Neue CD: Rantala/Danielsson/Erskine: How Long Is Now

Rantala/Danielsson/Erskine: How Long Is Now

Rantala/Danielsson/Erskine: How Long Is Now (Act). Auch mit gesetzten 46 Jahren lässt Iiro Rantala keinen Spaß aus. Zum Beispiel schreibt der finnische Pianist ein Stück in diesem tiefenentspannten Gospel-Groove, bei dem der Hörer fast zum Schnipsen und Füßewippen gezwungen wird.

Und nennt es „Snapchat“, als wolle er mal eben ein Foto auf unser Smartphone schicken, das gleich wieder verdampft. Da hat er wieder diesen leichten, seelenvollen Anschlag, den er sich von seiner Inspiration Richard Tee abgehört hat. Für sein aktuelles Album spielt Rantala wieder im klassischen Trio-Format, aber mit was für Begleitern: Der schwedische Bassist Lars Danielsson und der US-Schlagzeuger Pete Erskine. Diese Musiker kennen keine technischen Begrenzungen für ihr Spiel. Man merkt es bei Danielssons Komposition „Taksim“, einer Hommage an den Platz in Istanbul, den er mit flinken Improvisationen in orientalischen Harmonien beginnt, zu denen Erskine das Tamburin bedient und Rantala die gedämpften Saiten des Flügels mehr trommelt als spielt. Wenn das Piano dann das Thema übernimmt, lässt Mozarts à la Turca grüßen. Die Grundstimmung dieser Platte ist heiter und beschwingt, die Musiker kosten ihre Virtuosität zur Freude der Hörer aus. Rantala präsentiert prägnante Eigenkompositionen, deutet aber auch Jimi Hendrix’ „Little Wing“ in einen Blues um und bietet eine überaus nachdenkliche Interpretation von Bachs „Kyrie“, die swingt und doch der Melodieführung des Meisters treu bleibt.

Und dann sind da noch Stücke wie „Assisi“ mit seinen aberwitzigen Stop-And-Go-Passagen, in denen sich der Übermut dieser Ausnahmemusiker auf den Hörer überträgt.

Quelle: wa.de

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