Kontroverse Diskussion bei Hart aber fair

BVB-Profi im TV: "Wollen Sicherheit und produzieren Hass"

+
Neven Subotic engagiert sich mit einer Stiftung in Äthiopien.

München - Am Montag rückte Angela Merkel von ihrer Flüchtlingspolitik ab. Bei "Hart aber fair" war das Grund genug, zu debattieren, wie es künftig weitergehen könnte.

Vor über einem Jahr hat Angela Merkel auf der Bundespressekonferenz gesagt, dass jeder in Deutschland willkommen sei. Der Grund waren die teils dramatischen Bilder aus den Flüchtlings-Camps in Griechenland und dem überfüllten Bahnhof Keleti in Budapest.

Nun hat die Bundeskanzlerin Fehler eingeräumt und ihr Credo "Wir schaffen das" angepasst. Kein Wunder, dass am Montag bei der Talk-Runde Hart aber fair mal wieder die Flüchtlinge im Mittelpunkt der Diskussion standen. Und einmal mehr die Frage: Wie kann man ein Szenario, wie das aktuelle, verhindern?

Lösung: Freie Grenzen und faire Verträge

Die Ansätze waren so kontrovers wie eh und je. Und ebenfalls so bekannt. Aktivist Elias Bierdel sieht in Zäunen und Abschottung keine Lösung. "Die Menschen wollen dort weg, weil wir ihnen die Lebensgrundlage rauben", sagte der Gründer von "Borderline Europe - Menschenrechte ohne Grenzen". Das Grundübel sei der Klimawandel, der den Menschen in Afrika die Lebensgrundlage entzieht.

Eine ähnliche Ansicht vertrat auch ARD-Korrespondentin Shafagh Laghai, die derzeit in Nairobi arbeitet. Für sie ist es paradox, dass einerseits mehr und mehr Geld in die Entwicklungshilfe gesteckt werde, andererseits bei wirtschaftlicher Zusammenarbeit unfaire Verträge zum Nachteil der Entwicklungsländer geschlossen werden. "Unser besseres Leben geht auf Kosten anderer", sagte sie. Ein Beispiel: Hühnerbauern in Ghana hätten nur noch zehn Prozent Marktanteil in ihrem Land, weil Geflügel-Hälse, -Flügel und -Füße tiefgekühlt aus Deutschland nach Afrika gebracht und dort sehr billig verkauft werden.

Der Zaun und der Traum von Europa

Solche Szenarien lassen den ungarischen Botschafter in Deutschland, Peter Györkös, scheinbar ungerührt: Er konterte, Europa könne sich nicht um die Probleme Afrikas kümmern. "Es gibt kein Grundrecht auf besseres Leben", sagte er. Dem entgegnet BVB-Profi-Fußballer Neven Subotic: "Wir wollen Sicherheit und produzieren Hass."

Mit seiner Stiftung baut Subotic jedes Jahr knapp 1000 Brunnen in Äthiopien und versucht damit, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Ob das reicht? Der 22-jährige Bilal aus Sierra Leone weiß die Fluchtursache. "Alle meine Freunde und ich träumen, dass in Europa alles besser wäre", sagt er. "Man bekommt anständiges Essen, schöne Kleider und fährt große Autos." Auf den Hinweis, dass möglicherweise nicht alles leicht sei in Europa, entgegnet er: "Europa kann nicht schwerer sein als Afrika."

Zaun ist keine Dämonisierung

Damit wird wieder einmal klar, dass ein einfacher Zaun die Flüchtlinge nicht aufhalten wird. Auch wenn der Chef das Auswärtigen Amtes, Norbert Röttgen, sich gegen eine "Dämonisierung" wehrt. Ein Staat habe Grenzen, die er schützen müsse, meint der CDU-Mann. Er weiß aber auch: "Wir können uns in Europa aus eigenem Interesse dem Problem nicht mehr entziehen."

sap

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare