90.000 Fans müssen vorzeitig heim

"Rock am Ring" kapituliert vor Wetter-Dilemma - Abbruch!

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Blick auf die Hauptbühne am frühen Samstagabend.

[Update] Mendig/Eifel - Das Festival "Rock am Ring" 2016 ist nach zwei Tagen Wetter- und Veranstaltungschaos am frühen Sonntagmorgen auf Druck der Politik vorzeitig beendet worden. Der dritte Programmtag findet nicht mehr statt.

Das teilte der Veranstalter in der Nacht mit, unter anderem auf seiner Facebookseite. Dort heißt es: "Aufgrund der Unwetterwarnung für den Sonntag entzog die Verbandsgemeinde Mendig heute die Spielgenehmigung für den finalen Festivaltag am Sonntag." Die Besucher wurden um Verständnis gebeten und aufgefordert, das Gelände auf dem Flugplatz Mendig bis Sonntagmittag zu verlassen.

Am Samstagabend und in der Nacht hatte es nach zwischenzeitlicher Unterbrechung noch einmal ein Konzert auf zwei Bühnen gegeben. Dabei jubelten Zehntausende von Rockfans auf dem völlig verschlammten Gelände unter anderem den Red Hot Chili Peppers und The BossHoss zu. Der Sonntag sollte unter anderem mit einem Auftritt der Heavy-Metal-Legende Black Sabbath gekrönt werden.

Rückblick auf den Samstag:

Am Samstagmittag hatte sich das Land Rheinland-Pfalz eingeschaltet und wegen „höherer Gewalt“ der Veranstaltung Einhalt geboten. Während Innenminister Roger Lewentz deutlich gemacht hatte, dass er nicht davon ausgehe, dass das Festival fortgesetzt werden könne, hatte Veranstalter Marek Lieberberg die Hoffnung genährt, dass die Shows für die rund 90.000 Besucher ab 20 Uhr weitergehen könnten. Immer vorausgesetzt, die schlimmsten Unwetter seien vorbei.

Entsprechend viele Menschen versammelten sich zu der avisierten Uhrzeit vor den Toren des Festivalgeländes. Doch die erhoffte Öffnung der Tore blieb zunächst lange aus: Statt dessen verstärkten die Ordnungskräfte bis zum frühen Abend ihren Einsatz, um die Massen erneut zum Rückzug in die Zelte zu bewegen. Per Megafon warnte ein Sprecher vor weiteren Unwettern und stellte den Wartenden ein Ultimatum: Innerhalb von 15 Minuten sollten sich die Festival-Besucher erneut in Sicherheit bringen. Pfiffe und andere Unmutsbekundungen veranlassten den Megafon-Sprecher dazu, um Verstärkung zu bitten. Er wolle nicht der einzige sein, der die Hiobsbotschaft verkünden müsse.

Eindrücke vom verschlammten Rock am Ring 2016 in Mendig

Tatsächlich sollte kurze Zeit später wieder für einige Minuten Welt Untergangsstimmung demonstrieren. Dabei hatte man auf dem verwaisten Festivalgelände bereits damit begonnen Soundchecks durchzuführen und die Leinwände wieder hochzufahren. Mit Absperrband wurden besonders extrem verschlammte und derzeit nicht mehr begehbare Areale gesichert. Die Fläche wirkte mehr wie ein zerklüfteter Acker denn wie ein Konzertgelände.

Die Konzertveranstalter kündigte derweil an, ab 21 Uhr die Veranstaltung fortzusetzen, wenn das Schlimmste vorüber sei. Mit den Verantwortlichen stehe man in Verhandlungen, um die verlorene Zeit wieder herauszuholen. Bis spät in die Nacht wolle man die Topacts bei einem entsprechenden Okay spielen lassen, hieß es. Schließlich war es um 21.30 Uhr tatsächlich soweit...

Dass das Konzert bei jeder Witterung stattfinden soll, ist in den Allgemeinen Geschäftsbestimmungen des Rock-am-Ring-Festivals verankert. Der Touch von Abenteuer und Ungewissheit, der jedes Festival begleitet, ist einigen Rock-am-Ring-Besuchern offenbar zuviel: Etliche packen derzeit ihre Sachen und treten die Heimreise an.

Vielerorts kämpfen zeitgleich die Bewohner in der Eifel mit Hochwasserschäden und befürchten, dass an diesem Wochenende noch einmal weitere hinzukommen könnten.

Die Erklärung des Veranstalters im Wortlaut:

"Liebe Festivalbesucher,

Rock am Ring muss vorzeitig nach dem zweiten Veranstaltungstag beendet werden. Aufgrund der Unwetterwarnung für den Sonntag entzog die Verbandsgemeinde Mendig heute die Spielgenehmigung für den finalen Festivaltag am Sonntag. In Verantwortung für das Wohlergehen der Fans akzeptieren die Veranstalter diese Entscheidung. Am ersten Festivaltag waren mehr als 80 Besucher durch Blitzeinschläge zum Teil schwer verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert worden. Aufgrund der Gefahrenlage bitten wir Euch, nach Beendigung der Auftritte die Heimreise bis spätestens Sonntagmittag, 12:00 Uhr anzutreten.

Wir bedauern die Entscheidung außerordentlich, bitten Euch jedoch um Verständnis für diese Notsituation, die den Unwettern geschuldet ist."

Hilfe bei der Abfahrt angeboten (Zitat):

"Unterstützung abreisender Fans beim Ausparken aus den Wiesenflächen.

Fans, die bei der Abreise auf den Wiesen mit Ihren Fahrzeugen stecken bleiben, empfehlen wir folgendes: Sucht Euch zunächst andere Besucher und versucht mit vereinten Kräften, das betroffene Fahrzeug frei zu schieben. Sollte dies nicht erfolgreich sein, schaltet bitte den Warnblinker an und wartet am Fahrzeug, bis Eure Verkehrsposten zu Euch kommen. Nutzt bitte die Wartezeit, und bringt einen in der Regel im Kofferraum befindlichen Abschlepphaken an der dafür vorgesehen Öffnung in der vorderen Stoßstange an. Mehrere Landwirte stehen mit Traktoren bereit, um Eure Fahrzeuge aus den Wiesen frei zu schleppen.

Diesen Service bieten wir Euch kostenfrei an! Bitte lasst Euch deshalb nicht von anderen Anbietern abschleppen, die dafür unter Umständen hohe Gebühren von Euch fordern."

Quelle: wa.de

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