Tatort-Kritik: Wie eine Auftragsarbeit des DFB

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Ulrike Folkert (l) alias Lena Odenthal und ihr Kollege Andreas Hoppe alias Mario Kopper

Ludwigshafen - „Fadime, ruhe in Frieden“, sagt der DFB-Präsident bei einer internen Trauerfeier für die tote türkische Fußballerin, die die Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) in ihrem neuesten „Tatort“-Fall (ARD) beschäftigt.

Es ist der echte Theo Zwanziger, der diese Worte spricht, aber so richtig echt wirkt er in dieser Rolle nicht.

Und auch sonst ist nicht viel authentisch an diesem Krimi, in dem unter anderen auch die Herren Joachim Löw und Oliver Bierhoff ihren kleinen Auftritt haben. Es geht um einen aufstrebenden Frauenfußballverein irgendwo im Ludwigshafener Hinterland, um die Liebe zum Sport und zum (Heimat-)Verein und, natürlich, um das Geld, das man als Kicker(-in) verdienen kann. Eine ganze Mannschaft von Verdächtigen wird aufgeboten (Drehbuch: Jürgen Werner), doch kein potenzielles Motiv für den Mord an der hübschen, selbstbewussten Migrantentochter kann wirklich überzeugen.

Nicht das des Freundes, der eifersüchtig ist auf ihren Erfolg, nicht das der Mutter, für die der westliche Lebensstil Fadimes „Sünde“ ist, nicht das des am Profit orientierten Managers, der sich durch den Weggang seines attraktiven Stars geprellt sieht. Und schon gar nicht das des braven Platzwartes (Michael Lott), der schließlich als Täter entlarvt wird. So einer schlägt einer Spielerin den Schädel ein, nur weil sie ein besseres Angebot angenommen hat?

Uwe Jansons Film wirkt auf den Zuschauer wie eine Auftragsarbeit des DFB, in dem – kurz vor Beginn der WM – für den Frauenfußball kräftig Werbung gemacht werden soll – und für die Arbeit an der Basis, in Clubs wie dem fiktiven FC Eppheim. Und deshalb gibt’s auch die erwarteten Sprüche wie den von Odenthals Kollege Kopper (Andreas Hoppe), die Bundesliga der Frauen entspreche der Kreisklasse der Männer. Es gibt Kommandos einer Trainerin (Susanne-Marie Wrage), die so in der Realität wohl nie gerufen würden. Und es gibt die süß-säuerliche Melancholie des Vereins-Faktotums, das von der Seele des Spiels salbadert.

Die Welt des Fußballs ist ein Milieu, in dem man sich leicht verdribbeln kann. Das hat schon die vor drei Monaten gezeigte „Tatort“-Folge „Mord in der ersten Liga“ mit Maria Furtwängler gezeigt – und das zeigt leider auch diese Episode.

Rudolf Ogiermann

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