Home-Entertainment 2016: Die Zukunft wird intensiv

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Neben der Vernetzung sind immer plastischer wirkende Bilder der Trend im Heimkino-Bereich. Vor machte es das 3D-TV und jetzt stoßen langsam höchstauflösende Fernseher auch in die mittelren Preis-Sphären nach

Die Technik der heimischen multimedialen Unterhaltung befindet sich zwar in stetigem Progress, aber in diesem Jahr legt die Branche noch einige Schippen drauf.

Wer sich heute in die Räumlichkeiten eines Elektronik-Discounters seiner Wahl begibt, den überkommt angesichts der schieren Masse an Unterhaltungsmöglichkeiten entweder höchste Euphorie oder tiefe Wehmut: Die heutige Generation der Ü-30er erinnert sich noch an Zeiten, in denen das Privatfernsehen aufkam. Als Papa vielleicht verzweifelt über der Bedienungsanleitung brütete und nicht verstand, wie der brandneue VHS-Videorekorder so programmiert werden konnte, dass er spät am Abend Miami Vice aufnahm. Und selbst die Digital Natives, die Jungen, die gar keine Welt mehr ohne Internet kennen, haben vielleicht noch Erinnerungen an tagelang heruntergeladene Filme, bei denen im Hintergrund das Kino-Publikum überdeutlich zu hören war. Und nicht zuletzt haben sich auch unsere Sehgewohnheiten massiv geändert: Früher war Hollywood-Kino der Gipfel der filmischen Unterhaltung. Heute drängen sich Serien, gern als Pay-TV, in Richtung dieses Throns. Serien, die eher die Qualität eines mehrere dutzend Stunden langen Films haben und für deren Cast das Who’s Who der Schauspielergilde Schlange steht, um mitmachen zu dürfen. Ja, Home-Entertainment 2016 macht richtig viel Spaß. Aber was ist eigentlich der Stand der Dinge? Der folgende Artikel verrät es.

1. Fernseher

Das wichtigste Ausgabegerät im heimischen Entertainment-Center setzt nicht nur auf maximale Konnektivität, sondern auch höchste Brillanz:

  • Normaler Stand der Technik sind nach wie vor zweidimensional anzeigende LCD-Geräte mit 100hz-Technologie.
  • Im gleichen Spektrum rangieren auch die LED-Fernseher.
  • Vergleichsweise neu ist die OLED-Technik, die auf „organischen Leuchtdioden“ basiert und sich durch sehr hohen Kontrast und extrem geringe Dicke auszeichnet.
  • Bei Curved-Fernsehern ist der Bildschirm konkav in Richtung Zuschauer gebogen, das erzeugt ein optisch erweitertes Sichtfeld. Diese Technik wird auch gern in Verbindung mit UHDTV, also extrem hochauflösenden Displays mit fast 8000 horizontalen Bildpunkten, verwendet.
  • Nie wirklich aus den Startlöchern kamen 3D-Fernseher: In Verbindung mit entsprechenden Brillen ermöglichen sie ein realistisches, plastisches Bild. Allerdings auch nur, wenn der jeweilige Film, etwa auf Blu-Ray, dafür ausgelegt ist.

Beim Curved-TV steht und fällt alles mit dem richtigen Sitzabstand: Ist er optimal, liegt die Bildmitte genau so weit vom Auge entfernt wie die Ränder – das macht das Bild sehr plastisch.

Bei allen Unterschieden in der Bildausgabe haben jedoch alle Fernseher 2016 eines gemeinsam: Ohne Internet-Anschluss wird nichts mehr ausgeliefert. Damit können die Geräte sofort mit den diversen Streaming-Anbietern von Amazon bis Netflix vernetzt werden und bieten so neben dem klassischen TV-Empfang und Wiedergabegeräten wie dem Blu-Ray-Player noch eine weitere Komponente.

2. Hausvernetzung

Wo das Internet sich selbst in Bereiche integriert, an die vor nur wenigen Jahren niemand gedacht hätte, ist die Vernetzung natürlich auch in Sachen Home-Entertainment nicht weit entfernt. Hier geht der Trend zur Integration in das sogenannte Smart Home. Und das vor allem in Form von Netzwerkservern: Ein solches Gerät wird im Zählerschrank integriert, von Fachleuten als Multimediazentrale bezeichnet. Dort wird der Server mit Internet und Fernsehanschluss verbunden. Abgehend davon führen dann Leitungen in jeden beliebigen Raum. Das ermöglicht es beispielsweise, alle vorhandenen DVDs und Blu-Rays auf diesem Server zentral zu speichern und dann von überall im Haus darauf zuzugreifen. Aber es können darauf freilich auch Urlaubsfotos, Musik und praktisch alle anderen Dateien abgelegt und für alle Bewohner verfügbar gemacht werden.

