Landwirte sehen sich durch Wortwahl in Verruf gebracht

Der Landwirtschaftverband stellte sich in Lippetal-Oestinghausen wieder als starke Gemeinschaft vor: Anne Bühner, der Referent Dr. Folkhard Isermeyer (Präsident des Heinrich-von-Thünen-Institutes, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei), Kreisgeschäftsführer Burkhard Schröer, Landrätin Eva Irrgang, der stellvertretende Vorsitzende Martin Lönne-Helmig, der Vorsitzende Josef Lehmenkühler, Kreislandwirt Dirk Schulze-Gabrechten und Monsignore Uwe Wischkony, Direktor der Katholischen Landvolkshochschule Hardehausen, der das Schlusswort sprach.
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Der Landwirtschaftverband stellte sich in Lippetal-Oestinghausen wieder als starke Gemeinschaft vor: Anne Bühner, der Referent Dr. Folkhard Isermeyer (Präsident des Heinrich-von-Thünen-Institutes, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei), Kreisgeschäftsführer Burkhard Schröer, Landrätin Eva Irrgang, der stellvertretende Vorsitzende Martin Lönne-Helmig, der Vorsitzende Josef Lehmenkühler, Kreislandwirt Dirk Schulze-Gabrechten und Monsignore Uwe Wischkony, Direktor der Katholischen Landvolkshochschule Hardehausen, der das Schlusswort sprach.

Kreis Soest – Wohin wollen wir in nächster Zeit steuern? Mit dieser Frage wandte sich Prof. Dr. Folkhard Isermeyer an das Publikum. Ein nach außen überzeugend vermitteltes Zukunftsbild sei vonnöten, betonte der Experte in Lippetal beim Kreisverbandstag der hiesigen Landwirtschaft in seinem Vortrag. Sich klar bekennen und die Richtung eindeutig benennen, so sein deutlicher Appell. Es ging um eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft. Eine Utopie? Nur eine Illusion?

„Eines der Kernprobleme ist, dass wir der Bevölkerung nicht erklären können, wie genau es weiterlaufen soll. Die Gesellschaft wird verstehen, dass es keinen Stillstand geben darf und wir Dynamik brauchen“, unterstrich Prof. Isermeyer, Präsident des Thünen-Institutes, das wissenschaftliche Grundlagen für Entscheidungen in der Agrarpolitik vorlegt. Dazu gehört die Erarbeitung von Konzepten einer auf lange Sicht tragfähigen Nutzung der Ressourcen.

Er richtete den Blick sowohl auf die globalen Trends auf den offenen Weltmärkten und ihre starken Wettbewerbsfaktoren als auch auf die Lage im eigenen Land. Dabei rückte er – aus seiner Sicht – Perspektiven für Ackerbau und Tierhaltung in den Fokus und bot damit reichlich Stoff für eine lebhafte Diskussion um Theorie und Praxis – die im Alltag zuweilen weit auseinanderklaffen.

Kreisverbands-Vorsitzender Josef Lehmenkühler sprach in der voll besetzten Gemeinschaftshalle in Oestinghausen zur Begrüßung Klartext: Tagtäglich sehen sich die Bauern, so machte er deutlich, als Massentierhalter mit massiven Vorwürfen „psychisch massakriert“. Mit diesem kleinen Wortspiel wolle er darauf hindeuten, dass vieles durch eine gezielte Auswahl des Vokabulars in Verruf gebracht und wenig Fach- und Sachlichkeit an den Tag gelegt werde. Welche Blüten das treibe, stellte er an Aussage dar, die häufig zu hören seien. 

Werde mit dem Begriff „Massen“ die Tierhaltung diffamiert, werde die schon vom Klang abschreckende Fach-Bezeichnung Pestizid genutzt, um zu suggerieren: Pflanzenschutz verpestet die Umwelt... „Komisch“, sagte er zu dieser Art der Argumentation, „Pflanzenschutz verpestet die Umwelt – Tierschutz dagegen ist unerlässlich...“

Am Ende muss jemand die Zeche zahlen

Der vom Verband vertretene Berufsstand belege seine Veränderungsbereitschaft auch öffentlich, merkte Lehmenkühler an und nannte als Beispiel die Beteiligung an einer Reihe von Projekten zum Tierwohl. Vieles sei auf den Weg gebracht, manches stehe noch an. „Nur am Ende muss es auch jemanden geben, der das Ganze bezahlt“, hob der Kreisvorsitzende hervor. Bei allen Lösungsvorschlägen, die darauf abzielen, mehr Zustimmung zu erreichen, dürfe nicht vergessen werden, dass Wirtschaft eng mit dem Geld in Zusammenhang steht. Kurz: Anforderungen sind nicht umsonst zu erfüllen, sie kosten, und es muss immer jemand da sein, der für die Zeche aufkommt.

Mit deutlichen Worten ging Lehmenkühler auch auf die „aktuellen gesetzlichen Ambitionen unseres Ministeriums in Düsseldorf“ ein: Da hege er doch arge Zweifel an der tatsächlichen positiven Wirkung auf die Natur. Er sprach von einem deutlichen Ausbremsen des Berufsstandes, so dass der gesamte ländliche Raum darunter leiden werde.

„Anspruchsvolle Ziele“

„Wir können nicht jeden erreichen“, räumte Prof. Folkhard Isermeyer als Referent des Kreisverbandstages ein, „verliert man aber die Akzeptanz in der Mitte der Gesellschaft, hat man ein großes Problem.“

Worum es den Landwirten geht, wurde bereits in der Einladung zu diesem traditionelle Termin im Januar deutlich: „Viele Menschen in hochtechnisierten Ländern sehen intensive Nutztierhaltung und den ertragsorientierten Ackerbau in Bezug auf Tierwohl und Umwelt zunehmend kritisch. 

Eine Tierhaltung, die das Wohlergehen der Tiere im Blickpunkt hat, und ein Ackerbau, der unter Beachtung der Nachhaltigkeit gesunde Früchte liefert, sind anspruchsvolle Ziele. Lassen sich diese verwirklichen und finden diese dann die Zustimmung der Bevölkerung?“ 

Der Referent lieferte Denkanstöße und nannte Ansatzpunkte beim Namen. Einer lautet: Verbraucher üben viel Kritik an der, wie sie es bezeichnen, „Massentierhaltung“, dennoch kaufen sie billig ein. Bekommen sie an der Theke kein Fleisch zum Niedrigstpreis, darf’s auch teurer sein.

Bei der Nutztierhaltung riet er zu einer nationalen Strategie und zum offenen gesellschaftlichen Dialog, um aufzuklären und die Entwicklung aufzuzeigen.

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