Filmkritik

Filmkritik: „Wickie und die starken Männer“

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„Wickie und die starken Männer“ ist nicht bloß eine parodistische Gag-Revue.

Michael Bully Herbigs neuer Kino-Streich handelt von Wickie, dem kleinen Wikingerjungen, den er liebevoll in Szene setzt statt ihn wie gewohnt unschmeichelhaft aufs Korn zu nehmen.

Schmächtige Buben, die am liebsten um jede Schulhofprügelei einen großen Bogen machen, finden seit 35 Jahren Trost in einer kleinen Zeichentrickfigur – in Wickie, dem sanften, sensiblen Wikingerjungen, der im Gegensatz zu seinen Artgenossen Angst vor Wölfen hat und kein raubeiniger Raufbold ist. Er beweist, dass man Probleme besser mit Köpfchen löst als mit Gewalt: Dank seiner schlauen Ideen, die ihm einfallen, wenn er seinen Zeigefinger um die Nase reibt, hilft er den dumpfbackigen Muskelprotzen in seinem Heimatdorf immer wieder aus der Patsche.

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„Wickie und die starken Männer“ feiert Premiere

Die TV-Kultserie „Wickie und die starken Männer“ diente Co-Autor und Regisseur Michael Bully Herbig als Vorlage für seinen neuesten Kino-Streich, nachdem er in seinen vorherigen Filmen Westernmythen, Weltallmärchen und Weihnachtsschnulzen aufs Korn genommen hatte. Doch sein Wikinger-Abenteuer ist keine parodistische Gag-Revue, sondern eine liebevolle Verbeugung vor dem Original – ein geradliniger, handfester, äußerst kurzweiliger Unterhaltungsfilm für die ganze Familie.

Bully präsentiert eine Wickie-Version für die Wikipedia-Generation: temporeicher und frecher als das Vorbild aus den 70er Jahren, aber ebenso charmant. Was Figuren, Motive und Themen betrifft, orientiert sich der Filmemacher eng an der gleichnamigen Zeichentrickserie, doch er hat eine neue Handlung hinzuerfunden: Wickies Dorf wird von maskierten Bösewichten überfallen, die sämtliche Kinder entführen – bis auf den Titelhelden, der daraufhin mit seinem Vater und dessen Chaoten-Truppe in See sticht, um seine Freunde zu befreien.

Ähnlichkeiten sind verblüffend

Mit Bully als Kapitän ist dieses aufwändige, am Walchensee und vor der maltesischen Küste gedrehte Komödien-Abenteuer in den richtigen Händen: Der Regie-Perfektionist inszeniert wie immer mit einer klaren Vision, sicherem Gespür für Timing und viel Liebe zum Detail. Geschickt bedient er die Kinobedürfnisse sämtlicher Altersstufen – seine Ideen-Palette reicht von kindgerechtem Slapstick bis hin zu gewitzten Anspielungen auf Filmklassiker.

Verblüffend, wie sehr die starken Männer ihren gezeichneten Vorlagen ähneln: Sie wurden klugerweise nicht mit den üblichen Comedy-Verdächtigen besetzt, sondern mit unverbrauchten Typen. Größter Trumpf des überzeugenden Ensembles ist indes der pfiffige Charmebolzen Jonas Hämmerle als Wickie. Günther Kaufmann verkörpert mit imposantem Fettanzug und sichtlichem Vergnügen den Schrecklichen Sven, Christoph Maria Herbst spielt dessen schleimigen Handlanger, und Jürgen Vogel ist kurz in der Rolle eines stotternden Piraten zu sehen. Bully selbst kommentiert das Geschehen als spanischer Chronist Congaz – eine völlig überflüssige und leider allenfalls mäßig lustige Figur.

Etwas dramaturgischer Feinschliff hätte nicht geschadet, um aus der bloßen Aneinanderreihung von Szenen einen schlüssigen, runden Erzählbogen zu formen. Aber das ist Mäkelei, denn der liebenswert altmodische Film bleibt stets spannend, wärmt das Herz und macht einfach tierisch Laune. Und wenn Bully zeigt, wie Wickie mit einem seiner genialen Einfälle schließlich die Schwerkraft besiegt, gelingt ihm sogar ein wahrhaft magischer Kino-Moment.

 

Von Marco Schmidt

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