Ikonen-Museum Recklinghausen feiert 60. Geburtstag mit „Muttergottes“

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Die Schenkung der „Muttergottes aus einer Deesis“ (einer Fürbitte) ist im Ikonen-Museum in Recklinghausen zu sehen.

RECKLINGHAUSEN - Eine kleine Attraktion ist die Figur, die eine Reihe mit russischen Ikonen aus dem 16. Jahrhundert ergänzt. „Muttergottes aus einer Deesis“ nennt Eva Haustein-Bartsch diese Schenkung, die im Ikonen-Museum Recklinghausen zu sehen ist. Die Kustodin des Hauses freut sich, weil die „Muttergottes“ (Eitempera auf Holz) zu einer Fürbitt-Reihe gehört, die zum Grundbestand des Spezialmuseums zählt.

Bereits 1955 waren die Apostel-Figuren „Petrus“ und „Paulus“, wie „Johannes der Täufer“ in Recklinghausen ausgestellt worden. Damals gab es eine Ikonen-Ausstellung, die in sechs Wochen über 7000 Besucher anlockte. Eine Überraschung, die Haustein-Bartsch darauf zurückführt, dass Ikonen in den 50er Jahren wenig bekannt waren und deshalb eine besondere Anziehungskraft entwickelt hatten.

Heute steht die Ausstellung für den Beginn des Ikonen-Museums in Recklinghausen. Der damalige Kunsthallen-Chef Thomas Grochowiak, der die Ikonen zweier Sammler ausgestellt hatte, erwarb für die Stadt eben diese Sammlungen und gründete im Juli 1956 das Ikonenmuseum. Grochowiak nutzte die Gunst der Stunde, denn die Sammler Heinrich Wendt (1901–1956) und Martin Winkler (1893–1982) hatten während der Ausstellung bekundet, ihre Sammlungen zu veräußern.

Die Stadt Recklinghausen erwarb seinerzeit 73 wertvolle Ikonen und das neue Museum zog 1956 in die Turmschule gleich neben die St.-Peter-Kirche in der Innenstadt ein. Insgesamt startete das Ikonenmuseum mit 223 Katalognummern. Mittlerweile ist die Sammlung auf rund 3500 Objekte gewachsen. Und das Haus in Recklinghausen hat die größte und bedeutendste Sammlung ostkirchlicher Kunst außerhalb der orthodoxen Länder.

Die „Muttergottes aus einer Deesis“ ist von der Gesellschaft Eikon angekauft und dem Museum zum 60. Geburtstag geschenkt worden. Ein niederländischer Ikonenhändler war auf das Museum zugekommen. Er hatte die Ikone auf einer Auktion in Amsterdam erworben und später festgestellt, dass sie zu der „Fürbitt“-Reihe gehört, die in Recklinghausen dreiteilig vorhanden ist. Die zentrale Figur ist, wie im orthodoxen Bildprogramm üblich, die Christusfigur. Vor Jahren entdeckte die Kustodin Haustein-Bartsch den „Christus Pantokrator“ zufällig im Prager Nationalmuseum. „Vielleicht können wir ihn mal ausleihen“, sagt sie.

Eingeordnet gehören noch die Erzengel Michael und Gabriel, die vor den Aposteln gesetzt werden. Haustein-Bartsch hofft, dass vielleicht diese Ikonen irgendwann den Weg ins Museum finden, denn die „Muttergottes“ sei nach 60 Jahren ja auch noch aufgetaucht.

Die Fürbitt-Reihe ist das kompositorische und idelle Zentrum der Bildwände orthodoxer Kirchen. Die Ikonostasen sind in den osteuropäischen Kirchen oft metergroß. In Recklinghausen liegt nun das vierteilige Beispiel für den privaten Gebrauch vor – 20 Zentimeter klein.

60 Jahre Ikonen-Museum Recklinghausen ist eine Erfolgsgeschichte, weil die Stadt besondere Aufmerksamkeit erfährt. „Rund 10 000 Besucher kommen jährlich“, sagt Ferdinand Ullrich, Direktor der Museen Recklinghausens. Neben internationalem Fachpublikum, Liebhabern und vielen niederländischen Interessenten zählen auch Künstler wie Fabrizio Plessi dazu. Der Italiener stellt derzeit in der Kunsthalle aus und hat sich die Maltechnik der Ikonenkünstler angesehen, sagt Ferdinand Ullrich.

Angesichts der gewachsenen Sammlung denkt die Stadt über einen Anbau fürs Ikonenmuseum nach. „Es passiert im Augenblick noch nichts“, sagt Ullrich, „aber es gibt Perspektiven.“ Fünf bis sieben Millionen Euro wären für die Erweiterung nötig. Bisher stehen nur 600 Quadratmeter zur Verfügung. Ein Durchbruch zu einem Haus nebenan könnte dem Museum 800 Quadratmeter mehr bescheren. Die Stadt hat die Immobilie bereits erworben.

Für die große Geburtstagsschau „Von Drachenkämpfern und anderen Helden“ ab dem 2. Oktober muss ein Schauraum ausgeräumt werden. Sogar ein Wechselausstellungsraum fehlt – noch.

Quelle: wa.de

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