„Hightech Römer“ im Gustav-Lübcke-Museum Hamm

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Blick in die Ausstellung: Mit der Maschinenkraft eines Lastkrans setzten die Römer ihre Bauvorhaben um.

HAMM - Wer hat’s erfunden? Die Römer. Und nicht die Schweizer, wie es in einer Werbung irrtümlich heißt. Es geht im Hammer Gustav-Lübcke-Museum auch nicht um Kräuterbonbons, sondern um echte Errungenschaften der Kulturgeschichte: Brücken, Straßen, Lastkräne, Fußbodenheizungen, Vorratsbehälter, Rechenmaschinen, Messgeräte, Kommunikationsmittel, Hygieneprodukte, Transportmittel...

Aber richtig Spaß machen in der Ausstellung „Hightech Römer. Schauen, Machen, Staunen“ erstmal die Katapulte, die die militärische Überlegenheit Roms belegen. Ab Sonntag – Eröffnung 11.30 Uhr – können „ballista“ und „onager“ gespannt werden. Das schwere Katapult beförderte Stein- und Tonkugel wie Pfeile mit Eisenspitzen, die in einer Vitrine zu sehen sind. Mit dem einarmigen Katapult, das lateinisch onager, also Wildesel hieß, werden in Hamm nur gelbe Bälle auf Zielscheiben bewegt. Das überrascht, weil die Römer doch noch kein Gummi für ihre Kriegsflitschen hatten. Sie verdrehten Seile aus Tiersehnen und -haaren, so dass eine immense Schusskraft entwickelt wurde. Nur Zielwasser wird in der Schau nicht gereicht.

Für Museumsdirektorin Friederike Daugelat ist es eine „Ausstellung, die begeistert“. Denn „Hightech Römer“ fällt in die Rubrik Mitmachschau. Über spielerische Stationen, Aktionsfelder, Touchscreen-Monitore, Baukasten-Systeme, technische Apparaturen und erfahrbare Objekt wird das Stadtmuseum zum Erlebnisraum. Konzipiert wurde die Schau von den Museen Het Valkhof Nijmegen, Museon Den Haag, Technopolis Mechelen (Belgien) und dem Landesmuseum Bonn. In Hannover und Bonn kamen die Besucher in Scharen, und im niederländischen Nijmegen wurde die Präsentation gleich zweimal aufgebaut. Hamm hat sich für die Übernahme entschieden, weil das Gustav-Lübcke-Museum nach der Malerei-Ausstellung „Sehnsucht Finnland“ zeigen will, dass das Haus für die ganze Familie da ist. Friederike Daugelat ist dieser Aspekt sehr wichtig.

Neben 35 Mitmachstationen zu neun Themengebieten wie Wasser, Luxus, Unterwegs, Rechnen, Maschinen sind außerdem 200 Originalexponate in Vitrinen ausgestellt. Die Alltagskultur der Römer wird anschaulich. Ein Pferdchen auf Rädern steht fürs Kinderspielzeug, eine Terrakottafigur zeigt die Glücksgöttin Fortuna und einige Bruchstücke von Farbtöpfen mit Blau und Rot erinnern daran, dass die heute weißen Marmorstatuen in ihrer Entstehungszeit alle bemalt waren. „Bemale eine Statue!“ heißt es denn auch in der Mitmachstation. Auf einem Touchscreen kann man Farben und Pinselstärke wählen. Daneben animiert eine Fotografie mit grellfarbigen Figuren (Nanas) der Künstlerin Niki de Saint Phalle.

Die dicht gereihten Gestellkonstruktionen bieten echte Hingucker. Wie das Kettenhemd eines römischen Legionärs, das zwölf Kilo wiegt. Wer es mal anheben will, bitteschön. Überstreifen lässt sich allerdings nur das Beispiel in der Dauerausstellung (Erdgeschoss). Passt es auch?

„Hightech Römer“ macht richtig Spaß. Mit dem Hodometer darf man spazierengehen und seine Wegstrecke abmessen. Die Straßenbauer Roms, meist Soldaten, nutzten den „passus“, den römischen Fuß von 29,6 Zentimetern. Die Holzkugeln im Hodometer zählen die Strecke ab. Das Weltreich von Spanien bis Syrien wurde durch Straßen erschlossen. Die Via Appia von Rom nach Brindisi maß 500 Kilometer und war schnurgerade. Eigentumsverhältnisse mussten nicht beachtet werden.

Ein Film erläutert einführend, dass im Jahr 320 rund eine Millionen Menschen in Rom lebten. Das Colosseum, die Triumphbögen, das Pantheon und die Badehäuser sind noch heute staunenswert. Und ohne römischen Zement, eine Mischung aus Mörtel und zerkleinerten Ziegeln, war das nicht möglich. Neben diesem Baubeispiel ist noch ein großer Kalkstein ausgestellt, der Hebelöcher zeigt. Wie leicht ein Gewicht wird, wenn die Last von Flaschenzügen gehoben wird, demonstriert die Station „Maschinen“. Oder: „Drehe das Rad, um das Seil aufzudrehen und die Säule hochzuziehen“. Technik, die begeistert.

So lassen sich Triumphbögen nachbauen, Mosaike gestalten und Städte planen. Die Ausstellung ist ganz und gar nicht einseitig. Auch wenn die Galeere mit ihren Ruderriemen wieder den sportlichen Aspekt betont. Auf dem Video tönt ein Trommler: „Gut so, macht weiter so.“ Am Ende wird das eigene Ergebnis in die Highscore-Liste sortiert. Auch Kindergeburtstage dürfen hier gefeiert werden.

Richtig nah gehen einem auch Bad- und Hygieneartikel. Zu „Luxus“ zählten Hautschaber, mit denen der Römer sich das Öl von der Haut zog. Es gab noch keine Seife, aber auch so reinigte man sich – gut geölt. Es gibt einfach viel Wissenswertes, das spürbar ist. An einer Kochstation können zwei „Köche“ ihre Zutaten für ein Gänsegericht auswählen. Schnelligkeit ist wichtig am Touchscreen. Zu schmecken gibt es nichts – wie im Fernsehen beim Kochduell.

Wer alles mitmachen will, wird sich anstrengen müssen. Wie half die Groma beim Bau des Hadrianwalls? Wieviel Zahnräder hatte der erste Computer? Wie entstand das Massenprodukt Öllampe?

Mit einem räumt die Ausstellung auf jedenfalls auf. Mit dem geflügelten Wort „Die spinnen, die Römer.“

Die Schau

Die Kulturtechniken Roms. Tatsächlich ein Vergnügen für die ganze Familie: ausprobieren, einlassen, lernen. Ganz leicht.

Hightech Römer. Schauen, Machen, Staunen im Gustav-Lübcke-Museum Hamm.

Eröffnung, Sonntag, 11.30 Uhr; bis 30. Oktober; di-sa 10 – 17 Uhr, so 10 – 18 Uhr;

Tel. 02381/ 175417;

www.museum-hamm.de

Quelle: wa.de

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