Peinliche Panne

SEK stürmt falsche Wohnung

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Mitglieder des Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei rücken Mainz an einen "Tatort" vor.

Rollshausen - Das SEK hat versehentlich eine falsche Wohnung gestürmt. Insgesamt sollen die Beamten äußerst brutal vorgegangen sein. Der Einsatz basierte offenbar nur auf haltlosen Anschuldigungen.

Eine Spezialeinheit der Polizei hat im niedersächsischen Rollshausen versehentlich eine falsche Wohnung gestürmt. Warum sich die Beamten im Stockwerk irrten, sei unklar, betonte Horst Kanngießer, stellvertretender Leiter des Polizeikommissariats Duderstadt gegenüber dem „Göttinger Tageblatt“. Anscheinend habe es eine Kommunikationspanne gegeben.

Obwohl sich die Beamten umgehend bei dem geschockten Ehepaar entschuldigt hätten, konnte dieses den Vorfall vom Donnerstag nicht ohne weiteres vergessen. Ein Anwalt soll nun prüfen, ob den Beiden für das Missgeschick Schadensersatz zusteht.

SEK-Einsatz basierte offenbar auf haltlosen Anschuldigungen

Als das SEK kurz nach dem Missgeschick die "richtige" Wohnung stürmte, seien die Einsatzkräfte so brutal vorgegangen, dass selbst die Polizei von einer "gesundheitsgefährdenden Vorgehensweise" spricht, berichtet das "Göttinger Tageblatt" in seiner Onlineausgabe.

Abgesehen hatte es die Spezialeinheit auf Jens H.. Ein Anrufer hatte H. gegenüber der Polizei beschuldigt, ihn mit einer Waffe bedroht zu haben, heißt es auf der Nachrichtenseite weiter. Damit konfrontiert, sagte H. dem "Tageblatt": „Ich bin ein unbescholtener Bürger, habe das letzte Mal vor 25 Jahren bei der Bundeswehr eine Waffe in der Hand gehabt.“

Familienvater durch Spezialkräfte mehrfach verletzt

Das hinderte das SEK am vergangenen Donnerstag jedoch nicht daran, H. aus dem Schlaf zu reißen und ihn vor seiner Tochter und seiner Lebensgefährtin auf den Boden zu drücken. Dort wurde er nach eigenen Angaben mit Kabelbindern und Handschellen gefesselt. Gegenüber der Zeitung gab H. an, dass ihm dabei eine Sehne in der Schulter gerissen sei.

Wenig später setzten die Einsatzkräfte dem Bericht zufolge zudem einen Elektroschocker gegen H. ein. Ein angebliches Beweisfoto des "Tageblatts" zeigt Verbrennungen, die der Familienvater infolgedessen am Rücken davontrug. H. klagte außerdem über ein aufgeschürftes Knie, einen gebrochenen Zeh und einen Bluterguss.

Der Familienvater und seine Lebensgefährtin haben nach Informationen der Zeitung inzwischen Anzeige gegen die SEK-Beamten erstattet - wegen übertriebener Gewalt.

dpa/pie

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