Angehende Adoptiveltern ärgern sich über Jugendamt

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KREIS SOEST - Auf einen Bericht über ein Seminar zur Adoptionsvorbereitung des Kreises Soest reagierte ein Anzeiger Leser mit großem Ärger. Er will nicht namentlich genannt werden, seiner Enttäuschung über die Praktiken des Adoptionsverfahrens dennoch Luft machen.

„Wir sind ungewollt kinderlos und interessierten uns für die Adoption eines Kindes“, berichtet er gegenüber unserer Zeitung. Mehrere Tagesseminare absolvierte das Paar und schließlich auch ein Wochenendseminar, das immerhin rund 300 Euro kostete. „Hier wurden die Paare von Diplom-Psychologen getestet, ob sie auch als Adoptionseltern taugen“, erzählt der ehemalige Teilnehmer.

„Zudem war es emotional sehr aufwühlend. Der Hammer kam dann am Ende des Seminars, nachdem wir uns zwei Tage offenbart hatten, sagte man uns, dass wir für eine Adoption sowieso nicht in Frage kämen, weil einige von uns, darunter auch ich, die Grenze von 40 Jahren schon überschritten hätten. Das hätte man uns auch schon vorher mitteilen können, dann hätte ich gar nicht an dem Seminar teilgenommen und gleichzeitig Geld gespart.“ Das Paar, sowie die anderen teilnehmenden Paare bei denen einer von beiden älter als 40 Jahre ist, fühlten sich schlichtweg hinters Licht geführt. „Da wurde Vertrauen zerstört.“ Denn die Daten zu seiner Person – insbesondere die über das Alter der teilnehmenden Paare – hätten dem Jugendamt ja schon vorher vorgelegen.

In der Regel würden beim ersten Gespräch einer geplanten Adoption die Rahmenbedingungen durch den Jugendamtsmitarbeiter mitgeteilt, sagt Wilhelm Müschnborn, Pressesprecher des Kreises Soest. Er wisse konkret von einem Fall aus der Vergangenheit, bei dem das Kreis-Jugendamt ein Paar zu spät über die Altersgrenze informiert habe. Die Bewerber reagierten darauf verärgert. „Da gab es wohl Kommunikationsfehler und Missverständnisse“, räumt Müschenborn bedauernd ein. Das Missverständnis sei in einem Gespräch geklärt worden.

In der Tat ist es schwierig, mit über 40 noch ein Kind zu adoptieren. Die Jugendämter richten sich nach der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter. Und die empfiehlt einen Altersabstand von maximal 40 Jahren zwischen Adoptiveltern und Adoptivkind. Formal gebe es aber für die Eltern noch für das Kind eine Höchstbegrenzung des Adoptionsalters. - agu

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