Elektronikfestival „Ritournelle“ bei der Ruhrtriennale

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Klartext und harte Beats: Peaches in Bochum.

BOCHUM - Im grellen Bühnenlicht erstrahlt der glitzernde Schmetterlingsmensch noch mehr. Peaches feiert ihren Körper und die freie Liebe zu dröhnenden Elektrobeats. Und die proppenvolle Jahrhunderthalle in Bochum jubelt mit. Die kanadische Sängerin und Performancekünstlerin übersetzt die Pop- und Dancemusik in emanzipatorischen Klartext. Hier hat die Chefin die totale Kontrolle, dreht die Regler, lässt sich von den Fans buchstäblich auf Händen tragen (und beschwichtigt: „I’m not so heavy“) und hält den Abend auf Touren.

Sie verschwendet nicht viele Gedanken an Theorie. Ihre schiere Präsenz ist Botschaft genug, gegen Intoleranz und überkommene Rollenbilder. Genderkonzepte werden handgreiflich, sobald ihr Tänzerpaar die Bühne betritt, Gogo-Boy und Gogo-Girl, kostümiert als mannsgroße Vaginen, die anmutig die Schamlippen schwingen. Sie habe eine „great time“ hier in Bochum, ruft sie in die Menge, „and you?“ Sie macht nicht viele Worte, aber viele davon sind Four-Letter-Words, was das Vergnügen nicht schmälert an treibenden Beats und Tanzeinlagen, die zuweilen von Table-Dance und Erotik-Clubs inspiriert scheinen.

Schon immer bearbeitete die Ruhrtriennale nicht nur den Kanon aus Tradition und Avantgarde. Sie suchte immer auch den Anschluss an ein junges Publikum mit pop-affinen Angeboten. Ein Beispiel dafür ist „Ritournelle“, ein kompaktes Festival mit elektronischer Musik an der Jahrhunderthalle. Das Angebot war diesmal besonders weit gespannt, mit einem Dancefloor am Wasserturm, einer Lesung und Programm auf mehreren Bühnen bis zum Morgengrauen.

Die Acts auf der Hauptbühne findet man nicht so schnell in den Mainstream-Charts. Und sie locken ein kundiges Publikum.

Dem grellen Nachtfalter Peaches ging die Formation „Oneohtrix“ aus Los Angeles voraus, ein Nerd-Duo, das zwar laute, aber überaus introvertierte Klang-Collagen bot. Zu tanzen gab es hierbei nicht viel, die rhythmischen Momente waren rar. Die Jahrhunderthalle wurde bei ihnen zur Chill-Out-Zone, in der sich die Fans dem hypnotischen Sog aus Flimmern, Rauschen, Stroboskop und einsamen E-Gitarren-Linien hingaben. Das in der Szene sehr populäre Berliner Trio Moderat bot eine aufwändige Live-Show. Die Band ist deutlich pop-orientierter, mit klar definierten Songs. Ritournelle bereichert den Konzertkalender der Region, indem es ungewöhnlichen und ausgefallenen Klangfarben eine große Bühne bietet. - sti

Quelle: wa.de

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