Cyberknife-Zentrum in Soest: Der Vortrag Dr. Böchers

Krebskrankheiten werden weiter zunehmen, schon wegen der zunehmenden Alterung der Gesellschaft, sagt Dr. Eckhard Böcher.

SOEST ▪ Wie sich technische Möglichkeiten und ethische Medizin zueinander bringen lassen, hat der Soester Krebsspezialist Dr. Eckhard Böcher am Freitag bei der Eröffnung des Deutschen Cyberknife-Zentrums in Soest in einem Impulsreferat erläutert. Böcher stellte auf Wunsch der Anzeiger-Redaktion sein Manuskripit des lesenswerten Vortrags zur Verfügung. Hier ist die komplette Fassung.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Langer und intensiver Verhandlungen mit vielen verschiedenen Menschen und Institutionen in unserem Gesundheitssystem hat es bedurft, dass wir heute in den neu erbauten Räumen des Klinikums eine in höchstem Maße und noch kaum zu erahnende, innovative Behandlungseinheit in Betrieb nehmen können. An einem Januartag 2006 haben wir in einer kleinen Gruppe erstmals über die vage Möglichkeit einer Etablierung der Präzisionsstrahlentherapie am Klinikum diskutiert. Und heute? heute stehen wir vor der Inbetriebnahme dieser einzigartigen und gleichwohl außergewöhnlichen Art der Strahlentherapie. Das hätte seinerzeit keiner in seinen kühnsten Träumen erhoffen können. Insbesondere den impulsiven wie visionären Aktivitäten des Geschäftsführers des Klinikums und dem vertrauenden Mut des Bürgermeisters der Stadt Soest, die strategischen Schritte staatsmännisch und gesundheitspolitisch klug und stützend zu flankieren, ist es zu verdanken, dass für viele Patienten, nicht nur aus der Region sondern auch für die Patienten aus ganz Deutschland eine heilsame Behandlung eingesetzt werden kann.

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Eröffnung Cyberknife im Klinikum Soest

Diese Aussagen sollen jedoch keineswegs überschwänglichen Optimismus verbreiten. Denn wir müssen in gleicher Verantwortlichkeit, wie wir für das medizinische Gelingen dieser mehrere Millionen € schweren Behandlungseinheit am Klinikum verantwortlich sind auch der Solidargemeinschaft angesichts der leeren Kassen im Gesundheitssystem und das in uns von vielen Mitverantwortlichen entgegengebrachte Vertrauen, große Anstrengungen leisten, durch diese einzigartige CyberKnife-Technologie ihre heilende Kraft für alle auch wirklich entfalten zu lassen. Aber letztlich und einzig können wir es nur alle zusammen ermöglichen, daß die öffentliche Gesundheitsfürsorge, die der Staat zu übernehmen sich verpflichtet hat, zum Erfolg geführt werden kann.

Im Jahre 1994 wurde das erste CyberKnife-Gerät in Stanford, Kalifornien, in Betrieb genommen. Inzwischen befinden sich dutzende Geräte weltweit im Einsatz und über 60 Tausend Patienten wurden damit bis heute behandelt. In München wurde im Jahre 2005 deutschlandweit das erste Gerät zur Therapie verschiedener neurochirurgischer Erkrankungen eingesetzt. Wir können uns deshalb glücklich schätzen, am Klinikum hier in Soest, im Verbund mit der Ruhruniversität Bochum unter der strahlentherapeutischen Leitung von Prof. Adamitz und Prof. Schilcher das zweite Gerät und darüber hinaus mit einem erweiterten therapeutischen Spektrum für nahezu alle Körperregionen ausgerüstet zu sein.

Wir haben es wahrlich mit einem Wunder der Technik zu tun. Mit einer unfassbaren Genauigkeit von 0,2 mm wird die therapeutische Energie mithilfe eines Lotsen, das ist ein äußerst präzises Steuerungssystem, in das kranke Gewebe geleitet. Doch bevor sich die therapeutische Wirkung überhaupt entfalten kann, muss sie erst mal erzeugt werden.

Ein besonderes Herzstück der Anlage ist dafür verantwortlich, dass unsere kleinsten Bausteine der Materie, ein bestimmtes Elementarteilchen durch elektrische Felder auf sehr große Geschwindigkeit beschleunigt wird. Die Teilchen, die auf die therapeutische Reise geschickt werden sollen, werden in dem Teilchenbeschleuniger annähernd auf Lichtgeschwindigkeit angetrieben und erhalten somit eine gewaltige Bewegungsenergie, die sogenannte kinetische Energie, die dem Vielfachen ihrer eigenen Ruheenergie entspricht. Eine Vakuumkammer und Magnete, die in einem Beschleunigertunnel geradlinig angeordnet sind, machen diese unvorstellbare Beschleunigung möglich. Die Strahlenquelle ist ein 6-Megavolt-Linearbeschleuniger. Die Länge des Strahlrohres beträgt 50 cm bei einem Gewicht von 150 kg. Ohne Energieverlust verlässt nun die elektromagnetische Strahlung ihren Geburtsort und rast mit einer enorme Geschwindigkeit von nahezu 300 Millionen Metern pro Sekunde auf ihr eigentliches Ziel zu, um dort das zu tun, was sein Schicksal ist: beim Auftreffen auf das Gewebe eine gigantische Kugelwelle in der submikroskopischen Welt auszulösen, gleichsam einem Tsunami auf molekularer Ebene, dem nichts widerstehen kann. Dieses Photon, in Wirklichkeit sind es Myriaden von Quanten des elektromagnetischen Feldes, die spätestens nach einer 6 Milliardstel Sekunde den Tumor erreichen und dort eine biologische Wirksamkeit entfaltet, die dem Tumor unausweichlich und unwiderruflich zum Verhängnis wird. Mit dem Vergehen der Tumorzellen wird auch das so kurze Leben des Photons ausgelöscht. Diese eigentümliche Wirkung der Bestrahlung beruht auf der zerstörenden Energieübertragung des bestrahlten Gewebes in Streuprozessen. Dabei sind direkte Treffer der Tumorzelle weniger bedeutsam als die Ionisierung von Wassermolekülen. Denn die durch die hochfrequente Strahlenergie veränderten Moleküle bekommen mindestens ein ungepaartes Elektron, die sogenannten freien Radikale, die besonders reaktions- und zerstörungsfreudig und damit für die betroffenen Zellen hochtoxisch sind. Für die eigentliche Antitumorwirkung sind Treffer und Schäden an einem Biomolekül notwendig, die wir als Trägerin der Erbsubstanz der Zellen kennen, die DNA. Die Ionisation induziert insbesondere Doppelstrangbrüche der DNA, Schäden, die die Reparaturfähigkeit der Tumorzelle ausschalten und damit wird sie an der Vermehrung, der Mitose, behindert bzw. zum unmittelbaren aktiven Absterbeprozeß, in die sog. Apoptose geführt. Da zur Wirkung mehrere Treffer in enger räumlicher und zeitlicher Nähe eintreten müssen, ist die Dosis-Wirkungsbeziehung von entscheidender Bedeutung. Wir wollen zum Wohle des Patienten eine möglichst kurze Behandlungszeit und trotzdem eine unmittelbar abtötende Dosis am Tumor. Und das ist gerade die Spezialität der CyberKnife-Technologie, die mit ihrem Roboterarm diese unzähligen stereotaktischen radiochirurgischen Eingriffe ermöglicht.

Ich bin der Ansicht, dass mit diesem modernen Therapietrakt eine optimale Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger in Nah und Fern weit in unsere erste Jahrhunderthälfte hinein gesichert werden kann. Was Ihnen im Anschluß vorgestellt werden wird, ist das Modernste an Technik und Gerät, was derzeit auf dem Markt verfügbar ist.

Ich kenne aber auch die kritischen Stimmen, die sich an dieser Stelle regen können: Sie behaupten, chromblitzende Behandlungssäle, sterile Krankenzimmer und industrialisierte Massenverpflegung des Objekts Mensch und Kranker seien Charakteristika für das Krankenhaus von heute. So sehr ich diese Ansichten zu respektieren bereit bin, so sehr sehe ich mich auch in der Funktion des sozialverantwortlichen Arztes einer beachtlichen Verpflichtung gegenübergestellt: wir hätten keinen Mut und würden die Augen nur verschließen, verweigerten wir einer neuen lebensrettenden und Leiden lindernden Therapierichtung ihre Lebensimpulse zu entfalten, nur weil sie technisch hochsensibilisiert ist, metallen glänzt und keine emotionalen Neigungen zeigt?

Die Beantwortung dieser Frage wird immer ein eindeutiges Ja zum Leben ergeben. Wenn die von Menschenhand geschaffene Technik gegenwärtig dazu in der Lage ist, anderen Menschen Hilfe zu bringen, dann muß diese Technik auch eingesetzt werden. Die Maschine ist nichts Böses an sich. Wir werden aber alles dafür tun, dass sie menschlich eingesetzt wird, d. h. auch ich würde mich weigern, meine mögliche Krankheit in einem voll mit Robotern ausgestatteten Krankenhaus auszukurieren. Menschliche Wärme ist gerade und vor allem bei seelischen Notständen wie wir sie bei Krebserkrankungen natürlicherweise vorfinden eine ganz zentrale Beziehung zum Patienten und dessen Angehörigen. Weil wir das wissen, lassen Sie mich an dieser Stelle, allen Ärzten, Pflegern und Schwestern, allen Therapieteams, den Verwaltungsangestellten und den vielen hier nicht ausdrücklich genannten unsere Hochachtung aussprechen. Denn nur durch ihren Einsatz und ihre nie ermüdende Nächstenliebe am Kranken entfaltet das Haus die vom Kranken ersehnte Empathie. Dienst in der Pflege von Kranken ist immer ein Stück Selbstaufopferung. Diejenigen, die nicht täglich mit dem Leid anderer Menschen so direkt konfrontiert werden, können nur mit Respekt anerkennen, was die in diesem Hause Tätigen leisten. Wir können aber eines tun, und damit meine ich uns und die Verantwortlichen im öffentlichen Gesundheitsbereich: wir können diesen Dienern an unseren Mitmenschen die Mittel geben, die sie benötigen, um ihre lebensrettende Tätigkeit auszuüben. Und wir sollten es nie dazu kommen lassen und haben dafür Sorge zu tragen, dass durch das Fehlen von Geld oder die mangelnde Funktionsfähigkeit technischer Mittel Menschenleben in Gefahr geraten. Dafür Sorge zu tragen, ist Aufgabe und Verantwortung von uns allen.

Die Freude über diesen Erfolg heute sollte uns zugleich stolz und bescheiden machen. Denn wenn wir unseren eigenen Anteil an diesem Projekt auf seinen Kern zurückführen, müssen wir genügsam feststellen: wir sind Zwerge auf dem Rücken von Riesen. Aus meiner Sicht als traditionsbewusstem Wissenschaftler erscheinen unsere Vorgänger in den vergangenen Epochen als Riesen und wir selbst als Zwerge. Wir Zwerge profitieren alle von den Pionierleistungen der Vergangenheit in großem Ausmaß. Wir fügen dem vorgefundenen Wissensschatz unseren eigenen bescheidenen Beitrag hinzu und tragen so zu dem Fortschritt bei, der durch nachfolgende Generationen weiterentwickelt wird. Nur auf diese Art können die Zwerge die Riesen überragen. Deshalb schenken sie mir einen kleinen Moment des Rückblicks auf unsere Riesen - wir hätten keine CyberKnife-Technologie ohne sie: Antoine Henri Becquerel, der Entdecker der Kernstrahlung; Ernest Rutherford, entdeckte, dass ein Atom kein festes Teilchen ist; Max Planck und Werner Heisenberg, die Pioniere der Quantenmechanik und Niels Bohr, der die Theorie auf das Atom anwandte; Joseph John Thomson, entdeckte die Elektronen; Enrico Fermi, gelang die erste Kernspaltung; Wilhelm Röntgen, entdeckte die Röntgenstrahlung; Marie und Pierre Curie, entdeckten das Radium und Pollonium und Lars Leksell und Börje Larsson führten die Hochpräzisionsstrahlentherapie in die Medizin ein. Diese Namen stehen stellvertretend für die vielen Riesen, die ich nicht alle nennen kann.

Der Fortschritt der medizinischen Technik hat, verglichen mit früheren Phasen der Menschheit, zu einer ungeheuren Verselbständigung des Umgangs mit Krankheit und Gesundheit gegenüber dem Patienten geführt. Manche Krankenhäuser gleichen schon heute High Tech-Laboren, und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Sie verheißt immer neue Siege über die Krankheiten. Sie bringt aber auch Probleme mit sich, vor allem Probleme, die der Mensch mit seiner eigenen Leiblichkeit hat, und, häufig damit verbunden, ethische Probleme. In dieser elementaren Auseinandersetzung wird es auch darum gehen, wie die conditio humana, d. h. die Befindlichkeit des Menschen in der modernen wissenschaftlichen und technisch bestimmten Welt, neu zu vermessen ist.

Krankheit gehört zur Natur des Menschen wie Gesundheit, Leid und Glück. Sie erinnert den Menschen zugleich daran, daß er sich selbst nicht völlig verfügbar ist. Auf der anderen Seite nehmen in der modernen naturwissenschaftlichen und medizinischen Entwicklung die Möglichkeiten eines verfügenden Zugriffs auf den Menschen zu. Mit der Entwicklung einer High-Tech-Medizin im Zuge der weiteren Verwissenschaftlichung der Medizin, mit den Problemkreisen Selbstbestimmung und eigener Tod und mit dem Verhältnis von Medizin und Ethik haben wir gesellschaftspolitische Spannungsbögen, die dringend einer vertieften Diskussion bedürfen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der steigenden Zahl an Krebspatienten knapper werdende finanzielle und wirtschaftliche Ressourcen und sinkende Zahlen an Ärzten und Menschen in den übrigen Gesundheitsberufen gegenüberstehen. Parallel dazu fordert die Individualisierung der Therapie eine zunehmende Spezialisierung und Qualifikation der Behandler. Das Allokationsproblem verschärft die Situation weiter: es sind zwar optimierte Therapien vorhanden, diese stehen jedoch noch nicht allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung.

In Deutschland gibt es 11 onkologische Spitzenzentren, die bereits mit der Hilfe der Deutschen Krebshilfe strukturelle und inhaltliche Verbesserungen der onkologischen Patientenversorgung erarbeiten, um die Ziele einer optimierenden Versorgung zu erreichen. Auch wir werden, diesen Impuls von heute aufnehmend, uns in der Zukunft engagieren, an der qualitätsgesicherten flächendeckenden Versorgung von Krebspatienten aktiv mitzugestalten. Insbesondere werden wir die erarbeiteten Fortschritte und abgestimmten Standards in allen Aspekten der onkologischen Versorgung, Forschung, Früherkennung und Prävention allen onkologischen Zentren des Landes zugänglich machen. Wir müssen jetzt dafür Sorge tragen, dass dieses zarte Pflänzchen als Konzept zügig umgesetzt wird, damit mittelfristig jeder Krebspatient in unserem Land möglichst wohnortnah optimal behandelt werden kann. Der vom Bundesministerium für Gesundheit, der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren gemeinsam initiierte Nationale Krebsplan kann im übrigen hierfür gesundheitspolitisch ein gute Perspektive und Basis bieten. Hierbei denke ich zum Beispiel auch an einer Mitwirkung des Gesundheitscampus Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Versorgungsforschung.

Die Bildung unseres flächendeckenden Krebszentrums voranzutreiben, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zum Normalfall zu machen, das ärztliche Handeln an Leitlinien und die Krebsforschung zu verstärken, sollten in Zukunft unsere Kernanliegen sein. Es bleibt eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft alles zu tun, damit die Zahl der Neuerkrankungen sinkt, der Tumor frühzeitig erkannt werden kann und die Patientinnen und Patienten optimale Hilfe erhalten. Dies gilt vor allem vor dem Hintergrund des Demographischen Wandels, der nach heutigem Stand auch einen weiteren Anstieg der Krebserkrankungen mit sich bringt. Umso wichtiger ist es, intensiv über Verbesserung bei der Prävention wie auch bei der Versorgung von Erkrankten nachzudenken. Denn die Medizin selbst braucht dringend Transparenz zur Versorgung der Krebskranken und die Öffentlichkeit erwartet diese Transparenz von der Medizin. So stehen die brennenden Fragen im Raum: Werden moderne innovative Therapien zügig zum Nutzen aller Krebspatienten umgesetzt? Haben wir flächendeckend eine hohe Versorgungsqualität erreicht? Können wir uns international sehen lassen? Dies sind bereits wenige Fragen, die intensive Kommunikationsprozesse erfordern. Solche Leistungen und Antworten sind nicht bundesweit mit zentralen Bürokratien zu erreichen. Nur regional ist das zu schaffen. Dazu braucht das Land leistungsstarke Tumorzentren und vernetzte onkologische Schwerpunkte, die mit ihren Einzugsgebieten die Bundesrepublik überspannen. Dass die Tumorzentren trotz ihrer heterogenen Profile einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der onkologischen Versorgung leisten, ist inzwischen eine bestätigte und motivierende Erkenntnis. Die Tumorzentren haben den interdisziplinären Diskurs als Grundbedingung onkologischer Diagnostik, Therapie und Nachsorge auf vielfältige Weise fest in die Versorgungsstrukturen verankert. Sie haben vor Ort vielfach innovative Motorfunktion übernommen, den Blick für unterentwickelte Bereiche geschärft und Praxismodelle entwickelt, die beispielsweise der psychoonkologischen oder der palliativmedizinischen Patientenbetreuung dienen, die Behandlungssektoren überbrücken oder der besonderen Qualifizierung des Behandlungsteams dienen. Die Institution „Tumorzentrum“ ist als qualitätssicherndes Instrument in der Gesundheitsversorgung einer großen Patientengruppe einmalig in Deutschland. Die Leistungen in Bezug auf die Qualitätssicherung lassen sich jedoch noch deutlich steigern, indem beispielhafte, zukunftsweisende Organisationsstrukturen und Erfahrungen hoch entwickelter Tumorzentren aufgegriffen und mit höherer Verbindlichkeit für andere Zentren und Regionen nutzbar gemacht werden. Studien dazu bestätigen, dass die Tumorzentren entwicklungs- und zukunftsfähig sind, so dass das gemeinsame Engagement in diesem Bereich wirklich gerechtfertigt ist.

