Schausteller fürchten um Existenz

Kirmes Stunikenmarkt bald ohne Riesenrad?

Hamm-Mitte  - Eine Kirmes ohne Riesenrad, Break-Dancer oder Achterbahn – eigentlich undenkbar, aber dank der Europäischen Norm 13814 doch bald Realität? Landauf, landab fürchten Schausteller mit traditionellen Karussell- und Fahrbetrieben um ihre Existenz. Der Grund: Mit der Norm wachsen nicht nur die Sicherheitsauflagen, sondern auch die Kosten durch jährliche TÜV-Prüfungen.

Weil mit Übernahme der EN 13814 ins deutsche Baurecht der Bestandsschutz für ältere und historische Anlagen aufgehoben wurde, sehen deren Betreiber Modernisierungskosten im bis zu sechsstelligen Bereich auf sich zukommen. Für viele wäre dies das Aus.

Im Dezember 2015 hatte das niedersächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg die Klage eines Achterbahn-Betreibers aus Weyhe zurückgewiesen, der Bestandsschutz für sein Fahrgeschäft eingeklagt hatte. Eine Entscheidung, die Uwe Röhrig als Vorsitzender des Hammer Schaustellervereins mit Entsetzen zur Kenntnis nimmt: „Die Lage ist tatsächlich so ernst, dass einige Betreiber aufgeben müssen“, sagt er. Allein die jährlichen Prüfungen verschlängen schon tausende von Euro.

Sein Vorstandskollege Rudi Isken (junior), der im Dortmunder Schaustellerverein Rote Erde zugleich Fachberater für Fahrgeschäfte ist, sieht kein Ende der Kostenspirale. Er sagt: „Natürlich muss die Sicherheit der Fahrgäste stets das höchste Gut sein, aber hier wird die Schraube völlig überdreht. Das ist in etwa so, als würde man nun von einem Oldtimer-Besitzer verlangen, sein Fahrzeug mit Airbags und neuestem Komfort auszustatten.“

Sämtliche Karussellbetriebe würden jedes Jahr abgenommen. Eine große Sonderprüfung sei alle zwölf Jahre fällig, um beispielsweise Schweißnähte und Lagerverbindungen unter die Lupe zu nehmen. Die Sonderprüfung verschlinge je nach Betrieb bis zu 50 000 Euro, die jährlichen Abnahmen zudem immer einige 1000 Euro. Wer aufgrund der verschärften Norm nun ein altes Karussell umrüsten müsse, liege schnell zwischen 100 000 und 200 000 Euro. „Manche überlegen sich, ob sie dann nicht lieber Bratwürste verkaufen sollten“, so Isken. Die Krux: Im gesamten EU-Ausland gilt Bestandsschutz – nur in Deutschland nicht. „Damit sind wir nicht mehr wettbewerbsfähig“, kritisiert er.

Quelle: wa.de

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