Insolvenzverfahren

Aus für den Computerhändler Atelco in Möhnesee

Die Atelco AG ist Geschichte. Acht Filialen des Unternehmens werden von „K & M“ übernommen, die Atelco-Zentrale in Möhnesee wird ihren Betrieb aber ebenso einstellen wie die Filialen in Mönchengladbach, Siegen und Wattenscheid. - Foto: Dahm
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Die Atelco AG ist Geschichte. Acht Filialen des Unternehmens werden von „K & M“ übernommen, die Atelco-Zentrale in Möhnesee wird ihren Betrieb aber ebenso einstellen wie die Filialen in Mönchengladbach, Siegen und Wattenscheid. - Foto: Dahm

Möhnesee - Das Insolvenzverfahren um den Computerhändler Atelco ist mit dem Verkauf etlicher Filialen in eine entscheidende Phase gekommen. Verbunden ist damit allerdings der Verlust von bis zu 250 Arbeitsplätzen, auch in der Atelco-Zentrale in Möhnesee wird der Betrieb eingestellt.

Wie Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei „White & Case“ am Donnerstag mitteilte, übernimmt die „K & M Computer GmbH“, ein Unternehmen der BORA-Computer Gruppe, mit Wirkung zum 1. März weitere acht Filialen von Atelco. K & M hatte bereits zum 1. Oktober 2015 drei Filialen in Berlin, Kaiserslautern und Kiel übernommen.

Mit der jetzigen Vereinbarung, so der Insolvenzverwalter, blieben insgesamt zirka 100 Arbeitsplätze erhalten. In der Atelco-Zentrale in Möhnesee wird der Betrieb jedoch ebenso eingestellt wie in den Filialen in Mönchengladbach, Siegen und Wattenscheid. Im Oktober vorigen Jahres waren bei dem Computerhandelsunternehmen mit Sitz in Möhnesee noch rund 350 Mitarbeiter beschäftigt. Die jetzt vorgestellte Lösung würde also – zumindest vorerst – den Verlust von rund 250 Arbeitsplätzen bedeuten. Die genaue Zahl stehe aber noch nicht fest, hieß es seitens White & Case. In den nächsten vier Wochen werde sich zeigen, inwieweit noch Mitarbeiter von dem Investor übernommen werden.

Den Verkauf an K & M bewerte der Insolvenzverwalter trotz der wegfallenden Arbeitsplätze als Erfolg. Zunächst sei es gelungen, den Geschäftsbetrieb seit dem Insolvenzantrag Ende Juli 2015 stabil zu halten. „Es war von Beginn an das Ziel, Atelco fortzuführen und so weit wie möglich zu erhalten“, so Schulte-Kaubrügger: „Die Kunden haben Atelco die Treue gehalten und die Mitarbeiter haben ein großartiges Engagement an den Tag gelegt, und das in einer für sie sehr schwierigen Zeit.“ Auf diese Weise sei es möglich gewesen, wesentliche Teile des Unternehmens zu retten.

„Leider ergab der über mehrere Monate geführte Sanierungs- und Verkaufsprozess keine Lösung für das Unternehmen im Ganzen“, berichtete der Insolvenzverwalter. Und weiter: Auf der Suche nach einem Investor habe er bis zuletzt mit einer Handvoll Interessenten intensiv verhandelt.

Den Zuschlag erhielt die K & M Computer GmbH aus Köln, die zur BORA-Unternehmensgruppe aus Düren gehört. „Die von uns übernommenen Filialen bilden eine ideale Ergänzung zu unserem vorhandenen Filialnetz“, erklärte der geschäftsführende Gesellschafter Bora Bölck. Hinzu komme, „dass die Mitarbeiter insbesondere in der Kundenberatung sowie im Service fantastische Arbeit leisten“.

Dieses Lob mag denjenigen, die sich nun arbeitslos melden müssen, wie Hohn in den Ohren klingen. Wie dem Anzeiger berichtet wurde, haben die betroffenen Mitarbeiter erst am Donnerstag erfahren, dass ihre Filialen einen Tag später geschlossen würden und eine Inventur unter Federführung von K & M durchgeführt werde.

250 Mitarbeiter arbeitslos

Ihre Freistellungen sollen die Mitarbeiter dann nach der Inventur erhalten. Da die Filialen Mönchengladbach, Wattenscheid, Möhnesee und Siegen nicht von K & M übernommen werden, seien die Mitarbeiter aus diesen Filialen dann arbeitslos, ebenso alle Angestellten aus der Zentrale und dem Logistikzentrum. Kritik äußerten betroffene Mitarbeiter auch an der Vorgehensweise. Die Mitarbeiter hätten diese Entwicklung durch Tür und Angel erfahren, keiner habe es ihnen sachlich erklärt.

Die Atelco Computer AG wurde 1995 in Möhnesee gegründet und betreibt insbesondere über die Internetportale atelco.de und hardwareversand.de sowie über Verkaufsfilialen den Handel mit Computern, Computerzubehör sowie Unterhaltungselektronik in Deutschland und im europäischen Ausland. Im Juli 2015 musste die AG jedoch Insolvenz anmelden, zum 1. Oktober 2015 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Atelco-Gruppe, hervorgerufen auch durch den großen Konkurrenzdruck in diesem Marktsegment, reichen einige Jahre zurück. Laut Channelpartner.de, einer wöchentlichen Fachzeitschrift für den IT-Handel, war die Atelco-Gruppe im Geschäftsjahr 2009/2010 letztmalig profitabel. In den Jahren danach habe Atelco immer wieder rückläufige Umsatzzahlen hinnehmen müssen.

2014 rutschte die Atelco-Gruppe dann in die roten Zahlen. Die Geschäftsführung versuchte gegenzusteuern, indem die Belegschaft von 500 auf rund 350 Angestellte reduziert und die Zahl der Filialen auf 22 herunter gefahren wurde. Die betriebswirtschaftliche Schieflage blieb jedoch bestehen.

„White & Case“

Die „White & Case Insolvenz GbR“ ist nach eigenen Angaben eine der führenden Insolvenzrechtspraxen in Deutschland. Die Gesellschaft ist Teil des White & Case-Verbundes, eine der führenden international tätigen Anwaltssozietäten, die an 39 Standorten in 26 Ländern präsent ist. In Deutschland sind mehr als 200 Rechtsanwälte, Steuerberater und Notare in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und München für White & Case tätig.

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