„Die Rechte“ wählte heimlich Kreisverband

Neonazis nehmen sich die Soester Börde vor

Neonazi-Aufmarsch im Soest. Im März organisierte die neue Partei „Die Rechte“ die Aktion.

SOEST - Die Neonazis versuchen, im Kreis Soest über ihre neue Partei „Die Rechte“ Fuß zu fassen. So haben sie im März die Neonazi-Demo in der Soester Innenstadt aufgezogen und inzwischen auch einen Kreisverband gegründet.

Gemessen an ihrer Mitgliederzahl und ihren Aktionen zählen sie nach Einschätzung des Staatsschutzes bislang aber zu den eher unauffälligen und passiven rechtsextremen Gruppierungen im Land.

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„Soest ist sicher nicht die Insel der Glückseligen“, sagt Kim Freigang von der Kriminal-Hauptstelle in Dortmund. Hier ist der Staatsschutz angesiedelt, der religiös oder politisch motivierte Straftaten – egal ob von links – beobachtet. Doch gemessen an Neonazi-Hochburgen etwa im Ruhrgebiet, im Bergischen Land oder auch gleich um die Ecke in Hamm sei die Soester Börde eher noch Entwicklungsland. Unter den rund 150 Aktivisten, die bei der Neonazi-Demo im März in Soest mitmarschiert sind, seien „praktisch keine Soester“ gesichtet worden; „die Teilnehmer kamen überwiegend aus Wuppertal, Dortmund und dem Rheinland“, so Freigang.

Doch das könnte sich ändern. Die von Christian Worch (57), einem der führenden Köpfe der militanten Neonazi-Szene und bislang eher Anhänger der Freien Kameradschaften, gegründete Partei „Die Rechte“ schickt sich gerade an, in Nordrhein-Westfalen vielerorts an den Start zu gehen und Kreisverbände zu gründen. „Man versucht, sich einen parteiähnlichen Anstrich zu geben“, sagt Freigang. Bereits Anfang Oktober tagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Rechtsextremen auch in Möhnesee-Körbecke und hoben hier ihren Soester Kreisverband aus der Taufe. An der Spitze steht der 26-jährige Dominic Bruschke aus Möhnesee. Auf der Internetseite der Partei wird Bruschke als Immobilienmakler vorgestellt. Er selber kündigt über seine Facebook-Seite an, bei der Rathauswahl im Mai nächsten Jahres als Kandidat in Möhnesee antreten zu wollen.

Wie nahe Bruschke der Nazi-Ideologie steht, wird ebenfalls auf seiner Netzseite deutlich: Zum 9. Oktober gratulierte er Horst Wessel zum Geburtstag. Der SA-Sturmführer hatte die Hymne der NSDAP, das Horst-Wessel-Lied, verfasst. „Ein unvergessener Vorkämpfer der Bewegung“, so sieht ihn Bruschke noch heute.

Bei seinen Mitstreitern im Soester Kreisvorstand der „Rechten“ geben sich die Aktivisten bedeckt. „Eine 21-jährige Auszubildende“ sei als Vize gewählt worden, „eine 28-jährige Hausfrau“ als Beisitzerin. Bei der Stellvertreterin soll es sich nach Informationen der Antifaschistischen Aktion Soest um die Soesterin Karina H. handeln.

Während Bruschke nach Informationen des Staatsschutzes bereits in den Nachbarkreisen Unna und Hamm in Erscheinung getreten ist, sollen seine Mitstreiter im neuen Soester Kreisverband eher politisch unbeschriebene Blätter sein.

Die Sorge, die Rechtsextremen würden jetzt nach und nach die nötigen Strukturen im Kreis Soest aufbauen, um hier wirken zu können und Einfluss zu gewinnen, hatte vergangenen Monat auch der CDU-Landtagsabgeordnete und Vizepräsident des Landtags, Eckhard Uhlenberg, (Werl) geäußert. Er verwies auf Hinweise des Parlamentarischen Kontrollgremiums des NRW-Verfassungsschutzes. Mit der Etablierung der neuen Partei gehe womöglich ein Anstieg von Straftaten einher. - hs

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