegen. Und während die Anlieger von den Dörfern an den Thementischen mit Bau-Abteilungsleiter Steinbicker und den Projektentwicklern über Abstände und Schutz für Bevölkerung und Tieren rangen, ließen sich einen Stand weiter potenzielle Anleger vom Geschäftsführer des Betreibers mdp, Hans-Helmut Kutzeer, erläutern, wie sie mit Sparbriefen oder Kapitaleinlagen an den geplanten elf Windmühlen mitverdienen können.

Bilder von der Diskussionsrunde

Falls es was zu verdienen gibt. Der Sprecher der Initiative „Mit Abstand am besten“, Christian Bürger, verwies später im Plenum auf einen Bericht eines Nachrichtenmagazins, wonach zwei Drittel der Windanlagen in Deutschland unwirtschaftlich seien. „Das sollte die Stadt bedenken.“

Im Rathaus, so Bürgermeister Ruthemeyer, wäre man froh, demnächst wieder eine Million Euro Ausschüttung von seiner Tochter, den Stadtwerken, zu bekommen – unter anderem durch erfolgreiches Engagement bei den Windparks. Wie berichtet, hat der örtliche Versorger eine Kooperationsvereinbarung mit den Oldenburgern Betreibern geschlossen, um bei der Wertschöpfung durch die Windenergie einen Fuß in der Tür zu haben.

Ob es je dazu kommt, ist für Ruthemeyer keineswegs garantiert. „Wenn es die Rahmenbedingungen nicht zulassen, wird es in Soest keine Windanlagen geben.“ - hs

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