Insolvenzverfahren

Computer-Händler Atelco aus Möhnesee ist zahlungsunfähig - Stellungnahme

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[Update 18.55 Uhr] Möhnesee - Das Amtsgericht Arnsberg hat das Insolvenzverfahren gegenüber mehreren Firmen der Alteco AG eröffnet. Betroffen sind mehrere hundert Mitarbeiter in etlichen Filialen des Computer-Fachhändlers in ganz Deutschland. Sie wurden bereits von der Geschäftsleitung über die Zahlungsunfähigkeit informiert.

Es handelt sich um die Atelco Computer Aktiengesellschaft mit Sitz am Dieselweg in Echtrop und weitere Gesellschaften. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde vom Gericht Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger aus Arnsberg, auch tätig bei „White & Case“ in Berlin, bestellt. Über das Firmenvermögen darf laut Gerichtsbeschluss nur noch mit Zustimmung des Insolvenzverwalters verfügt werden. Schuldnern der betroffenen Firmen ist es untersagt, an die insolventen Firmen zu zahlen.

Im Bundesanzeiger wurde über die offenbar schwierige Lage des der Atelco-Computer Aktiengesellschaft (2012/2013 Verluste von 1,4 Millionen und 2013/2014 Verluste von 1,8 Millionen) ein Bericht des Aufsichtsrates Detlef Schmidt zum Konzernabschluss des Geschäftsjahres 2013/2014 veröffentlicht.

Darin heißt es auszugsweise: „Die Tätigkeiten des Aufsichtsrates sowie die Gespräche und Beratungen mit dem Vorstand konzentrierten sich auf die schwierige Entwicklung der Liquiditätslage des Konzerns. Der Aufsichtsrat hat sich hierzu laufend über die Liquiditätsplanungen (...) informieren lassen.“

Und im Konzernlagebericht 2013/2014 der Atelco gab Vorstand Ralf Schwalbe im Juli 2014 an: „Firmenspezifische Risiken bestehen nach unserer Meinung in den künftigen Geschäftsjahren dahingehend, dass es durch den starken Wettbewerb und Margendruck zu einer unzureichenden Deckung der Fixkosten kommen kann.“ Ein umfassender Maßnahmenplan zur Reduzierung der Fixkosten werde umgesetzt.

Die Risikolage der Atelco-AG wurde „durch den hohen Margendruck und starken Wettbewerb“ bereits 2014/15 als hoch eingestuft. „Mit gezielten Maßnahmen haben wir die Risiken stark eingegrenzt, um dem hohen Wettbewerb weiter standzuhalten. Im aktuellen Jahr sollten sich die getroffen Maßnahmen im stationären und Onlinebereich positiv auf unser Unternehmen auswirken“, so der Vorstand.

Die Aktiengesellschaft Atelco wurde 1988 unter dem Namen Atelco-Communications-Vertriebs GmbH gegründet und hat ihren Firmensitz seit 1992 nach Möhnesee verlegt. Am Standort wurde das Unternehmen deutlich vergrößert und ausgebaut. Laut Wikipedia machte Atelco noch 2013 einen Umsatz von 123 Millionen Euro. Die Atelco Gruppe hatte damals 484 Mitarbeiter.

Betroffen sind neben der Atelco AG auch folgende Gesellschaften: die Amaris Software-Entwicklungsgesellschaft mbH, die Ari Immobiliengesellschaft mbH, die hwv Hardwareversand sowie die Atelco Immobilien Gmbh und Co. KG und letztlich die Atelco Computer Event Gmbh.

Offizielle Stellungnahme der Atelco Computer AG

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte unsere Zeitung noch eine offizielle Stellungnahme der Geschäftsführung. Darin heißt es: „Die Firma Atelco Computer AG stellte gestern beim Amtsgericht Arnsberg für alle Gesellschaften der Gruppe einen Antrag auf Insolvenz. Dies sei zum Schutz der Mitarbeiter und Gläubiger notwendig. 

Seit 1988 war die ATELCO Computer AG einer der führenden Händler für Notebooks, Desktop-PCs und Unterhaltungselektronik in Deutschland. Mit der Eröffnung des Onlineshops im Jahre 1998 wurden die Auswahl und das umfangreiche Angebot kontinuierlich ausgebaut.

Seit einigen Wochen war die Atelco Computer AG bereits auf der Suche nach einem Investor und hatte zuletzt einen Käufer für einen Teil des Filialnetzes seiner 22 deutschlandweiten Filialen gefunden.

Letztlich blieb dem Unternehmen bei der Umsetzung der Investorenlösung nicht mehr genügend Zeit. Die Geschäftsführung sieht in den bereits getätigten Investorengesprächen auch nach der Insolvenzantragseröffnung einen guten Ansatzpunkt zur Sanierung und Erhaltung der Unternehmensgruppe.

Seitens der Atelco Computer AG Geschäftsführung sind die Gehälter der rund 350 Mitarbeiter gesichert. Auch die Versendung von Waren sowie das Anbieten von Dienstleistungen in allen 22 Filialen werden weitergehen.“

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