Solche Tumorzentren sind vom Gesetzgeber rechtlich adäquat auszustatten. Die Tumorzentren haben dann alle Kliniken und Ärzte ihrer Region zur Kooperation zu motivieren und zu vernetzen. Die Befunde, Behandlungen und Langzeitergebnisse aller Kooperationspartner sind zusammenzuführen, mit Vergleichen aufzubereiten und allen zugänglich zu machen. Die Ergebnisse werden eine hohe Versorgungsqualität für jede Region belegen und auch den einen oder anderen bestehenden Handlungsbedarf deutlich machen. Fließend gehen diese Aufgaben in die Fort- und Weiterbildung über, die für das Tumorzentrum der Motor sein müssen. Diese Transparenz der Leistungsfähigkeit ist zum Nutzen der Versicherten und legt so die Mitwirkung der Krankenkassen nahe. Grundlagenforschung und klinische Forschung, bei der die ganze Region mitwirken kann und soll, sind eine Aufgabe, die ich durch unser Tumorzentrum gestärkt sehen möchte. Die Krebskrankheiten auf allen Interventionsebenen therapeutisch anzugehen. Dafür braucht das Land starke Onkologische Zentren, die regional für eine hohe Qualität der Versorgung krebskranker Menschen sorgen. Onkologische Zentren müssen auf ihre klar definierte Region einwirken und die Versorgungsträger zu einer engen Kooperation motivieren. Die Zentren müssen ein umfassendes Versorgungsangebot bieten und durch translationale Forschung international beachtete Beiträge leisten. Die Chance für Reformen und damit für eine bessere Unterstützung der Versorgung aller Krebskranken in Deutschland ist da. Teile der erforderlichen Infrastruktur existieren. Dazu ist die Reformbereitschaft derzeit groß. Krankenkassen stellen sich der Qualitätssicherung. Nachhaltige, bürokratisch schlanke, wirksame und kostengünstige Systeme rücken aufgrund der Erfahrung mit bürokratischen Parallel- und Mehrfachstrukturen immer mehr an die Spitze der gemeinsamen Interessensverfolgung. Mit dem heutigen Tage bin ich sicher, dass das in Deutschland einmalige Instrument zur Qualitätssicherung der Tumorzentren eine zukunftsfähige und finanziell gesicherte Basis auch für uns in Soest und die gesamte Region sein wird. Dazu bedarf es des gemeinsamen Engagements von Kostenträgern, Leistungsträgern und Politik.

Aber noch viel wichtiger ist das, was diejenigen leisten, die hier arbeiten. Das gilt für alle. Stellvertretend nenne ich die Schwestern. Sie haben diesem Haus den Ruf verliehen, eine Stätte menschlicher Zuwendung und mitfühlender Fürsorge zu sein. Der Kranke ist hier nicht allein oder sich selbst überlassen. In diesem Sinne wünsche ich dem Projekt „Cyberknife Robotic Radiosurgery“ einen guten Start in die medizinische Wirklichkeit und einen segensreichen Zuwachs an Gesundheit für die zu behandelnden Patienten.

Lassen Sie mich mit einer kleinen Anekdote schließen, damit man mir nicht nachsagen kann einen der ganz großen Riesen vergessen zu haben:

In einem Brief an Michele Besso schrieb Albert Einstein im Jahr 1951: „Die ganzen 50 Jahre bewußter Grübelei haben mich der Antwort der Frage ‚Was sind Lichtquanten' nicht näher gebracht. Heute glaubt zwar jeder Lump, er wisse es, aber er täuscht sich.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, das einzige, was uns von Albert Einstein 50 Jahre später in seiner Erkenntnis unterscheidet ist nicht die Tatsache, dass wir auch heute seinsontologisch immer noch nicht wissen, was ein Photon tatsächlich ist - aber es gibt doch einen ganz wesentlichen Unterschied: wir wissen dass es im CyberKnife funktioniert.

Vielen Dank für Aufmerksamkeit

Cyberknife-Zentrum: Vortrag Dr. Eckhard Böchers über technische Möglichkeiten und ethische Verantwortung in der Medizin

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