Redner mit dickem Vorstrafenregister

SOEST ▪ In einem sogenannten Koordinierungsgespräch haben die Neonazis gestern mit der Soester Polizei abgestimmt, wie ihre Demonstration und der Marsch durch die Soester Innenstadt laufen sollen. Ein Ergebnis dieser Runde will die Polizei am heutigen Mittwoch mitteilen.

Parallel dazu hat Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer sich über sein Ratsbüro mit Vertretern aus Schulen, Kirchen, Polizei, Politik und Wirtschaft in Verbindung gesetzt, um heute gemeinsam darüber zu beraten, welches gemeinsame Zeichen die Stadt Soest der rechten Szene entgegensetzen werde.

Auffällig an den Organisatoren und Rednern der Neonazis ist: Sie alle haben – nicht nur was das Planen solcher Demos angeht – schon reichlich Bekanntschaft mit der Polizei gemacht und allesamt stattliche Gefängnisstrafen kassiert.

Kontrastreiches

Gegenprogramm

Da ist zum Beispiel Sascha Krolzig. Der 23-jährige Hammer ist der „Versammlungsleiter“ bei der Soester Demo, bei dem der gewaltsame Tod des Soester Schülers Tim am vorvergangenen Wochenende instrumentalisiert werden soll – der Anzeiger berichtete. Krolzig gilt als führendes Mitglied der „Kameradschaft Hamm“, einer nach Auskunft von Wikipedia „aktivsten neonazistischen Freien Kameradschaften“ im Land. Seit sieben Jahren tritt er als Organisator und Redner von Nazi-Kundgebungen auf. 2005 verurteilte ihn das Amtsgericht Hamm zu einer sechsmonatigen Jugendstraße ohne Bewährung.

Als Hauptredner am Samstag, so wird auf Netzseiten der rechten Szene angekündigt, wird Axel Reitz auftreten. Der 28-jährige Pulheimer wurde Mitglied bei den Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der NPD, und gründete die Kameradschaft Köln mit, welche später nach einem ermordeten SA-Mann als Kameradschaft Walter Spangenberg firmierte, heißt es bei Wikipedia. Das Vorstrafen-Register von Reitz reicht von Volksverhetzung, Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole bis hin zum Verstoß gegen das Uniformverbot auf einer Demonstration. 2005 verurteilte das Landgericht Bochum Reitz wegen Volksverhetzung zu 21 Monaten Haft.

Ebenfalls als Redner soll Paul Breuer auftreten. Auch er hat schon zweieinhalb Jahre wegen rechtsextremistischer Umtriebe hinter Gittern verbracht.

Kontrastreicher kann deshalb das „Gegenprogramm“ der Soester Initiativen kaum ausfallen. „Wir möchten zeigen, dass Soest für Toleranz und Gewaltlosigkeit steht“, sagt Rathaus-Sprecher Klaus-Peter Knäpper. Er und seine Kollegen aus dem Ratsbüro ziehen zur Zeit die Fäden, um mit möglichst vielen Unterstützern am Samstag die Innenstadt nicht allein den Neonazis zu überlassen. ▪ hs

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