Museum Wilhelm Morgner in Soest saniert

+

Soest - Nur auf den ersten Blick sieht das gedrungene Gebäude im Schatten des mächtigen Soester Patrokli-Doms aus wie immer. Schon auf den zweiten Blick sind die Veränderungen erkennbar: Das Atrium ist mit viel Glas eingehaust.

Der Eingang, der zwischenzeitlich an der Seite lag, ist jetzt wieder vorn. Und an der Seite zum Dom steht ein Aufzugturm, der über eine Rampe mit dem Haus verbunden ist. Ganz klar: Hier hat sich viel getan.

Seit Oktober 2014 haben die Handwerker Regie geführt und das Bauwerk energetisch saniert, klimatechnisch aufgerüstet, erweitert und barrierefrei gemacht. Aus dem denkmalgeschützten ehemaligen Mehrzweckbau Wilhelm-Morgner-Haus wurde das moderne Museum Wilhelm Morgner. Heute wird das Haus (wieder-)eröffnet.

Die Bedingungen zur Präsentation und Lagerung von Kunst sind jetzt optimal. Architekt Oliver Silge hat das Haus im Sinne des Erbauers, des Wiesbadener Architekten Rainer Schell, umgebaut und erweitert. Schell gestaltete das Haus 1962 als Reaktion auf den romanischen Patrokli-Dom und die zentrale Lage. Ganz Deutschland diskutierte damals über das kühne Projekt. Von einem „menschenfreundlichen Bau“ und „einem Vergnügen“ war damals die Rede.

Von außen ist die schlichte Stahlbetonkonstruktion in Modulbauweise nahezu unverändert geblieben. Auch die gradlinige Gestaltung im Inneren wurde nur leicht modifiziert, um geänderte Funktionen der Räume zu unterstützen.

3,4 Millionen kostete die landesweit wohl einmalige Umbaumaßnahme, finanziert vom Land, der Kommune und vom Sammler Carl-Jürgen Schroth.

Dieser Carl-Jürgen Schroth, dessen international renommierte Sammlung konkrete und postminimaler Kunst jetzt ins Haus eingezogen ist, ist eine Schlüsselfigur im baulichen und künstlerischen Sanierungsprozess,

Der ehemalige Wirtschaftsingenieur sprach auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe für seine wertvollen Werke auch in Soest vor. Die Stadtväter ergriffen die Gelegenheit und boten ihm eine Zusammenarbeit im damaligen Morgner-Haus an. Damit verhinderten sie, dass der Sammler in seine Heimatstadt Arnsberg abwanderte.

Mit halbherziger Sanierung mochte sich Schroth jedoch nicht zufrieden geben. Ganz oder gar nicht, lautete die Devise. Für Arbeiten von Künstlern wie Yves Klein, Imi Knoebel, Jan van Munster oder Blinky Palermo forderte Schroth optimale Bedingungen. Nach etlichen Gesprächen stimmte die Politik einhellig zu.

Jetzt bespielt Schroth das ehemalige Atrium. Hier wurde das frühere Impluvium (Wasserbecken) zugeschüttet und der Innenhof großzügig mit Glas eingehaust. Der helle Raum bietet genug Licht und Höhe, um auch großformatige Objekte und Installationen optimal zu präsentieren. Andererseits wirkt er so, als habe er in seiner Transparenz schon immer mit dem übrigen kompakten Baukörper kontrastiert. Die Soester sind sicher, dass die Ausstellung konkreter und postminimaler Kunst viele Interessierte von außerhalb ins sanierte Museum locken wird.

Im Foyer wurde ein Hans-Kaiser-Raum eingerichtet in Erinnerung an den Künstler, der die Soester Kunst- und Kulturszene nachhaltig prägte. Zu Beginn hängen hier einige seiner schönsten großformatigen Arbeiten, wie das Gemälde „Lichter Raum“ und der Entwurf für ein Dom-Fenster. Künftig sollen aber auch – in seinem Sinne – Nachwuchskünstler gezeigt werden.

Der frühere Theater-Saal, der bereits vor Jahren saniert und klimatisiert wurde, ist jetzt der Kunst nach 1945 vorbehalten. Unter anderem sind Werke von Morgner-Preisträgern wie Karl Rusche und Jae-Eun Jung, zeitgenössischer heimischer Künstler wie Richard A. Cox und Harald Becker zu sehen. Die Wechselausstellungen werden aus der wertvollen städtischen Sammlung bestückt ebenso wie die im Umlauf und im Kabinett. Dort sind ältere Werke zu sehen. Als erstes wurde Wilhelm Morgners Selbstbildnis mit Zylinder gehängt.

Dem Soester Expressionisten (1891–1917) und Namensgeber des Museums ist eine große Ausstellung gewidmet, die in drei Wochen eröffnet wird. Und im Gedenkjahr 2017 wird sich ohnehin alles um ihn drehen.

Das Museum

Aus einem denkmalgeschützten Mehrzweckgebäude von 1962 ist in mehr als anderthalbjähriger Sanierungszeit ein Haus geworden mit optimalen Bedingungen zur Lagerung und Präsentation von Kunst.

Museum Wilhelm Morgner Eröffnung, Samstag, 15 bis 19 Uhr. Sonntag, 11 bis 18 Uhr: Internationaler Museumstag

Austellungen zu Hans Kaiser, Meisterwerke aus dem städtischen Kunstbesitz und im Raum Schroth: „Konstruktion – Construction“. Öffnungszeiten di-so 14 – 17 Uhr, sa/so 11 – 17 Uhr, Tel. 02921/1031131.

www-wilhelm-morgner.de

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare