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Scherben belegen: Vor 7000 Jahren lebten Bauern in Soest

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Frederik Heinze und seine Archäologen-Kollegen suchen sorgfältig auf der Baustelle in der Thomästraße (im Hintergrund die alte Hagen-Villa) nach Zeugnissen aus der Jungsteinzeit – und sind tatsächlich fündig geworden.
Frederik Heinze und seine Archäologen-Kollegen suchen sorgfältig auf der Baustelle in der Thomästraße (im Hintergrund die alte Hagen-Villa) nach Zeugnissen aus der Jungsteinzeit – und sind tatsächlich fündig geworden.

SOEST -  Die Soester Altertumsforscher haben erneut Keramikspuren aus der Zeit 5000 vor Christus gefunden. Die 7000 Jahre alten Funde belegen, wie stark die bäuerlichen Siedlungen damals in Soest gewesen sein müssen. Das Neue daran: Erstmals entdeckten die Archäologen Bandkeramik östlich des Kützelbachs.

„Das haben wir nicht erwartet“, sagte Soests Chef-Archäologe Dr. Walter Melzer, als er die sensationellen Funde am Mittwoch präsentierte. Sein ganzes Team mit sechs Fachleuten hat er mal eben von anderen Stellen abgezogen und zur Thomästraße geschickt. Neben der alten Hagen-Villa wird zurzeit ein Mehrfamilienhaus hochgezogen (wir berichteten), Nun haben die Forscher mal gerade eine Woche Zeit, die wertvollen Funde zu sichern.

Wie improvisiert das über die Bühne geht, wurde Mittwoch beim ersten Regenschauer sichtbar. Normalerweise schützen ausladende Zelte die Gräber. Doch die aufzutreiben und aufzubauen, blieb keine Zeit, ein paar Sonnenschirme mussten reichen: Die Bauarbeiter sitzen den Archäologen räumlich wie zeitlich im Nacken.

Aus Schutz vor Mäusen Pötte hochgehängt

„Dunkle Flecken in der Erde haben uns auf die Spur gebracht“, schildert Melzer. Sie zeugen davon, dass hier kein (über Millionen Jahre) gewachsener Lösslehm mehr liegt, sondern dass Vorfahren hier bereits gesiedelt haben.

Die charakteristischen Scherben, die nun entdeckt wurden, stammen offensichtlich von Krügen und anderen Gefäßen, in denen die Bauern vor 7000 Jahren ihr Getreide bunkerten. „Die Pötte wurden hochgehängt, um den Inhalt vor den Mäusen zu schützen“, erläutert Melzer.

Auf der Suche nach fruchtbaren Böden waren die Bauern damals offensichtlich auch nach Soest gelangt. Die Nähe zum Kützelbach, zu den Kolkquellen und damit der Wasseranschluss spielten die zweite wesentliche Rolle, ausgerechnet hier das Glück zu versuchen. Der Soester Stadtarchäologe berichtet, die einzelnen Bauernsippen lebten durchaus gemeinschaftlich zusammen und organisierten ihren Alltag.

Alte Hagen-Villa wird umgebaut

In Verbindung mit den bereits sichergestellten Bandkeramik-Spuren an der Nikolaikapelle und am Plettenberg steht für die Forscher fest: „Wir haben offensichtlich in der Soester Altstadt mit einer großen Siedlung der Jungsteinzeit zu rechnen.“

„Freudig überrascht“ ließ sich auch Dr. Gert Hagen die Funde zeigen. Er kümmert sich um das Erbe der früheren Batterie-Unternehmer-Familie Hagen, der das Grundstück samt der (unter Denkmalschutz stehenden) Nachbarvilla gehört. Die stand mehr als ein Jahr lang leer und wird nun zu einem Fünf-Familienhaus umgebaut. - hs

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