In die gleiche Kerbe schlagen auch sogenannte Multiroom-Systeme. Diese stellen die musikalische Komponente eines vernetzten Heimes dar und kommen sogar ohne Verkabelung aus. Basis ist auch hier wieder der Internet-Anschluss. Als Steuerungseinheit dienen Smartphone oder Tablet mit einer entsprechenden App. Die Lautsprecher sind drahtlos ins Netzwerk integriert und können so beliebig in den Räumen postiert werden. Daraus ergeben sich folgende Möglichkeiten:

  • Mehrraum-Hörzonen ermöglichen es, auf jedem Lautsprecher andere Musik laufen zu lassen. So können beispielsweise die Kids in ihren Zimmern die Charts hören, während die Eltern Oldies genießen.
  • Mehrraum-Synchron funktioniert ähnlich, versorgt aber alle Räume mit dem gleichen Musiksignal. Das ist vor allem dann praktisch, wenn eine Person sich durch alle Zimmer bewegt, beispielsweise beim Hausputz.
  • Einraum-Hörzonen sind die dritte Variante: Dabei wird die Musik also nur in einem Raum abgespielt, in den restlichen herrscht Stille.

Der vielleicht größte Vorteil dieser Multiroom-Systeme ist ihre Einfachheit: Jeder, der seinen Computer mit dem WLAN verbinden kann, kann auch ein solches System aufbauen. Die einzigen Kabel die benötigt werden, führen von den Einzelkomponenten zur Steckdose.

3. Heimkino

Beim Klanggenuss für den Fernsehabend haben sich die Soundsysteme mittlerweile in zwei Lager aufgespalten:

  1. Die Variante „einfach & günstig“ sind sogenannte Soundbars. Diese bestehen aus einer flachen, länglichen Box, die unter dem Fernseher steht und einem daneben postierten Subwoofer – sind also de facto ein 2.1 System. Der Vorteil: Die Geräte nehmen kaum Platz ein und eignen sich sehr gut, den durch das geringe Gehäusevolumen bedingt schlechten Sound vieler Flachbildfernseher auszugleichen. Daneben können hochwertige Soundbars auch 5.1 oder gar 7.1 Raumklang simulieren – ohne dass dazu eine entsprechende Mehrzahl an Lautsprechern notwendig wäre. Aber: Es handelt sich eben nur um eine Simulation, weshalb für das volle Klangerlebnis aufwendigere Systeme her müssen.
  2. Und die finden sich in Form der „echten“ Surround-Systeme als 5.1 oder 7.1. Je nach Variante werden also bis zu sieben Lautsprecher und ein Subwoofer über einen zentralen Verstärker angesteuert und zwar so, dass jede Box nur das Soundsignal abgibt, das ihr vorgegeben wird. In früheren Zeiten war das mit viel Kabelsalat verbunden, heute geht es freilich auch drahtlos. Je nach Preisklasse vermessen die Verstärker den Raum via Ultraschall automatisch und stellen die Lautstärke für jede einzelne Box so ein, dass sie alle für eine Zentral sitzende Person gleichlaut klingen – obwohl sie vielleicht in unterschiedlichen Entfernungen positioniert wurden.

4. Abspielgeräte

Obwohl in anderen Bereichen der Unterhaltungstechnik mit Riesenschritten in die Zukunft marschiert wird, hängen die Abspielgeräte für Filme noch etwas hinterher: Standard ist nach wie vor die Blu-Ray-Disk, die mittlerweile seit Ende der 2000er fest den Platz eingenommen hat, den bis vor wenigen Jahren noch die DVD innehatte. Das Problem jedoch: Selbst die normale Blu-Ray, die schon eine sehr hohe Speicherkapazität von bis zu 100GB aufweist, ist zu klein für Filme in Ultra-HD – weshalb dieses Format bislang auch vornehmlich im Streaming-Bereich vertreten war. Damit befand sich die Filmwelt bis vor kurzem in einer bislang einzigartigen Lage: Fernseher konnten ein sehr viel besseres Bild darstellen, als es dem aktuellen Speicher- und Abspielmedium möglich war. Allerdings etabliert sich momentan der Blu-Ray-Nachfolger: Er heißt Ultra HD Blu-Ray (UHD-BD) und zumindest die großen Hollywood-Studios kündigten bereits an, Filme darauf zu veröffentlichen. Aber: Wie schon bei DVD und regulärer Blu-Ray werden dafür neue Player benötigt. Und die sind momentan noch wesentlich teurer: Unter 400 Euro läuft noch nichts und die Auswahl sowohl an Geräten als auch Filmen ist noch sehr stark eingeschränkt.

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