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Rolf Kissmanns letzter Holzvogel für die Bürger-Schützen heißt „Zyklop“

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Dahm
26 Flachadler hat Rolf Kissmann für die Bürger-Schützen geschnitzt. Jetzt setzt er sich zur Ruhe. ▪

SOEST ▪ „Das macht mich manchmal ganz krank, wenn ich an das Ende des Adlers denke.“ Rolf Kissmann sieht betrübt aus. Er ist seit vielen Jahren der Adlerbauer der Bürger-Schützen und hat in diesen Jahr den 26. Flachadler abgeliefert – seinen letzten.

Denn er hat damit das Alphabet durch und wird nun diese Aufgabe in jüngere Hände geben. „Einmal muss Schluss sein“, meint der 76-Jährige. Da der letzte Buchstabe im Alphabet das Z ist, heißt der diesjährige Adler sinngemäß „Zyklop“.

Ein bisschen zuckt es dabei aber auch um Kissmanns Augen. Denn als gestandener Vogelbauer weiß er genau, was sein Los ist: Sein liebevoll gebauter Vogel wird beim Königsschießen rücksichtslos von den Schützen zerfleddert und schließlich erlegt. Das ist immer so – und schließlich Hauptzweck des Vereinslebens. Denn nur so wird alljährlich der neue König gefunden.

Drei Tag braucht Kissmann, um einen Flachadler zu bauen. Zuerst sägt er aus OSB-Platten die Schwingen. Den Körper schnitzt er aus einem massiven Fichtenblock. Dann wird alles mit einem speziellen Schaum oberflächig behandelt, um eine plastische Wirkung zu erzielen für des Gefieder. Die Insignien kommen dazu. Zuletzt wird der Vogel bemalt.

Kleiner Gag bei „Zyklop“: Der letzte Kissmann-Adler, der am Samstag erlegt wird, drückt zwei Abschiedstränen aus seinem Adlerauge.

Flachadler sehen nach Meinung der Schützen im Kugelfang besser aus. Einige Voll-adler hat Kissmann auch schon gebaut. Er erinnert sich: „1985 habe ich für den Körper des Adlers eine Zirbelkieferwurzel aus dem Stubaital verwendet.“ Wer sich bei Holz etwas auskennt, weiß genau, dass es kaum einen zäheren Werkstoff gibt. Die Folge: „Die Schützen haben sehr viele Stunden auf den Vogel geschossen, bis er schließlich doch noch herunterkam.“ Die Lehre daraus war klar: Wurzelholz ist für einen Schützen-Adler denkbar ungeeignet. Denn der Vogel muss wohl eine Weile auf der Stange aushalten, darf aber auch nicht zu zäh sein und das Schützenvolk nerven oder gar langweilen.

Bei den Flachadlern gab es auch solche und solche. 1989 legte Hans-Dieter Hagedorn auf „Dolfus“ an: „Bei meinem Schuss segelte plötzlich der ganze Vogel herab, bevor die Insignien abgeschossen worden waren.“ Das war der kurzlebigste Kissmann-Adler.

2004 biss sich Lothar Lindemann an „Simba“ fast die Zähne aus. Kissmann hatte einen Teil des Vogels mit einem Lederband geflickt. Dieser am Leder befestigte Span klappt bei den Schüssen einfach nach hinten weg. Es dauerte Stunden, bis „Simba“ erlegt war.

Wer künftig die Adler für die Bürger-Schützen bauen wird, steht noch nicht fest: „Wir suchen noch“, sagt Kommandeur Theodor Hülsbeck. ▪ kf

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