Pro Evolution Soccer

PES 2017 im Test: Rasenschach auf höchstem Niveau

München – Pro Evolution Soccer 2017 ist das beste PES, das es je gab. Dennoch gibt es einige altbekannte Mankos. Hier geht’s zum Spiele-Test von PES 2017.

Jedes Jahr stehen Fußballfans im Herbst vor der Wahl: Das neue PES oder das neue FIFA? Meistens steht die Antwort für jeden Gamer schon lange vor dem Erscheinen fest: Wer taktischen Fußball mit hohem Realitätsgrad und einer starken Ballphysik liebt, kommt an Pro Evolution Soccer nicht vorbei. Wer vor allem möglichst viele Clublizenzen möchte und eine poppige Inszenierung, besorgt sich erfahrungsgemäß das neue FIFA. PES 2017 hat die Stärken der Pro-Evo-Reihe weiter ausgebaut. So dass das Gamer-Lager in Sachen Fußball weiter gespalten bleibt.

In punkto Realismus setzt PES 2017 neue Maßstäbe. Die Bewegungen der Spieler sehen noch besser als als beim Vorgänger. Zweikämpfe, Dribblings und Torschüsse wirken lebensecht. Sogar die Zusammenstöße und Fouls sehen toll aus: Die Spieler krachen physikalisch korrekt zusammen und fallen auf den Rasen. Eine Augenweide!

Das Einlaufen der Mannschaften wird TV-reif inszeniert. Die Fans untermalen die Matches mit Gesängen, was zur authentischen Fußball-Atmosphäre wie in den TV-Übertragungen ebenfalls beiträgt. Was die Spieler angeht, so ist die Grafik wieder vom Feinsten. Egal ob Marcos Reus oder Lionel Messi: Die Spielergesichter wurden wunderschön digitalisiert und sind sehr detailgetreu modelliert. Die Stadien und das sonstige Umfeld (Fan-Bewegungen oder Lichteffekte) wurden ebenfalls aufgehübscht.

PES setzt auf dem Spielfeld wieder hohe Maßstäbe

Auf dem Spielfeld setzt Pro Evolution Soccer 2017 wieder hohe Maßstäbe. Die Entwickler haben bei der Spielmechanik an den richtigen Schrauben gedreht, so dass die Pässe und Schüsse wunderbar flüssig wirken. Die Spielgeschwindigkeit wurde etwas gedrosselt, was das Spiel noch taktischer und spezieller macht. Die Pässe sind noch präziser und anspruchsvoller geworden. Der Realitätsgrad der Schüsse und Pässe ist enorm, die Rückmeldung einzigartig. Die vorher schon tolle Ballphysik wurde weiter perfektioniert. Die Steuerung ist extrem präzise und sehr direkt,und sie kann sehr gut konfiguriert werden.

Im Hinblick auf den Realismus muss man vor allem auch Konamis adaptive KI hervorheben. Die künstliche Intelligenz der Kicker wurde ja im Vorfeld stark beworben. Und man muss feststellen: Auf den höheren Schwierigkeitsgraden macht die KI die Duelle gegen den Computer bzw. gegen die Konsole ziemlich knackig. Tatsächlich lernen die Gegenspieler. Heißt konkret: Wenn man zwei Tore über den rechten Flügel macht, dann mauern die Verteidiger dort fortan, so dass man kein drittes Tor auf diesem Weg macht. Im Zusammenspiel mit den umfangreichen Taktik-Einstellungen ist das ziemlich motivierend. So muss man sich immer wieder aufs Neue taktische Finessen ausdenken. So wird der Sofa-Gamer rasch zum Taktik-Tüftler im Stile eines Pep Guardiola.

Was die bereits erwähnten Taktik-Einstellungen angeht, so bietet PES 2017 eine sensationell umfangreiche Anzahl an möglichen Strategien. Die neuen Spezialtaktiken finden sich im Menü „Erweiterte Anweisungen“. Man kann zum Beispiel Außenverteidiger zwecks Überzahl ins Mittelfeld schicken. Oder man fokussiert das Angriffspiel auf Flanken in den Strafraum. Außerdem kann man man sich neuerdings je zwei Offensiv- und zwei Defensiv-Taktiken auf die Pfeiltasten legen und jederzeit von von Tiki-Taka auf den Angriff über die Flügelstürmer oder von Gegenpressing auf Manndeckung umschalten. Außerdem können auch einzelne Spieler sowie jeweils der offensive als auch der defensive Teil einer Mannschaft mit speziellen Aufgaben versehen werden. Außerdem kann man auch einzelne Spieler sowie den offensiven oder defensiven Teil einer Mannschaft mit speziellen Aufgaben versehen.

Ein großes Problem in PES 2016 waren bekanntlich die Torhüter, die oft gar nicht oder viel zu spät reagierten. Dieses Problem hat Konami in PES 2017 beseitigt. Jetzt hechtet der Keeper in jede Ecke und wirft sich auch mal in den Lauf eines Spielers.

Die Lizenzen sind bei PES 2017 wieder eine Enttäuschung

Was die Lizenzen angeht, so muss man bei PES 2017 wieder dasselbe Lamento anstimmen, wie in jedem Jahr: Enttäuschend! Seit jeher hat Konami mit lizenzrechtlichen Problemen zu kämpfen. Aber so dünn wie heuer war das Angebot an echten Vereinen noch nie.

Aber fangen wir zunächst einmal mit den Lizenzen an, über die PES 2017 verfügt. Schon im Vorfeld verkündete Konami eine Partnerschaft mit dem FC Barcelona, Liverpool und dem BVB bekannt. Logischerweise sind diese Teams im Spiel dabei. Ansonsten sieht es mau aus. Und zwar sehr mau. Von den deutschen Vereinen sind nur der BVB, der FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen dabei. Und das war es. Kein FC Bayern. Keine Bundesliga.

Auch bei anderen europäischen Ligen sieht es in Sachen Lizenzen düster aus. Von den englischen Topklubs sind nur der FC Arsenal und der FC Liverpool dabei. Und aus der spanischen Primera Division sind nur Atlético Madrid und der FC Barcelona dabei. Statt Real Madrid kann man einen Fantasieverein namens MD White auswählen (bei dem allerdings Ronaldo mitspielt).

Zwar verfügt PES 2017 über die Champions-League-Lizenz. Aber was hilft die, wenn die Halbfinal-Dauergäste aus München und Madrid nicht dabei sind? Ein schwacher Trost ist es auch, dass das neue Pro Evolution Soccer die komplette argentinische, brasilianische, französische oder und holländische Liga bietet.

Fairerweise sollte man an dieser Stelle anmerken, dass man sich die Lizenzen durchaus besorgen kann. Man muss nur die Worte „PES Patch“ googlen, um zu erfahren, wie viele Gamer das Problem lösen. Oder die Suchbegriffe mal bei Youtube eingeben, wo man gleich eine Video-Anleitung bekommt, wie man an alle Lizenzen (also auch des FC Bayern, des FC Chelsea oder von Real Madrid) kommt.

Gewöhnungsbedürftig sind die beiden Kommentatoren Marco Hagemann und Hansi Küpper. Die beiden wirken auch bei prinzipiell emotionsgeladenen Spielen wie zuweilen derart leidenschaftslos, dass man sie am liebsten am Nacken beuteln möchte. Kostprobe vor dem Revierderby Schalke gegen Dortmund: „Schön, dass Sie eingeschaltet haben. Wir warten nur noch darauf, bis die letzten Formalitäten erfolgt sind, damit alles seine Richtigkeit hat.“ Und so steif geht das dann das ganze Match.

Bei den Spielmodi bietet Pro Evolution Soccer 2017 wenig Neues: "Werde zur Legende", "myClub" und die "Meisterliga" sind wieder mit von der Partie, bieten aber keine wirklich frischen Impulse. Einzig der neue, dynamische Transfermarkt bringt noch mehr Spaß in die eigene Kaderplanung. Kenner der Serie werden daher keine Probleme haben, sich an PES 2017 zu gewöhnen.

Das Fazit zu PES 2017

Was bleibt also als Fazit? PES 2017 ist ein herausragendes Fußballspiel. Besonders der sehr hohe Realitätsgrad es zu Rasenschach auf höchstem Level. Wer bei einem Fußballspiel das Hauptkriterium auf dem Platz sieht und sich für Taktikfinessen begeistern kann, der hat mit dem neuen Pro Evolution Soccer einen Pflichtkauf vor sich.

Rubriklistenbild: © Konami

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