Prahl und Liefers ermitteln seit zehn Jahren

"Tatort" aus Münster: Kuhdung zum Geburtstag

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Jan Josef Liefers (l.) und Axel Prahl ermitteln seit zehn Jahren in Münster.

Münster - Jubiläum: Im Geburtstags-"Tatort" mischen sich die Ermittler mit Cowboyhut unter die stoische Landbevölkerung. Doch hinter der beschaulichen Country-Fassade brodelt es ganz ordentlich.

Gegensätzlicher könnten sie gar nicht sein. Ein preisgekrönter Professor im feinen Zwirn, Liebhaber der klassischen Musik und Klugscheißer vor dem Herrn. Und ein brummeliger Fußballproll, der selten ein Wort zuviel verliert. Durch eine Schicksalsgemeinschaft sind der Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) seit zehn Jahren miteinander verbunden: Sie gehen im beliebtesten ARD-„Tatort“ aus Münster gemeinsam auf Verbrecherjagd. Siezen tun sie sich nach all der Zeit allerdings immer noch.

Schon Thiels Start in der Universitätsstadt 2002 hätte besser laufen können. Bei der kettenrauchenden Staatsanwältin (Mechthild Grossmann) macht er sich gleich unbeliebt, weil er sie am Telefon für einen Mann hält. Und dann muss er auch noch Tür an Tür mit dem pedantischen Professor Boerne leben, der zugleich sein Vermieter ist. Der feine Herr ist meist im schicken Cabrio unterwegs, während Thiel sich soviel auf dem Rad abstrampelt, dass seine Plauze über die Jahre ziemlich geschrumpft sein müsste.

Mord auf dem Bauernhof

In der neuen Folge „Das Wunder von Wolbeck“ (Sonntag, 20.15 Uhr) muss der Kommissar besonders weit radeln - in einen Vorort von Münster, in dem ein Heilpraktiker auf seinem Bauernhof erschlagen worden ist. Auf dem platten Land wimmelt es an Verdächtigen und Motiven nur so. Dubios benehmen sich nicht nur die durchgeknallte Witwe auf Drogen (grandios: Lina Beckmann) und der Rinderbauer Kintrup (Stephan Kampwirth) von nebenan, sondern auch die drei dusseligen Brüder aus der Dorfkneipe „Wolbecker Hirsch“. Denen muss Thiel einiges erklären („Eine Affäre ist, wenn man eine Frau hat und noch eine“).

Boerne widmet sich in der Zwischenzeit einem neuen Fachgebiet: der Rinderwunschbehandlung. Denn Kintrups Prachtbulle tut's nicht mehr - und der Mediziner hilft in Cowboyhut und Karohemd aus. Das Vieh dankt es ihm mit einer Ladung Kuhdung, die in Boernes Gesicht landet. Und auf seinem Seziertisch in der Pathologie landet nach einem Missgeschick eine Ziege. Für den misstrauischen Thiel hat Boerne aber für jedes Fettnäpfchen die passende Ausrede parat.

Der Kommissar, der eigentlich mit Boernes Marotten genug zu tun hat, muss sich zudem mit seinem kiffenden Hippie-Vater (Claus D. Clausnitzer) herumschlagen, der immer irgendwie in die Fälle seines Sohnes verstrickt ist - egal, ob er Leichenteile angelt oder im Bett der Staatsanwältin landet. Im „Wunder von Wolbeck“ ist der Taxifahrer wieder gleich am Tatort. Er hatte vermögende Kundinnen vom Flughafen zu dem Heilpraktiker kutschiert. Das Geschäft will er sich von dem Mord nicht vermiesen lassen. „Der Preis ist derselbe - Dead or alive“, erklärt er einer Kundin. Thiel wundert gar nichts mehr.

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Ein Trost für den viel gepeinigten Kommissar: Als Ermittler-Duo fahren Boerne und er beste Einschaltquoten ein. Zuletzt sahen ihnen in „Hinkebein“ 11,8 Millionen beim Zanken zu. Inzwischen sind Prahl und Liefers so populär, dass sie in der ProSieben-Parodie „Switch Reloaded“ aufs Korn genommen werden. Die Busenfreunde nehmen's mit Humor: „Wenn wir zwei Schluck Wasser wären, wären sie bestimmt nicht auf die Idee gekommen, sich zu uns etwas auszudenken“, sagt Liefers.

Das Erfolgsgeheimnis der komischen Kriminalisten liegt nicht in komplexen oder clever konstruierten Fälle. Wenn Boerne und Thiel sich witzig-wortreiche Scharmützel liefern, treten Mord und Totschlag in den Hintergrund. Flankiert werden die Ermittler von einem Team aus schrägen bis drolligen Charakteren wie der kleinwüchsigen Assistentin „Alberich“ (Christine Urspruch), die Boerne trotz seiner Sticheleien („Kommen Sie mal wieder runter, Chef!“ - „Wohin, auf ihr Niveau etwa?“) wie eine Löwin verteidigt, wenn es drauf ankommt.

Dass das mit der „Tatort“-Comedy irgendwann aber ein Ende haben muss, steht für Prahl und Liefers fest. „Bevor wir die wie einen toten Gaul über die Ziellinie schleifen, würden wir lieber vorher aufhören“, sagt Jan Josef Liefers. „Aber im Moment können wir noch ganz gut mit dem Arsch wackeln, und so lange das so ist, machen wir gerne weiter.“ Nach dem gutgelaunten Country-Krimi „Das Wunder von Wolbeck“ wünscht man sich das auch.

dpa

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