Sebastian Wien stellt im Osthaus Museum Hagen aus

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Elegant und schwer: Sebastian Wiens Stahlskultpur „Variation XII“ (2007), zu sehen im Hagener Museum Osthaus.

HAGEN - Wie aufgeplatzt wirkt das Stahlobjekt: knapp stehen sich die beiden Dreiecke gegenüber, berühren sich noch leicht an einer Stelle („Variation I“, 2004). Etwas weiter schieben sich die gleichen dreieckigen Formen ineinander, ergeben ein massives und doch fragil erscheinendes Gebilde („Variation XII“, 2007).

Die Studioausstellung im sogenannten „Hagener Fenster“ des Osthaus Museums Hagen zeigt insgesamt 13 Werke von Sebastian Wien. Die Skulpturen und Wandarbeiten stammen aus den letzten zwölf Jahren.

Der 1962 in Kierspe geborene und heute in Dortmund lebende Künstler widmet sich seit rund 25 Jahren dem Material Stahl. Als gelernter Werkzeugmacher schloss er zunächst ein Maschinenbau-Studium ab, bevor er an der Bergischen Universität Wuppertal Design studierte. In seinen Werken geht es um Transformation. Seine Skulpturen wirken, als wollten sie auseinanderdriften, und immer tragen die Arbeiten Spuren von Verwitterung, sehen aus, als wären sie der Natur und dem Wetter ausgesetzt worden.

Beispielsweise besteht das „Triptychon II“ (2009) aus drei kleinformatigen Stahlplatten in unterschiedlichen Gelb-Orange-Tönen. Die lackierten Oberflächen sind beschädigt. Löcher, Kratzer, Flecken und Risse verwandeln die industriellen Platten in abstrakte Bilder, die an Sternenhimmel erinnern.

Wien beschleunigt den Oxidationsprozess, indem er seine Werke mit Wasser und Säure bearbeitet. Bis der Stahl rostet und samtbraun schimmert. Zusätzlich benutzt er Schleif- und Schweißgeräte, brennt schwarze Muster ein, fügt dem Material Verletzungen zu. Dennoch bleibt das endgültige Ergebnis vom Zufall beeinflusst. Wasser, Feuer und Luft lassen sich nicht vollkommen kontrollieren und führen zu oft überraschenden Reaktionen des Materials.

So zeigt eine Papierarbeit von 2010 eine organische Linienstruktur, ein bisschen wie Rinde, ein bisschen wie das Muster eines Tigers, die durch Abdrucken oxidierenden Stahls entstanden ist. Die Stahlplatte selbst wirkt in ihrer expressiven Farbigkeit, dem bläulichen Hintergrund und den leuchtend gelben Linien wie gemalt.

Das runde Objekt „Variation IV“ (2015) hängt an der Wand wie ein Schutzschild. Im unteren Bereich befindet sich eine kreisrunde Vertiefung, zwei gerade Risse überziehen die Form wie schwarze Linien. Malerisch schimmert die Oberfläche in Brauntönen. Wien spielt immer wieder mit denselben Formen, auch „Block 0313“ (2013) trägt einen schmalen Riss. Auf den ersten Blick eine gezeichnete Linie, entpuppt sie sich bei näherer Betrachtung als Einkerbung. Leicht wölbt sich außerdem das Material vor.

Besonders deutlich wird das Aufplatzen beim Wandobjekt „Weiß 0316“ (2016). Enorme Kräfte scheinen die beiden Stahlplatten auseinandergerissen zu haben. Die Risse und ursprünglichen Verbindungspunkte sind schwarz verbrannt, explosionsartig ziehen sich Linien ins Weiß.

Marion Gay

Bis 12. August; di - so 11 –

18 Uhr, Tel. 02331/ 2073138;

www.osthausmuseum.de

Quelle: wa.de

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